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Wirecard: Warum Krisenkommunikation über ein mittelmäßiges Videostatement zu wenig ist

Wirecard: Warum Krisenkommunikation über ein mittelmäßiges Videostatement zu wenig ist

Wenn 1,9 Milliarden Euro fehlen ist Krisenkommunikation zur Schadensbegrenzung unumgänglich – eine Erfahrung, die die Wirecard AG in diesen Tagen macht. Die gigantische Summe hätte eigentlich auf Treuhandkonten des Konzerns liegen sollen. Dass die Gelder wirklich existieren, konnte das Unternehmen den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young nicht nachweisen. Die Folgen sind in der Presse intensiv diskutiert worden und hinlänglich bekannt: EY verweigerte das Testat für den Jahresabschluss, woraufhin der Börsenkurs katastrophal einbrach. Die Zukunft des Unternehmens ist sehr ungewiss.

Wenn ein Viertel der Konzernbilanzsumme sich als nicht existent herausstellt, ist das für jedes Unternehmen eine Situation, die den Fortbestand des Betriebs ins Wanken bringt. Aus Sicht der Krisenkommunikation musste Wirecard sich nach dem verweigerten Testat auf ein vorrangiges Ziel konzentrieren: das Vertrauen der Anleger, Investoren, Geschäftsinhaber und Banken soweit wie möglich erhalten.

Videostatement soll Geschlossenheit demonstrieren

Reagiert hat Wirecard unter anderem mit einer Video-Stellungnahme, in der die zentrale Rolle der mittlerweile zurückgetretene Vorstand Markus Braun ausfüllt. Grundsätzlich ist das Instrument der Video-Stellungnahme durchaus zu empfehlen und hilft Vertrauen wiederaufzubauen, doch so wie es Wirecard gehalten hat, konnte diese Maßnahme nur wirkungslos verpuffen. Aus dem Blickwinkel der Krisenkommunikation fallen vor allem die folgenden Aspekte auf:

  • Inhaltlich trifft Markus Braun keine relevanten Aussagen, die über das bisher Presseöffentliche hinausgehen. Er fasst lediglich den bekannten Sachstand zusammen, ohne eine Perspektive aufzuzeigen. Was ebenfalls fehlt: Die Bitte um Entschuldigung für das eigene Versagen. Schließlich haben hunderte Kleinanleger in diesen Tagen sehr viel Geld verloren.
  • Dass der Gesamtvorstand in dieser Situation im Video zu sehen ist, war eine sicherlich bewusste Entscheidung, um Geschlossenheit zu demonstrieren. Allerdings sind die Personen unglücklich hinter dem Tresen platziert und wirken neben dem CEO wie unbeholfene Statisten.
  • Die Körpersprache von Markus Braun überzeugt nicht. Der Text wirkt vom Teleprompter abgelesen und verliert schon dadurch erheblich an Authentizität. Das Sprechtempo stimmt, allerdings presst er seine Hände mit gespreizten Fingern auf den Tressen. Dadurch lenkt er vom Inhalt ab und wirkt verkrampft und wenig glaubwürdig.

Das Videostatement selbst hat Wirecard offenbar mittlerweile von seinem Kanal entfernt, so dass es nur noch auf inoffiziellen Seiten zu finden ist. Warum sich das Unternehmen dazu entschlossen hat, bleibt offen. Ein Grund scheint der Rücktritt Markus Brauns gewesen sein.

Wirecard

Quelle: FAZ online

Nachhaltigkeitsberichte – Wer liest sie und warum?

Nachhaltigkeitsberichte als Teil der Nachhaltigkeitskommunikation spielen für viele Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Doch warum eigentlich? Seit die Europäische Kommission unter der Leitung von Ursula von der Leyen im Dezember 2019 den Europäische ‚Green Deal‘ verabschiedet hat, existiert eine Art Fahrplan für eine nachhaltige EU-Wirtschaft. Es handelt sich dabei um eine neue Wachstumsstrategie, mit der die EU bis ins Jahr 2050 Klimaneutralität erreichen will. Aus diesem Grund steht das Thema Nachhaltigkeit nicht nur in der Politik weit oben auf der Agenda, sondern gewinnt auch in der Wirtschaft mehr und mehr an Bedeutung.

