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Corona-Virus Herausforderungen für die Krisenkommunikation der Politik

Corona-Virus: Herausforderungen für die Krisenkommunikation der Politik

„Nous sommes en guerre“, proklamiert der französische Präsident Emmanuel Macron, wenn er über das Corona-Virus, den „l’ennemi“, spricht. Ganz ähnlich die Wortwahl des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump: „our big war“. Kommunikativ betrachtet ist der Zweck dieser militärischen Sprache klar. Es geht darum, die eigene Bevölkerung auf harte Zeiten vorzubereiten, den Korpsgeist zu stärken und Entschlossenheit zu demonstrieren. Und die Krisenkommunikation der deutschen Bundesregierung? Sie wählt gänzlich andere Worte. Deutlich gezeigt hat sich dies in der abendlichen TV-Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrer Krisenkommunikation verzichtet sie auf eine vergleichbare martialische Wortwahl und beschränkt sich auf eindringliche Appelle: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Dass es ernst ist, hat sich nicht zuletzt in der Tatsache der Abendansprache an sich ausgedrückt, denn es war ihre erste in der mittlerweile bereits 15 Jahre andauernden Kanzlerschaft. Erfolgreich war die kommunikative Strategie insofern, weil die bundesweiten Ausgangsbeschränkungen, die mit diesem TV-Auftritt inhaltlich vorbereitet wurden, auf sehr große Akzeptanz stoßen. Im Fall einer weiteren Eskalation der Pandemie wird sich die Bundesregierung wahrscheinlich mit einer TV-Ansprache des Bundespräsidenten an die Bevölkerung wenden, aber auch er würde den rhetorischen eingeschlagenen Kurs nicht verlassen.

Mortalitätsrate als kommunikative Herausforderung

Es gibt in der Corona-Krise allerdings einen weiteren Aspekt, in dem sich Deutschland stark von anderen Ländern unterscheidet. Die Mortalitätsrate ist mit 0,5 Prozent (Stand: 26. März 2020) deutlich niedriger als in den europäischen Nachbarländern, insbesondere im Vergleich zu Italien und Spanien. Über die Gründe wird viel spekuliert. Die Erklärungsansätze reichen von der Qualität des Gesundheitssystems, der in Deutschland geringeren Dunkelziffer infizierter Personen bis hin zur Theorie, dass im Vergleich weniger Risikopatienten bisher betroffen sind. Für die politische Krisenkommunikation erwächst daraus allerdings ein gewaltiges Problem: Die Akzeptanz der freiheitsbeschränkenden Maßnahmen wird schnell schwinden, weil das Risikobewusstsein kaum über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten kann, wenn die Sterberate langfristig unter 1 Prozent gehalten werden kann.

Flächendeckende Aufklärungskampagne erforderlich

Hinzu kommt, dass sich das Narrativ, vom Corona-Virus hätten nur Risikopatienten etwas zu befürchten, durchgesetzt hat. Die politischen Akteure versuchen derzeit im Rahmen der Krisenkommunikation dagegen zusteuern und beteuern, dass auch Jüngeren und Gesunden durch den Corona-Virus ernsthafte Komplikationen drohen könnten. Doch die Einschätzung von Corona als in der Regel mit einer Erkältung vergleichbaren Erkrankung hat sich zunächst einmal in den Köpfen weiter Teile der Bevölkerung fest verankert. Dieses Mindset zu brechen ist kommunikativ anspruchsvoll. Der Politik ist anzuraten, möglichst schnell mit einer groß angelegten Aufklärungs- und Informationskampagne das überkommene Narrativ aufzulösen.

Mehr als Lifestyle: Marken auf Social Media in Zeiten von Corona

Mehr als Lifestyle: Marken auf Social Media in Zeiten von Corona

Überprüfen Sie jetzt in der Corona-Krise wie Sie mit Ihren Marken auf Social Media kommunizieren. Klingt abwegig? Ist es nicht! Die meisten Unternehmen sind längst auf einen Infektionsfall im Betrieb vorbereitet und haben intern auf verschärfte Hygieneregeln hingewiesen, ein Corona-Monitoring ist eingerichtet. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, die Redaktionspläne für Social Media zu evaluieren. Denn egal ob auf Facebook, Instagram, xing und Linked In – die Inhalte für Postings in den Sozialen Netzwerken stehen üblicherweise schon mehrere Monate im Voraus fest. Oft werden die Kanäle nicht von der Kommunikationsabteilung selbst, sondern von der internen Marketingabteilung oder externen Agenturen betreut. Damit sind sie häufig vom Krisenstab abgekoppelt – und der dreht sich schon seit Wochen nur noch um ein Thema: Corona.

Ausflugstipps ad acta legen

Marken, die jetzt anlässlich des Frühlingsanfangs zum Genießen der ersten Sonnenstrahlen im Park, einem Osterfest im Kreis der Familie oder einem geselligen Abend mit Freunden aufrufen, werden nicht selten mit einem Shitstorm abgestraft. So geschehen an einem der letzten Wochenenden bei einem deutschen Süßwarenhersteller: Passend zum Start der österreichischen Ausgangssperren, repostete er auf seinem Instagram-Account ein Produktfoto vor Alpenpanorama. Der Aufruf dazu lautete: „Ab geht’s in die Berge!“. Der Aufschrei der Follower war groß, der Beitrag ist mittlerweile wieder gelöscht. Auch, sich öffentlichkeitswirksam über die Krise zu belustigen, kommt nicht gut an: Das hat dieses Mal auch Marketing-Rebell True Fruits verstanden und verhält sich ruhig.

Geht gut: sich von gesellschaftlichen Werten leiten lassen

Also alle bisher geplanten Beiträge streichen, den Kopf in den Sand stecken und gar nichts mehr kommunizieren? Nein, denn für die meisten Beiträge kann im Einzelfall entschieden werden, ob sie noch sinnvoll sind. Zusätzlich zeigt sich in der aktuellen Corona-Krise besonders, dass Marken- und Produktkommunikation auch abseits von Lifestyle-Themen auf Social Media funktionieren. Der besonders stark betroffene Lebensmitteleinzelhandel macht es vor: So beantwortet dm-Geschäftsführer Christoph Werner im Instagram-Interview drängende Fragen der Kunden. Auch unter #füreinander gibt es Tipps für das richtige Verhalten im Markt. Lidl ruft unter #superhelden zu einem Malwettbewerb für Kinder auf. Sie können sich auf diesem Wege bei ihren Helden des Corona-Alltags bedanken. Und ganz unabhängig von der eigenen Marke beweist Mercedes, wozu eine Social Media-Reichweite von insgesamt 50 Millionen Followern in Corona-Zeiten genutzt werden kann: Ratschläge zum Thema Hygiene, Tipps für verantwortungsvolles Verhalten mit Risikogruppen und Reposts von Gesundheitsorganisationen.

Es gilt: sich nicht als Profiteur der Krise feiern, sondern Solidarität mit Betroffenen zeigen. Denn in einer Krise wie dieser kommt es mehr denn je auf gesellschaftliche Werte wie Solidarität, Gemeinschaft und Zusammenhalt an. Das können Unternehmen und Marken auch in Zeiten von Corona über ihre Social-Media Kanäle zeigen.