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Fallzahlen zur Ausbreitung des Coronavirur berichtet wie

Fallzahlen zur Ausbreitung des Coronavirus: Wer berichtet wie?

Die aktuellen Zahlen zu den Infektions- und Sterberaten stehen in der Medienberichterstattung über das Coronavirus neben politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen im Fokus des öffentlichen Interesses. Mehrere renommierte Institute veröffentlichen täglich aktuelle Fallzahlen. Neben dem Robert Koch Institut (RKI), der zentralen Einrichtung der deutschen Bundesregierung für Krankheitsüberwachung, aktualisieren auch die Gesundheitsministerien der Länder, die Landkreise, Städte und Gemeinden regelmäßig ihre Angaben zum Verlauf der Pandemie. Auf europäischer Ebene ist vor allem das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zu nennen. In Bezug auf die globale Situation gelten insbesondere die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die US-amerikanische Johns Hopkins University in Baltimore als renommierte Institutionen. Beide haben ein dynamisches Corona-Dashboard eingerichtet, in dem sowohl globale als auch länderspezifische Daten einsehbar sind.

Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass sich auch die Angaben der genannten Einrichtungen voneinander unterscheiden. Berichtete die Johns Hopkins University am 3. April gegen 14 Uhr für Deutschland beispielsweise von rund 85.000 Infektionen und 1.100 Todesfällen, waren zum gleichen Zeitpunkt beim Robert Koch Institut knapp 80.000 Infektionen und 1010 Todesfälle registriert. Die WHO wiederum nannte ca. 73.500 Infektionen und 872 Todesfälle, ebenso die ECDC. Angesichts dieser Abweichungen stellt sich damit unweigerlich die Frage: Wer hat recht?

Unterschiede bei Methodik und Zeitpunkt

Eindeutig beantworten lässt sich das nicht. Grundsätzlich gilt, dass alle Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus immer nur eine Momentaufnahme sind und meist schon kurze Zeit nach ihrer Veröffentlichung veralten. Oft sind die Angaben der Institutionen auch deshalb nur begrenzt miteinander vergleichbar, weil sie sich hinsichtlich Erhebungszeitpunkt, zugrundeliegender Methodik und Zählweise voneinander unterscheiden.

Als unabhängige Bundesoberbehörde erstellt das RKI seine Angaben gemäß dem Infektionsschutzgesetz. Dementsprechend werden nur Fälle veröffentlicht, die dem Institut von der jeweils zuständigen Landesbehörde auf elektronischem Wege gemeldet werden. Die Landesbehörde wiederum erstellt ihre Daten auf Basis der Meldungen, die ihr von den entsprechenden Gesundheitsämtern zugehen. Durch diese Übermittlungen entsteht bis zur Veröffentlichung eine Verzögerung von bis zu 24 Stunden. In der Statistik finden sich nur Infektionen wieder, die mittels einer labordiagnostischen Untersuchung oder in Krankenhäusern bestätigt wurden. Werden Personen nicht getestet, weil sie beispielsweise symptomfrei sind, können sie von der Auswertung nicht berücksichtigt werden. Die Zahlen des RKI fallen daher stets etwas niedriger aus als zum gleichen Zeitpunkt an anderer Stelle.

Warum sich Unternehmen auf eine Quelle für Fallzahlen verständigen sollten

Die Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus, die von den Landesgesundheitsbehörden oder regionalen Gesundheitsämtern selbst online veröffentlicht werden, sind dabei oft etwas aktueller als die des RKI, weil Sie unabhängig von der Meldekette an die Oberbehörde bereits kurzfristiger im Netz zur Verfügung gestellt werden. Sollten Sie exakte Informationen zum Pandemieverlauf in einem bestimmten Landkreis oder an einem bestimmten Ort benötigen, empfehlen wir Ihnen deshalb, sich immer auch bei der jeweils zuständigen lokalen Behörde zu informieren. Unternehmen, die sich im Corona-Krisenstab intensiv mit Fallzahlen auseinandersetzen, sollten sich zudem auf eine zentrale Quelle verständigen, von der sie ihre Daten beziehen. Auf diese Weise kommt es nicht zu Unstimmigkeiten und die Vergleichbarkeit der Zahlen bleibt auch über einen längeren Zeitraum gewährleistet.