Nachhaltigkeit im Unternehmen

Engagieren sich Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit, ist die Kommunikation ein essentieller Teil der Nachhaltigkeitsstrategie. Seit 2017 besteht für Unternehmen ab einer gewissen Größe bereits eine Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (vgl. §289b Abs. 1 HGB). Doch immer häufiger sehen sich auch kleine und mittelständische Unternehmen vor der Herausforderung, ihren Stakeholdern sowie der Öffentlichkeit transparent und glaubwürdig zu zeigen, inwiefern sie zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. Nachhaltigkeitsberichte als Teil der Nachhaltigkeitskommunikation haben sich mittlerweile branchenübergreifend als Element einer ganzheitlichen Unternehmenskommunikation etabliert. Unternehmen aus der Lebensmittelbranche wie Rittersport oder die PHW-Gruppe machen es bereits vor und berichten über ökologische, soziale und ökonomische Belange in ihren Unternehmen. Nachhaltigkeitsberichte richten sich an eine Vielzahl diverser Zielgruppen, darunter Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Handelspartner oder Kapitalgeber. Doch wie steht es eigentlich um die Nutzung solcher Berichte? Befassen sich die Zielgruppen mit den aufwendig erstellten Nachhaltigkeitsberichten und wenn ja, welche Nutzungsmotive liegen bei den Lesern vor?

Studie zur Nutzung von Nachhaltigkeitsberichten

Antwort auf diese Fragen gibt eine Studie über die Nutzung und Nutzungsmotive von Nachhaltigkeitsberichten, durchgeführt im Rahmen einer Bachelorarbeit in Zusammenarbeit mit einem Betrieb aus der Lebensmittelbranche, der sich auf die Verarbeitung und Verpackung von Käse spezialisiert hat und bereits zum zweiten Mal einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht hat. Befragt wurden die wichtigsten Stakeholder-Gruppen des Unternehmens mittels Online-Umfrage, welche als Hauptzielgruppen mit dem Nachhaltigkeitsbericht angesprochen werden sollen: Kunden, Mitarbeiter, Kapitalgeber und Handelspartner.

Wie werden Nachhaltigkeitsberichte genutzt?

Bezüglich der Nutzungsgewohnheiten ergab sich, dass der durchschnittliche Leser etwa 5-15 Minuten Zeit in die Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts investiert, wobei die meisten Befragungsteilnehmer angeben, vor allem Überschriften, Zusammenfassungen und Grafiken zu lesen. Da die meisten Leser sich dem Nachhaltigkeitsbericht nur kurze Zeit widmen und diesen eher überfliegen, ist ein übersichtliches und schnell verständliches Design wichtig. Durch grafische und textliche Aufbereitung der Daten und Fakten fällt es der Leserschaft leichter, sich während der kurzen Nutzungsdauer einen guten Überblick zu verschaffen. Was die textliche Gestaltung betrifft, so bewerten die Befragungsteilnehmer aus allen Stakeholdergruppen ein Themengebiet als ganz besonders interessant, nämlich alle Inhalte rund um ökologische Aspekte. Daran schließt sich der soziale Teil des Berichts an, der vor allem für die Mitarbeiter von besonders hohem Interesse ist. In der Gesamtwertung belegen die Artikel zu wirtschaftlichen Themen den dritten Platz. Dabei geben knapp zwei Drittel der Befragten an den Bericht im Online-Format zu lesen.

Warum werden Nachhaltigkeitsberichte überhaupt gelesen?

Für 97% der befragten Stakeholder steht es an erster Stelle, bei der Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts über die Thematik an sich sowie über das nachhaltige Engagement im Unternehmen informiert zu werden.  Des Weiteren geben sie an den Bericht aus Neugier zu lesen sowie aufgrund der Erwartung, durch den Bericht etwas Neues über Nachhaltigkeit dazuzulernen. An zweiter Stelle steht für die Befragten das „Mitreden Wollen“. Der CSR-Bericht wird dementsprechend gelesen, um fähig zur Interaktion mit anderen zu sein, sei es im Gespräch über Nachhaltigkeit oder über das Unternehmen selbst. Insbesondere aus der Gruppe der Mitarbeiter geben viele Befragungsteilnehmer an, Zeit in die Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts zu investieren, da dieser sie stolz auf ihre Arbeit im Unternehmen mache. Ein ebenfalls häufig angegebener Grund zur Nutzung des Nachhaltigkeitsberichts entspricht der gewohnheitsmäßigen Mediennutzung, das heißt für die Betroffenen ist es Teil ihres Jobs den Bericht zu lesen.

