Vier Tipps für eine starke Stimme bei Telefon- und Video-Konferenzen

Vier Tipps für eine starke Stimme bei Telefon- und Video-Konferenzen

So vermeiden Sie „Zoom-Fatigue“: Vier einfache Tipps, wie Sie in Telefon- und Video-Konferenzen stärker wahrgenommen werden.

Der britische König Georg VI. hielt nach dem deutschen Angriff auf Polen 1939 seine wichtigste Rundfunkrede an die Bürgerinnen und Bürger des Vereinigten Königreiches. Nach anfänglichem Zögern wurde es schließlich eine der eindrucksvollsten Reden, die Georg VI. jemals gehalten hat. Und das, obwohl er noch wenige Jahre zuvor stotterte und unter extremen Lampenfieber litt. Kongenial ist diese Geschichte in „The King’s Speech“ verfilmt worden. Wie schafft man es, von einem Stotterer zu einem guten Redner zu werden? Georg VI. hatte bereits Hilfe, als er noch Albert, Herzog von York, war. Ein Sprachtherapeut brachte ihm mit unkonventionellen Mitteln bei, dass man Stottern überwinden kann. Dazu war allerdings viel Übung nötigUnd was das angeht, leben wir heute in glorreichen Zeiten: Die vielen virtuellen Konferenzen ermöglichen es uns, die Präsenz und die Ausdrucksstärke unserer Stimme jeden Tag zu üben. Wenn Sie auf diese vier einfachen Regeln achten, dann werden Sie in Zukunft besser wahrgenommen und die anderen schenken Ihnen mehr Gehör

    1. Reden Sie langsamer

      Jeder von uns hat eine natürliche und individuelle Redegeschwindigkeit. Beim persönlichen Kontakt ist es wesentlich einfacher, einer anderen Person beim Sprechen zu folgen, weil wir auf das ganze Spektrum der Gesichtsausdrücke und der Körpersprache zurückgreifen können. Virtuelle Besprechungen sind dagegen unnatürlich. Das Bild kann einfrieren, ist unscharf oder wird nur mit Verzögerung dargestellt. In Telefonkonferenzen müssen wir uns sogar nur auf die Stimme verlassen. Das ist teilweise so anstrengend, dass es schon einen Ausdruck dafür gibt: „Zoom-Fatigue“, der Erschöpfungszustand nach einer Video-Konferenz. In einem Interview mit der britischen BBC sagte der Verhaltensforscher und Professor an der Wirtschaftshochschule InseadGianpiero Petriglieri: „Videochats bedeuten, dass es uns schwerer fällt, nonverbale Hinweise wie Mimik, Stimmlage oder Körpersprache zu lesen. Darauf stärker achten zu müssen verbraucht eine Menge Energie.“ Ein wirksames Mittel, damit die Zuhörer am Ball bleiben: Verlangsamen Sie die Sprechgeschwindigkeit. Normalerweise sprechen wir mit einer Geschwindigkeit von 150 bis 170 Wörtern pro Minute. Für virtuelle Konferenzen sollten wir nur ca. 140 Wörter pro Minute in den Mund nehmen. Finden Sie Ihre Geschwindigkeit. Und werden Sie nicht zu langsam, damit Ihre Zuhörer nicht einschlafen. 

    2. Pausieren Sie für mehr Wirkung

      Eine gute Möglichkeit, um die Sprechgeschwindigkeit zu verlangsamen, sind Pausen nach Kernbotschaften. Lassen Sie den Wörtern Raum, sich zu entfalten. Bei einer Präsentation sind wir oft versucht, entstehende Pausen mit Füllwörtern wir „äh“ oder „ehm“ zu füllen. Nutzen Sie stattdessen Ruhe als eine Taktik. Das setzt eine gewisse Besprechungsdisziplin aller Teilnehmer voraus, damit andere eine Pause nicht als Signal verstehen Ihren Beitrag zu unterbrechen. Oft sprechen wir gerade dann schnell, wenn wir Angst vor Unterbrechung haben. 

    3. Artikulieren Sie klar und deutlich

      Folgendes Setting: In einer Telefonkonferenz sitzen am anderen Ende der Leitung fünf Personen in einem Raum mit einer Mikrofonspinne in der Mitte. Der Raum hallt unerbittlich. Einer der Teilnehmer sitzt weit weg von der Spinne und spricht schnell im lokalen Dialekt. Sie verstehen kein Wort. Tun Sie das den Teilnehmern bei virtuellen Konferenzen nicht an. Sprechen Sie klar und deutlich in das Mikro, sodass Ihr Beitrag auch gehört werden kann. Viele neigen bei einem normalen Gespräch dazu, Endungen zu verschlucken. Machen Sie sich bewusst, dass eine virtuelle Konferenz keine normale Gesprächssituation ist. Üben Sie, wenn nötig, vorher die Aussprache mit berühmten Artikulationsübungen wie „Fischers Fritze fischt frische Fische“ oder „Der Kaplan klebt Pappplakate“.  

    4. Verwenden Sie ein Qualitätsmikrofon

      Die eingebauten Mikrofone von Laptops sind nicht besonders gut. Durch die Datenkompression der Videosoftware wird dieser Ton oft noch schlechter. Sie können die Ausgangsqualität des Tonsignals erheblich verbessern, wenn Sie ein ordentliches Mikrofon oder ein hochwertiges Headset für Ihre virtuellen Konferenzen nutzen. In einem Raum mit mehreren Kolleginnen und Kollegen ist sogar ein Headset mit einer Unterdrückungsfunktion der Umgebungsgeräusche sinnvoll.  

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir auch nach der Corona-Pandemie wesentlich mehr Zeit in virtuellen Konferenzen verbringen werden. Eine deutliche, klar verständliche Sprache kann verhindern, dass Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen an der „Zoom-Fatigue“ leiden. Das Wichtigste aber ist: Eine klare, verständliche Sprache beugt auch Missverständnissen zuverlässig vor.