Die Wissenschaftler der John Hopkins University, eine der renommiertesten Universitäten weltweit, nutzen – anders als das RKI –  eine eigens entwickelte Software, die die Corona-Fallzahlen mittels eines Algorithmus generiert. Dieser greift auf Daten der WHO, nationaler Gesundheitsbehörden, Medienberichten (aus Deutschland unter anderem von Zeit Online und dem Tagesspiegel)  und Social Media Postings zu und berechnet auf dieser Grundlage aktuelle globale Zahlen. Dabei fließen auch Werte aus dem bisherigen Pandemieverlauf in die Kalkulation ein. Die Zahlen fallen deshalb höher aus als beim RKI. Bei der ECDC und der WHO werten Teams von Experten täglich hunderte aktuelle Meldungen der nationalen Gesundheitsbehörden aus, die dann nach einem bestimmten Gewichtungssystem in die Gesamtauswertung einfließen. Hier beschränken sich die Angaben wie beim RKI auf die offiziell durch Tests bestätigten Fälle.

Quellenübersicht:

Dynamisches Dashboard der Johns Hopkins University: https://www.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Offizielle Zahlen des Robert Koch Institut für Deutschland (Aktualisierung erfolgt i.d.R. einmal täglich): https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

Dashboard der Weltgesundheitsorganisation (Aktualisierung erfolgt i.d.R. einmal täglich): https://covid19.who.int/

Zahlen oft nur Mindestwerte – Achten Sie auf seriöse Quellen

Dennoch bleibt festzuhalten, dass eine exakte Benennung der Infektionen und Todesfälle angesichts der weltweiten Tragweite der Pandemie und der sehr dynamisch sich entwickelnden Situation nicht mit letzter Gewissheit möglich ist. Die Zahlen können den Verlauf der Ausbreitung des Coronavirus nur näherungsweise beschreiben. Das liegt auch an der teils sehr unterschiedlichen Handhabung der Krise in den einzelnen Ländern. Während mancherorts inzwischen sehr umfangreich getestet wird, ist die Zahl der Virustests vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländer viel zu gering, sodass von gravierend hohen Dunkelziffern auszugehen ist. Hinzu kommt, dass auch die Zahl der von einer Infektion genesenen Patienten allenfalls eine Mindestangabe darstellt und in der Realität deutlich höher ausfallen dürfte. Anders als bei einer Infektion gibt es für den Fall der Heilung nämlich keine verpflichtende Meldekette.

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Corona-Virus Herausforderungen für die Krisenkommunikation der Politik

Corona-Virus: Herausforderungen für die Krisenkommunikation der Politik

„Nous sommes en guerre“, proklamiert der französische Präsident Emmanuel Macron, wenn er über das Corona-Virus, den „l’ennemi“, spricht. Ganz ähnlich die Wortwahl des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump: „our big war“. Kommunikativ betrachtet ist der Zweck dieser militärischen Sprache klar. Es geht darum, die eigene Bevölkerung auf harte Zeiten vorzubereiten, den Korpsgeist zu stärken und Entschlossenheit zu demonstrieren. Und die Krisenkommunikation der deutschen Bundesregierung? Sie wählt gänzlich andere Worte. Deutlich gezeigt hat sich dies in der abendlichen TV-Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrer Krisenkommunikation verzichtet sie auf eine vergleichbare martialische Wortwahl und beschränkt sich auf eindringliche Appelle: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Dass es ernst ist, hat sich nicht zuletzt in der Tatsache der Abendansprache an sich ausgedrückt, denn es war ihre erste in der mittlerweile bereits 15 Jahre andauernden Kanzlerschaft. Erfolgreich war die kommunikative Strategie insofern, weil die bundesweiten Ausgangsbeschränkungen, die mit diesem TV-Auftritt inhaltlich vorbereitet wurden, auf sehr große Akzeptanz stoßen. Im Fall einer weiteren Eskalation der Pandemie wird sich die Bundesregierung wahrscheinlich mit einer TV-Ansprache des Bundespräsidenten an die Bevölkerung wenden, aber auch er würde den rhetorischen eingeschlagenen Kurs nicht verlassen.

