Tarifkommunikation für Verbände und Unternehmen: Zwei Cases, zwei Perspektiven
Wie gelingt es, in sensiblen Phasen wie Tarifverhandlungen oder bei wachsendem Gewerkschaftsdruck die eigene Position klar zu kommunizieren – intern wie extern? Zwei Beispiele zeigen, wie strategische Kommunikation Deutungshoheit sichert und Vertrauen schafft.
Tarifverhandlungen sind für Unternehmen und Arbeitgeberverbände eine Herausforderung: Es geht nicht nur um Zahlen und Fakten, sondern darum, die eigene Sichtweise nachvollziehbar zu vermitteln. Hinzu kommt: Gewerkschaften kommunizieren emotional, schnell und professionell, um ihre Forderungen durchzusetzen. Arbeitgeber hingegen halten sich traditionell eher zurück – und genau das ist ein Fehler. Wer nicht ebenso strategisch und geschlossen kommuniziert, läuft Gefahr, die Deutungshoheit zu verlieren. Wir zeigen zwei Cases erfolgreicher Tarifkommunikation.
Case 1: Bundesarbeitgeberverband – Geschlossen auftreten, Botschaften verankern
Für die Tarifrunde 2024 galt es, die Arbeitgeberseite kommunikativ zu einen und ihre Position sichtbar zu machen. Die Lösung: eine Kommunikationsgemeinschaft, die den Bundesverband, die Landesarbeitgeberverbände und deren Mitgliedsunternehmen verbindet.
Unsere Strategie:
- Gemeinsame Linie: Entwicklung zentraler Kernbotschaften und einer klaren Storyline, die die Anforderungen an den Abschluss und die Zukunftschancen der Branche verdeutlicht.
- Ziel: Ein Abschluss, der Flexibilität und Planungssicherheit schafft – und damit die Transformation ermöglicht.
Maßnahmen auf allen Ebenen:
Um die Botschaften wirksam zu verankern, haben wir ein breites Maßnahmenpaket umgesetzt, das alle Zielgruppen berücksichtigt:
- Webinare für Mitglieder: Direkte Information und Austausch zu den Kernbotschaften und Argumentationslinien
- Eigene Landingpage auf der Verbands-Website: Zentrale Plattform mit allen Materialien, Hintergrundinformationen und aktuellen Updates zur Tarifrunde
- Aushänge in den Mitgliedsunternehmen: Sichtbare und niedrigschwellige Präsenz vor Ort, um Mitarbeitende in der Produktion direkt zu erreichen.
- Postkartenaktion: Persönliche Ansprache und Aktivierung innerhalb der Betriebe
- Proaktive Medienarbeit: Pressemeldungen zu jeder Verhandlungsrunde, um Transparenz zu schaffen und die Position der Arbeitgeberseite öffentlich zu kommunizieren.
- LinkedIn-Kampagne mit Multiplikatorenansatz: Nutzung von Meinungsführerinnen und Meinungsführern, um die Reichweite und Sichtbarkeit der Botschaften deutlich zu erhöhen.
Ergebnis: Schnelle, konsistente Kommunikation, die die Position der Arbeitgeberseite stärkte und den Weg zu einem tragfähigen Abschluss unterstützte.
Case 2: Unternehmen – Unabhängigkeit als Chance
Ein Unternehmen, das nicht tarifgebunden ist, sieht sich mit zunehmendem Druck der Gewerkschaft konfrontiert. Die Aufgabe: Die eigene Position intern und extern nachvollziehbar kommunizieren.
Unsere Strategie:
- Positives Narrativ: Das Unternehmen steht für ein unabhängiges, flexibles und starkes Arbeitgebermodell, das den Anforderungen der Zukunft und denen der Region entspricht.
- Interne Kommunikation: Regelmäßige Mitarbeitenden-Information über ein Infoblatt und Mitarbeiterversammlungen, die auch positive Themen sichtbar machen.
- Externe Kommunikation: Gezielte Platzierung des CEO in lokalen Medien – mit starkem Lokalkolorit und klarem Zukunftsbild.
- Transfer: Erweiterung des Konzepts auf einen weiteren internationalen Standort.
Fazit: Ob Verband oder Unternehmen – wer proaktiv kommuniziert, behält die Deutungshoheit und sichert sich Handlungsspielräume.