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Krisenkommunikation im Wilke Wurst Skandal

Der Skandal der Wilke Wurst Produkte, die auch bei Lidl, Edeka und Ikea erhältlich waren, zeigt, wie wichtig Krisenprävention und Krisenkommunikation sind.

Wenn das eigene Produkt die Gesundheit der Verbraucher verletzt, vielleicht sogar tötet, ist das schlimmste Krisenszenario für jeden lebensmittelverarbeitenden Betrieb eingetreten. In dieser Situation einen offenen und ehrlichen Dialog mit der Öffentlichkeit zu verweigern ist nicht nur aus Sicht der Krisenkommunikation grundfalsch, es ist auch verantwortungslos: Dies ist aber genau das, was die Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG gerade macht. Zwei Menschen sind gestorben, nachdem sie mit Listeriose infizierte Wurstwaren der Firma Wilke gegessen hatten. Außerdem besteht laut einem Sprecher des Landkreises bei 37 Krankheitsfällen der Verdacht, dass es einen Zusammenhang zwischen den Beschwerden und dem Verzehr von Wilke-Produkten gibt.

Die Öffentlichkeit verlangt vollkommen zurecht nach Informationen: Wie konnte das passieren? Welche Schritte unternehmen die Behörde und das Unternehmen? Wurden wirklich alle Produkte zurückgerufen? Auf seiner Website hatte Wilke Wurstwaren keine Stellungnahme veröffentlicht. Eine Dark Site, die dem Umstand Rechnung trägt, dass es Todesfälle als Folge des Verzehrs gegeben hat, wäre überdies angebracht gewesen. Und die Facebook-Seite der Firma? Die letzten Posts, die dort zu finden waren, waren bunte Markenversprechen, die angesichts der aktuellen Situation deplatziert wirkten. Auch hätte in dieser Situation der Inhaber in die Öffentlichkeit gehen müssen: der Betroffenheit Ausdruck verleihen und die Menschen auf dem Laufenden zu halten. Aktueller Stand (8. Oktober, 10.30 Uhr) ist, dass die Website nicht einmal mehr erreichbar ist und die Facebook-Präsenz offenbar abgeschaltet wurde.

Inzwischen hat die Firma Wilke Insolvenz angemeldet. Listerien, zeigt sich einmal mehr, sind brandgefährlich für jedes Lebensmittelunternehmen. Die Keime hatten bereits den bayerischen Traditionsbetrieb Sieber 2016 in die Knie gezwungen. Auffallend ist, dass beide Betriebe eine falsche Kommunikationsstrategie verfolgt hatten. Während Wilke sich fürs Untertauchen entschieden hatte, ging Sieber damals auf Konfrontationskurs und attackierte die Behörden. Damit hatte Sieber lediglich erreicht, dass sich der damalige Bundesminister für Verbraucherschutz, Horst Seehofer, schützend vor seine Beamten gestellt hatte.

An diesen Beispielen zeigt sich eindrucksvoll wie essentiell eine systematische Krisenprävention ist genauso wie die überlegte Kommunikation im Ernstfall. Durch Kommunikation lassen sich solche Vorfälle wie bei Wilke und Sieber nicht kategorisch verhindern, aber sie trägt entscheidend zur Deeskalation bei. Durch Krisenkommunikation lässt sich vermitteln, dass das Unternehmen trotz bestimmter Vorfälle verantwortungsvoll arbeitet. Nur wenn der Öffentlichkeit dieses Bild erfolgreich vermittelt wird, kann es gelingen, dass alle Handelskunden – ob sie nun Lidl, Edeka oder Ikea heißen – nicht sofort abspringen und der Betrieb fortbestehen kann.

 

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