Mortalitätsrate als kommunikative Herausforderung

Es gibt in der Corona-Krise allerdings einen weiteren Aspekt, in dem sich Deutschland stark von anderen Ländern unterscheidet. Die Mortalitätsrate ist mit 0,5 Prozent (Stand: 26. März 2020) deutlich niedriger als in den europäischen Nachbarländern, insbesondere im Vergleich zu Italien und Spanien. Über die Gründe wird viel spekuliert. Die Erklärungsansätze reichen von der Qualität des Gesundheitssystems, der in Deutschland geringeren Dunkelziffer infizierter Personen bis hin zur Theorie, dass im Vergleich weniger Risikopatienten bisher betroffen sind. Für die politische Krisenkommunikation erwächst daraus allerdings ein gewaltiges Problem: Die Akzeptanz der freiheitsbeschränkenden Maßnahmen wird schnell schwinden, weil das Risikobewusstsein kaum über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten kann, wenn die Sterberate langfristig unter 1 Prozent gehalten werden kann.

Flächendeckende Aufklärungskampagne erforderlich

Hinzu kommt, dass sich das Narrativ, vom Corona-Virus hätten nur Risikopatienten etwas zu befürchten, durchgesetzt hat. Die politischen Akteure versuchen derzeit im Rahmen der Krisenkommunikation dagegen zusteuern und beteuern, dass auch Jüngeren und Gesunden durch den Corona-Virus ernsthafte Komplikationen drohen könnten. Doch die Einschätzung von Corona als in der Regel mit einer Erkältung vergleichbaren Erkrankung hat sich zunächst einmal in den Köpfen weiter Teile der Bevölkerung fest verankert. Dieses Mindset zu brechen ist kommunikativ anspruchsvoll. Der Politik ist anzuraten, möglichst schnell mit einer groß angelegten Aufklärungs- und Informationskampagne das überkommene Narrativ aufzulösen.

Mehr als Lifestyle: Marken auf Social Media in Zeiten von Corona

Mehr als Lifestyle: Marken auf Social Media in Zeiten von Corona

Überprüfen Sie jetzt in der Corona-Krise wie Sie mit Ihren Marken auf Social Media kommunizieren. Klingt abwegig? Ist es nicht! Die meisten Unternehmen sind längst auf einen Infektionsfall im Betrieb vorbereitet und haben intern auf verschärfte Hygieneregeln hingewiesen, ein Corona-Monitoring ist eingerichtet. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, die Redaktionspläne für Social Media zu evaluieren. Denn egal ob auf Facebook, Instagram, xing und Linked In – die Inhalte für Postings in den Sozialen Netzwerken stehen üblicherweise schon mehrere Monate im Voraus fest. Oft werden die Kanäle nicht von der Kommunikationsabteilung selbst, sondern von der internen Marketingabteilung oder externen Agenturen betreut. Damit sind sie häufig vom Krisenstab abgekoppelt – und der dreht sich schon seit Wochen nur noch um ein Thema: Corona.

Ausflugstipps ad acta legen

Marken, die jetzt anlässlich des Frühlingsanfangs zum Genießen der ersten Sonnenstrahlen im Park, einem Osterfest im Kreis der Familie oder einem geselligen Abend mit Freunden aufrufen, werden nicht selten mit einem Shitstorm abgestraft. So geschehen an einem der letzten Wochenenden bei einem deutschen Süßwarenhersteller: Passend zum Start der österreichischen Ausgangssperren, repostete er auf seinem Instagram-Account ein Produktfoto vor Alpenpanorama. Der Aufruf dazu lautete: „Ab geht’s in die Berge!“. Der Aufschrei der Follower war groß, der Beitrag ist mittlerweile wieder gelöscht. Auch, sich öffentlichkeitswirksam über die Krise zu belustigen, kommt nicht gut an: Das hat dieses Mal auch Marketing-Rebell True Fruits verstanden und verhält sich ruhig.

Geht gut: sich von gesellschaftlichen Werten leiten lassen

Also alle bisher geplanten Beiträge streichen, den Kopf in den Sand stecken und gar nichts mehr kommunizieren? Nein, denn für die meisten Beiträge kann im Einzelfall entschieden werden, ob sie noch sinnvoll sind. Zusätzlich zeigt sich in der aktuellen Corona-Krise besonders, dass Marken- und Produktkommunikation auch abseits von Lifestyle-Themen auf Social Media funktionieren. Der besonders stark betroffene Lebensmitteleinzelhandel macht es vor: So beantwortet dm-Geschäftsführer Christoph Werner im Instagram-Interview drängende Fragen der Kunden. Auch unter #füreinander gibt es Tipps für das richtige Verhalten im Markt. Lidl ruft unter #superhelden zu einem Malwettbewerb für Kinder auf. Sie können sich auf diesem Wege bei ihren Helden des Corona-Alltags bedanken. Und ganz unabhängig von der eigenen Marke beweist Mercedes, wozu eine Social Media-Reichweite von insgesamt 50 Millionen Followern in Corona-Zeiten genutzt werden kann: Ratschläge zum Thema Hygiene, Tipps für verantwortungsvolles Verhalten mit Risikogruppen und Reposts von Gesundheitsorganisationen.