Berichtsqualität und Glaubwürdigkeit

Ein wichtiger Aspekt eines Nachhaltigkeitsberichts im Rahmen einer erfolgreichen Nachhaltigkeitskommunikation ist die Zufriedenheit der Stakeholder. Dazu gehört einerseits eine zielgruppengerechte Ansprache, sodass alle Anforderungen der unterschiedlichen Lesergruppen erfüllt werden. Des Weiteren spielt aber auch die Einschätzung der Leser zur Qualität des Berichts eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse aus der Online-Umfrage zeigen, dass Printnutzer den Nachhaltigkeitsbericht qualitativ etwas hochwertiger bewerten, als die Online-Nutzer. Eine mögliche Interpretation dieses Ergebnisses ist, dass häufig noch „zu analog“ gedacht wird, weshalb vor allem die Printversionen großes Gefallen finden. Zusätzlich dazu konnte ein enger Zusammenhang zwischen der Einschätzung der Befragungsteilnehmer zur Glaubwürdigkeit und der Berichtsqualität nachgewiesen werden. Das bedeutet: Wird der Nachhaltigkeitsbericht als qualitativ hochwertig empfunden, so wird er ebenfalls als sehr glaubwürdig bewertet.

Fazit?

Früher oder später werden sich alle deutschen Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigen müssen. Spätestens dann, wenn die geplanten Maßnahmen des EU Green Deals nach und nach umgesetzt werden. Die richtige Kommunikation ist dabei das A und O für ein Unternehmen, denn wer unter den Verdacht gerät, Nachhaltigkeitsversprechen nicht ordnungsgemäß zu erfüllen, dem droht ein massiver Reputationsschaden in der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund ist eine glaubwürdige und authentische Nachhaltigkeitskommunikation elementar und bietet die ideale Möglichkeit, eine ganzheitliche Unternehmenskommunikation zu betreiben.

Coronavirus Krisenkommunikation

Krisenkommunikation, Coronavirus und die kommunikative Springflut

Filmende Kamerateams vor der Firmenzentrale, Medienanfragen en masse und Mitarbeiter mit hohem Informationsbedürfnis – wenn neuartige Viren wie der Coronavirus grassieren und dazu Bilder einer menschenleeren chinesischen Millionenstadt in den Hauptnachrichten gezeigt werden, dann steigt der Herzschlag in international operierenden Firmen und den Krisenstäben. Denn Epidemien wie SARS oder der Coronavirus können betriebliche Abläufe komplett durcheinanderbringen. Sie können bis zu zeitweisen Standortschließungen wie in dem Fall des oberbayrischen Automobilzulieferers führen. Vor diesem Hintergrund stellen sich im Krisenmanagement viele Fragen, darunter die folgenden:

  • Wie funktioniert eigentlich die Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden? Wer spricht wann mit wem? Und- wer treibt wen?
  • Was machen wir, wenn der Virus in direkter Verbindung zur Firma steht?
  • Welche Handlungsoption wähle ich: Ausschließlich das umsetzen, was in Absprache mit den Behörden vorgesehen ist? Oder geht man darüber hinaus und ergreift zusätzliche Maßnahmen, die in der Außenwirkung Pluspunkte bringen?
  • Wie nimmt man besorgte Mitarbeiter am besten mit?
  • Und wie geht man operativ mit dem erfahrungsgemäß springflutartigen Medieninteresse um?
  • Was bedeuten Pandemien eigentlich für die Kundenbeziehungen?
  • Und was wäre, wenn der Krisenstab in Quarantäne geschickt werden würde?

Krisenprävention ist die halbe Miete

Bekanntermaßen gilt in der Krisenkommunikation: Krisenprävention ist die halbe Miete. Aber sind Unternehmen tatsächlich vorbereitet auf Krisensituationen, die mit Epidemien in Verbindung stehen? Vermutlich eher nicht, denn Ereignisse wie der Coronavirus haben Seltenheitswert. Geübter sind in der Krisenkommunikation eher Krisen wie klassische Produktrückrufe, schwere Betriebsunfälle oder ökonomische Problematiken, die mit Werkschließungen oder einem Arbeitsplatzabbau einhergehen.

Nichtsdestotrotz gelten auch bei Pandemien einfache Spielregeln, die sich über eine kluge Krisenprävention abbilden lassen:

  1. Sortierung machen: Was bedeutet ein festgestellter Virus im Betrieb? Sprich: Wer ist betroffen, wer ist Beteiligter im Krisenfall?
  2. Verantwortung: Wer ist für die Kommunikation mit welcher Zielgruppe verantwortlich? Sprich: Wer kommuniziert mit Mitarbeitern, Behörden, Medien, Kunden, Lieferanten und Dritten, auf welche Weise und in welcher Frequenz?
  3. Monitoring: Wie erfahren wir unmittelbar, wer sich wie zu der Krise äußert und vor allem in welcher Tonalität? Wie fangen wir Fehlmeldungen wieder ein? Abhilfe schaffen hier Online-Monitoring-Tools.

