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TV-Berichterstattung über die Lebensmittelbranche bleibt kritisch

Bereits zum fünften Mal in Folge haben wir die Sendungen ausgewertet, die sich mit der Lebensmittelindustrie beschäftigt haben. Das Ergebnis: Die Branche war auch im Jahr 2018 einmal mehr Gegenstand einer regelmäßigen und nicht selten kritischen Berichterstattung im Fernsehen. Wir wollten wissen, über welche Branchen im Jahresverlauf am häufigsten berichtet wurde, welches die Aufregerthemen waren und welche Bereiche besonders in der Kritik der Sender und Sendungen standen. Insgesamt stellen wir fest, dass sich die unterschwellige Generalkritik an der gesamten Branche, die wir schon seit Jahren beobachten, auch im Jahr 2018 fortgesetzt hat.

635 Sendungen fielen im vergangenen Jahr in unsere Auswertung. Anders ausgedrückt: Im Schnitt beschäftigten sich mehr als 12 Sendungen pro Woche mit Lebensmitteln. Am häufigsten ging es um Obst/Gemüse, Fleisch und Getränke. Diese drei Branchen machen, wie ein Dreijahresvergleich zeigt, traditionell die Spitzenplätze unter sich aus. Süßwaren und Molkereiprodukte können da nicht mithalten – was sich angesichts einer häufig kritischen Berichterstattung durchaus als vorteilhaft erweisen kann.

 

Kritische Beiträge: Fleischbranche unter besonderer Beobachtung

Eine Kernaussage, die sich durch die Auswertung der vergangenen Jahre zieht, betrifft die Kritik, mit der sich die Fleischbranche konfrontiert sieht: Während bei Obst und Gemüse nicht einmal jeder vierte Beitrag als kritisch eingestuft wurde, war es beim Thema Fleisch jeder zweite! Ausschlaggebend bei der Bewertung war, ob bereits der Sendungstitel oder der begleitende Ankündigungstext des Senders auf einen kritischen Beitrag schließen ließen. Dies traf im Jahr 2018 auf 227 Sendungen zu. Mit anderen Worten: Im Schnitt wurde mehr als viermal in jeder Woche kritisch über die Lebensmittelbranche berichtet, insgesamt wies mehr als jeder dritte Beitrag über die Lebensmittelbranche eine kritische Tendenz auf.

Eine Erklärung dafür fällt nicht schwer: Auch die TV-Medien stehen im Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten und arbeiten dafür mitunter mit reißerischen Schlagzeilen. Ein Mittel ist die Vereinfachung und Zuspitzung von Fakten, was nicht selten auf Kosten der Objektivität geht. Einige Beispiele gefällig? „Schweinerei in der Wurst“, „Avocado – Umweltkiller Superfood“ oder „Gefährliche Chemikalien im Trinkwasser“.

Besonders beliebt sind Qualitätschecks: Fast jede vierte Sendung ging Themen wie diesen nach: „Frühstücksspeck – Welcher ist der beste?“, „Orangenlimonade im Check“ oder „Glühwein im Test“.  Nicht selten bedienten sich die Sender dabei eines sehr beliebten Stilmittels, dem Vergleich zum Beispiel zwischen industriell gegen handgemacht, Marke gegen Discounter oder teuer gegen billig. Auch prominente Testimonials wie Tim Mälzer, Björn Freitag oder Nelson Müller nutzen in ihren Sendungen gerne diese Vergleiche. Für viele Hersteller ist es ein großes Ärgernis, wenn sich ihre Produkte fragwürdigen Testkriterien wie Straßenumfragen unterziehen müssen und am Ende eine völlig vereinfachende Gesamtnote steht. Schließlich könnten die Ergebnisse für die Hersteller ernsthafte Konsequenzen haben.

Ausblick: TV-Sendungen als Abbild des öffentlichen Interesses?

Die ersten Monate des neuen Jahres zeigen bereits, dass das Interesse der TV-Medien an der Lebensmittelindustrie ungebrochen hoch ist. Es bleibt abzuwarten, ob die Sender die Themen, die die Branche unverkennbar beschäftigen, in ihr Programm aufnehmen werden: Nachhaltigkeitsaspekte bei der Herstellung von Lebensmitteln, den Trend zu bewusstem Genuss, die Tierwohldebatte bei Fleisch oder das Thema Verpackungen und Plastik. Die vollständige Auswertung gibt es auf unserer Webseite hier: www.engel-zimmermann.de/

Wer sich für vertiefende Informationen interessiert oder für unseren kostenlosen TV-Newsletter anmelden möchte, in dem food-relevante Sendungen angekündigt werden, kann sich unter c.wolfram@engel-zimmermann.de jederzeit informieren.