Es gilt: sich nicht als Profiteur der Krise feiern, sondern Solidarität mit Betroffenen zeigen. Denn in einer Krise wie dieser kommt es mehr denn je auf gesellschaftliche Werte wie Solidarität, Gemeinschaft und Zusammenhalt an. Das können Unternehmen und Marken auch in Zeiten von Corona über ihre Social-Media Kanäle zeigen.

Krisenprävention und -kommunikation in der Corona-Krise

Von einzelnen Infektionsherden zur globalen Pandemie: Krisenprävention und -kommunikation in der Corona-Krise

Seit Ende Februar die Zahl der Corona-Infektionen in Norditalien nach oben geschnellt ist, verbreitet sich das Virus rasend schnell in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt außerhalb Asiens. In den ersten Tagen war die Sorge der Unternehmen insbesondere, dass der eigene Betrieb im Zusammenhang mit Corona-positiven Mitarbeitern genannt wird und das Renommee der Marke leiden könnte. Aber der Schwerpunkt der Krisenprävention und -kommunikation verlagert sich zusehendes. Denn je mehr die Zahl der Infizierten zunimmt – und davon ist derzeit auszugehen-, desto weniger werden noch einzelne Unternehmen im Fokus stehen.

Was bedeutet das für die Krisenkommunikation?

  1. In der externen Kommunikation geht es vor allem darum keine Fehler zu machen, Empathie und Dialogbereitschaft zu demonstrieren, aber auch glaubhaft mit Maßnahmen zu untermauern, dass die Gesundheit der Mitarbeiter wirklich hohe Priorität genießt. Solange die Entscheidungsträger den Empfehlungen der Behörden Folge leisten, sind sie auch kommunikativ auf der sicheren Seite.
  2. Hochsensibel ist die interne Kommunikation in diesen Tagen. Die Nervosität der Menschen wird weiter steigen und entsprechend wichtig ist es, dass Rundmails, Aushänge und Intranet-Beiträge die eigenen Mitarbeiter erreichen und beruhigen. Wie groß die Angst ist zeigen Beispiele aus den vergangenen Tagen. Es gibt Unternehmen, in denen Desinfektionsmittel gestohlen oder Kollegen stigmatisiert werden, die mit Schnupfen in die Arbeit kommen. Mehr denn je ist es daher wichtig Zeit und Sorgfalt auf die interne Kommunikation zu legen. Unternehmen müssen das Gefühl vermitteln, die Dinge im Griff zu haben, ohne zu verharmlosen, und sich ernsthaft den Sorgen ihrer Mitarbeiter annehmen.
  3. Neben der kommunikativen Dimension stehen gerade produzierende Unternehmen vor einer weiteren Herausforderung: Lässt sich die Lieferfähigkeit auch dann noch sicherstellen, wenn sich die Lage weiter zuspitzt? Wenn die Handelspartner anfragen gilt es auch hier umfassend darzulegen, was im Sinne des Infektionsschutzes und der Krisenprävention alles getan wird.

Tägliche Neubewertung der Maßnahmen

Die Verbreitung des Coronavirus stellt die gesamte Welt vor komplett neue Herausforderungen. Für die Pandemie gibt es kaum Blaupausen und Checklisten, die in der Krisenkommunikation nach Schema F abgearbeitet werden müssen. Umso wichtiger ist es intelligent und situativ zu handeln und jeden Tag die eigene Kommunikationsstrategie und Maßnahmenplanung neu zu bewerten.

Da sich die Nachrichtenlage zur Ausbreitung von Covid-19 permanent ändert, bietet Engel & Zimmermann zur Unterstützung Ihres Krisenstabs ab sofort ein tägliches Sonder-Monitoring zu den Entwicklungen rund um das Coronavirus in der Welt, Europa, Deutschland und dem jeweiligen Bundesland an. Hierin fassen wir die wichtigsten Informationen aus anerkannten Quellen zusammen – von der internationalen über die nationale bis zur regionalen Ebene.