Wenn in einem Krisenfall, der durch ein kritisches Virus ausgelöst wird, die Gesundheitsbehörden involviert sind, behält ein Unternehmen nicht unbedingt die Kommunikationshoheit. Aus diesem Grund sollten Firmen frühzeitig mit den Behörden solche Fälle durchspielen. Die aktuelle Berichterstattung über den Coronavirus hat vielen Kommunikationsverantwortlichen vor Augen geführt, das Gesundheitsrisiken für Mitarbeiter ein ganz eigenes Krisenthema darstellen. Sich auf dieses Krisenszenario einzustellen, bedeutet im tatsächlichen Krisenfall mehr Zeit für die Krisenkommunikation zur Verfügung zu haben. Im Zeitalter globaler Warenströme und einer immer stärkeren Vernetzung der Wirtschaft werden Krisen wie das Coronavirus oder SARS wiederkehren. Aus diesem Grund hilft eine kluge Krisenprävention einen möglichen Reputationsschaden zu begrenzen, dem Krisenstab die Sicherheit zu geben gut vorbereitet zu sein und im tatsächlichen Krisenfall den ein oder anderen Lapsus zu vermeiden helfen.

Webhosting – ein unterschätzter Erfolgsfaktor!

Die Webseite ist heute die Visitenkarte eines Unternehmens – häufig ist sie der erste Kontaktpunkt, den ein Geschäftspartner oder ein Kunde mit dem Unternehmen hat. Umso wichtiger ist die ansprechende Gestaltung der Seite. Bei der Erstellung von Webseiten geht es aber häufig nur um „Form & Funktion“, d. h. wie ist mein Auftritt gestaltet und sind alle Inhalte nutzerfreundlich aufbereitet?

Neben diesen grundlegenden Erfolgsfaktoren gibt es allerdings weitere Punkte, die der Betreiber einer Seite beachten sollte. Der Bereich Webhosting spielt hierbei eine wichtige Rolle und beeinflusst unter anderem die Bereiche Sicherheit & Suchmaschinenoptimierung, Erreichbarkeit & Datenschutz sowie den Support.
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SONDERSITUATIONEN – HERAUSFORDERUNGEN FÜR UNTERNEHMEN UND BERATER

Neben der klassischen Kommunikation und Social Media gewinnen Sondersituationen zunehmend an Bedeutung, was die zuständigen Kommunikatoren betrifft. Die wesentlichen Gründe hierfür sind in einem immer komplexer werdenden rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Umfeld zu suchen. Die Compliance wird sehr viel restriktiver ausgelegt und birgt enorme Risiken. Gleichzeitig gehört das berechenbare Umfeld der „alten BRD“ schon lange der Vergangenheit an und musste einem sehr viel volatileren Kontext weichen. Faktoren wie die Niedrigzinslandschaft, die anhaltende Euro-Krise oder der Brexit sind machtvolle Einflüsse, die sich auf den Unternehmensverlauf auswirken kommen. Hinzu kommen Themen wie Culture Change, Managementwechsel, Neuausrichtung, Rebranding oder Restrukturierung, die disruptiv wirken. Sowohl die Verantwortlichen auf Unternehmensseite als auch deren Berater müssen sich diesen – oftmals spontan hereinbrechenden – Situationen stellen. Dies kann zwei Probleme mit sich bringen. Zum einen sorgt der Zeitdruck oftmals für hohe Belastungen, zum anderen fehlt es oft an der nötigen Erfahrung. Jahrelange hervorragende Medienarbeit bedeutet nicht automatisch, dass neue Herausforderungen ähnlich gut bewältigt werden können. Weiterlesen

Beitragsbild-Blog

Tipps zum Umgang mit Wikipedia: Dos and Don’ts für Unternehmen

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia gehört zu den zehn am meisten besuchten Internetseiten der Welt. Auch von Journalisten wird das Web-Lexikon zunehmend als Informationsquelle genutzt. Wer bei Google nach einem beliebigen Begriff sucht, bekommt häufig einen Wikipedia-Eintrag als einen der ersten Treffer. Das zeigt: Die öffentliche Wahrnehmung von Unternehmen, Verbänden oder Personen des öffentlichen Interesses wird über einen Eintrag in der Wikipedia erheblich mit geprägt. Grund genug, sich einmal mit den Spielregeln der Online-Enzyklopädie vertraut zu machen. Weiterlesen