Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Warum die Kommunikation für Nachhaltigkeit besser werden muss. Warum wir zuvor aber bei uns selber anfangen müssen.

Wenn der Begriff Nachhaltigkeit fällt, dann löst er häufig Reaktanz aus. „Nein, ich trage keine Birkenstock. Wollpullis kratzen und sind uncool.“ Bestenfalls: „Damit fange ich nichts an.“ Die inflationäre Verwendung des Begriffes und der damit verbundene permanente Alarmismus haben dem Nachhaltigkeitsgedanken geschadet. Seit ungefähr zehn Jahren gibt es allerdings Hoffnung: Der frühere US-Vizepräsident Al Gore hat durch zwei internationale und Oscarprämierte Filme zum Klimawandel viele Entscheider dazu bewegt, Nachhaltigkeits- und CO2-Minimierungsziele zu formulieren. Tesla und Elon Musk haben Nachhaltigkeit positiv aufgeladen, trotz persönlicher Eskapaden des Tesla-Erfinders. In Deutschland wirkt die stärkere mediale Präsenz von Professor Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenabschätzung als Triebfeder. Auch die Stiftung „Forum für Verantwortung“ des früheren Metro-Vorstandsvorsitzenden Klaus Wiegandt oder Plant-for-the-Planet  bringen das Thema Nachhaltigkeit voran. Es sind letztlich die Gesichter und Führungspersönlichkeiten, die Nachhaltigkeit greifbar machen.

In Deutschland gibt es einen weiteren Treiber für das Thema Nachhaltigkeit: die Folgen der Klimaveränderung vor der eigenen Haustür – und die Berichterstattung darüber. Das Abschmelzen des Zugspitz-Gletschers, Hochwasser-Katastrophen oder das auch vom Bauernverbands-Vizepräsidenten Krüksen zuletzt nicht mehr negierte massive Insektensterben in Deutschland.

In der Kommunikation, der öffentlichen Meinung und auch in der Wirtschaft nimmt Nachhaltigkeit daher einen immer höheren Stellenwert ein. Zu Recht: Denn wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der Entwicklung tatenlos zusehen, stehen uns – wenn man den Einschätzungen renommierter Institutionen wie der Potsdamer Institution, dem US National Oceanic and Atmospheric Administration oder dem jüngsten Sonderbericht des Uno-Weltklimarates IPCC folgt –  noch weitaus dramatischere Änderungen bevor, als wir es derzeit erleben. In der Wirtschaft und bei vielen Kunden von Engel & Zimmermann ist das Thema heute schon relevant: Bei Obstvermarkter Greenyard fresh geht es um die künftige Verfügbarkeit von Südfrüchten, bei den Lebensmittelkunden um die Art und Weise der Erzeugung von pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln und die Verfügbarkeit von Rohstoffen, bei den Automotive-Kunden um die Zukunft der CO2-einsparenden Mobilität.

Und Engel & Zimmermann? Wir sind als fast 50 Personen starke Kommunikationsberatung im positiven Sinn selbst betroffen. Seit mehr als sieben Jahren engagieren wir uns als Partnerunternehmen im Zentrum für Nachhaltige Unternehmensführung der Universität Witten/Herdecke (ZNU). Wir unterstützten das ZNU und damit wissenschaftliche Projekte, Dissertationen und die Institutsleitung jährlich mit 10.000 Euro. Wir dozieren dort zudem ehrenamtlich beim dreitägigen Lehrgang zum Nachhaltigkeitsmanager Food. Parallel leistet Andreas Voelmle seit ebenso vielen Jahren eine hervorragende Arbeit in der Dominik-Brunner-Stiftung, die sich für die Opfer von Zivilcourage und Zivilcourage selbst stark macht. Beide Beispiele sind Beleg dafür, dass es uns um mehr geht als Beratung, Krise und Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wir meinen es ernst mit dem nachhaltigeren Wirtschaften und haben aus diesem Grund im Dezember 2017 eine Projektgruppe bei Engel & Zimmermann ins Leben gerufen, die das Thema Nachhaltigkeitsmanagement bei uns selbst etablieren soll. Das ZNU berät uns hierbei in der Startphase. Anschließend wird Nachhaltigkeit ein fester Teil unserer Firma werden, institutionalisiert mit Zielen und einer regelmäßigen Kommunikation nach innen und außen. Ein wichtiger Zwischenschritt war die unternehmenseigene Klimabilanz, die die Quellen unseres CO2-Ausstoßes aufzeigt.

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – dieser fast schon altmodisch klingende Spruch ist wahrer denn je. Auch wenn Engel & Zimmermann nur eine Mikro-Institution ist, können wir schon Dinge im Kleinen bewegen und wollen dies auch. Wenn wir etwas bewegen wollen – und das gilt natürlich genauso für unsere Kunden – dann muss Nachhaltigkeit zünden. Es muss raus aus einer moralinsauren Debatte hin zu begeisterter Teilhabe. Das funktioniert nur, wenn die Haltung stimmt, wenn Geschichten erzählt werden, die verfangen und wenn Nachhaltigkeit letztlich den Konjunktiv verlässt. Und es benötigt die Gelassenheit, die mit nachhaltigerem Wirtschaften verbundenen Zielkonflikte unaufgeregt und systematisch zu bearbeiten.