Bei Interesse bzw. Fragen dazu, können Sie jederzeit Frank Schroedter (f.schroedter@engel-zimmermann.de) ansprechen.

Coronavirus Krisenkommunikation

Krisenkommunikation, Coronavirus und die kommunikative Springflut

Filmende Kamerateams vor der Firmenzentrale, Medienanfragen en masse und Mitarbeiter mit hohem Informationsbedürfnis – wenn neuartige Viren wie der Coronavirus grassieren und dazu Bilder einer menschenleeren chinesischen Millionenstadt in den Hauptnachrichten gezeigt werden, dann steigt der Herzschlag in international operierenden Firmen und den Krisenstäben. Denn Epidemien wie SARS oder der Coronavirus können betriebliche Abläufe komplett durcheinanderbringen. Sie können bis zu zeitweisen Standortschließungen wie in dem Fall des oberbayrischen Automobilzulieferers führen. Vor diesem Hintergrund stellen sich im Krisenmanagement viele Fragen, darunter die folgenden:

  • Wie funktioniert eigentlich die Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden? Wer spricht wann mit wem? Und- wer treibt wen?
  • Was machen wir, wenn der Virus in direkter Verbindung zur Firma steht?
  • Welche Handlungsoption wähle ich: Ausschließlich das umsetzen, was in Absprache mit den Behörden vorgesehen ist? Oder geht man darüber hinaus und ergreift zusätzliche Maßnahmen, die in der Außenwirkung Pluspunkte bringen?
  • Wie nimmt man besorgte Mitarbeiter am besten mit?
  • Und wie geht man operativ mit dem erfahrungsgemäß springflutartigen Medieninteresse um?
  • Was bedeuten Pandemien eigentlich für die Kundenbeziehungen?
  • Und was wäre, wenn der Krisenstab in Quarantäne geschickt werden würde?

Krisenprävention ist die halbe Miete

Bekanntermaßen gilt in der Krisenkommunikation: Krisenprävention ist die halbe Miete. Aber sind Unternehmen tatsächlich vorbereitet auf Krisensituationen, die mit Epidemien in Verbindung stehen? Vermutlich eher nicht, denn Ereignisse wie der Coronavirus haben Seltenheitswert. Geübter sind in der Krisenkommunikation eher Krisen wie klassische Produktrückrufe, schwere Betriebsunfälle oder ökonomische Problematiken, die mit Werkschließungen oder einem Arbeitsplatzabbau einhergehen.

Nichtsdestotrotz gelten auch bei Pandemien einfache Spielregeln, die sich über eine kluge Krisenprävention abbilden lassen:

  1. Sortierung machen: Was bedeutet ein festgestellter Virus im Betrieb? Sprich: Wer ist betroffen, wer ist Beteiligter im Krisenfall?
  2. Verantwortung: Wer ist für die Kommunikation mit welcher Zielgruppe verantwortlich? Sprich: Wer kommuniziert mit Mitarbeitern, Behörden, Medien, Kunden, Lieferanten und Dritten, auf welche Weise und in welcher Frequenz?
  3. Monitoring: Wie erfahren wir unmittelbar, wer sich wie zu der Krise äußert und vor allem in welcher Tonalität? Wie fangen wir Fehlmeldungen wieder ein? Abhilfe schaffen hier Online-Monitoring-Tools.

Wenn in einem Krisenfall, der durch ein kritisches Virus ausgelöst wird, die Gesundheitsbehörden involviert sind, behält ein Unternehmen nicht unbedingt die Kommunikationshoheit. Aus diesem Grund sollten Firmen frühzeitig mit den Behörden solche Fälle durchspielen. Die aktuelle Berichterstattung über den Coronavirus hat vielen Kommunikationsverantwortlichen vor Augen geführt, das Gesundheitsrisiken für Mitarbeiter ein ganz eigenes Krisenthema darstellen. Sich auf dieses Krisenszenario einzustellen, bedeutet im tatsächlichen Krisenfall mehr Zeit für die Krisenkommunikation zur Verfügung zu haben. Im Zeitalter globaler Warenströme und einer immer stärkeren Vernetzung der Wirtschaft werden Krisen wie das Coronavirus oder SARS wiederkehren. Aus diesem Grund hilft eine kluge Krisenprävention einen möglichen Reputationsschaden zu begrenzen, dem Krisenstab die Sicherheit zu geben gut vorbereitet zu sein und im tatsächlichen Krisenfall den ein oder anderen Lapsus zu vermeiden helfen.