Königliche Krisenkommunikation

Königliche Krisenkommunikation

Was wir aus dem Krisenstatement des Buckingham Palace lernen können

“Die ganze Familie ist sehr traurig zu erfahren, wie schwierig die vergangenen Jahre für Harry und Meghan gewesen sind. Die angesprochenen Themen, insbesondere das der Hautfarbe, sind besorgniserregend. Auch wenn sich manche Erinnerungen unterscheiden, werden die Themen sehr ernst genommen und im familiären Kreis privat behandelt. Harry, Meghan und Archie werden für immer geliebte Mitglieder der Familie bleiben.”

Zwei Tage für vier Sätze – viel Zeit für ein so kurzes Statement sollte man meinen. Mit eben diesen vier Sätzen hat Queen Elisabeth II. auf ein TV-Interview ihres Enkels und seiner Ehefrau reagiert, in dem das Paar schwerwiegende Anschuldigungen in Richtung königliche Familie erhoben hat.

In der Tat lässt das Statement nur erahnen, wie viele Top-Krisenberater Stunde um Stunde an diesen wenigen Sätzen gefeilt haben. Dabei haben sie die drei goldenen Regeln für ein Krisenstatement beachtet:

Strategie festlegen – welche Rolle wollen Sie mit Ihrem Statement einnehmen? Angreifer, Opfer, Vermittler oder unbeteiligter Dritter? Energischer Aufarbeiter oder empathischer Zurkenntnisnehmer? Für letzteres hat sich der Palast entschieden: Keine Vorwürfe, kein Jammern, keine Arroganz. Allerdings auch kein Schuldeingeständnis oder Bekenntnis zur Veränderung. Das kann man gut oder schlecht finden – aber die Position ist eindeutig.

Zielgruppe klären – wen wollen Sie mit Ihrem Statement in allererster Linie erreichen? Ihre Mitarbeiter, Kunden oder Ihre Aktionäre? Oder vielleicht eine Behörde (der Sie damit indirekt den Kampf erklären wollen)? Die Queen – das ist klar – spricht zu ihrem Volk. Dieses erwartet Mitgefühl und Betroffenheit, und beides bekommt es, plus familiären Touch: Statt der Titel (“Der Herzog und die Herzogin von Sussex“) verwendet Elisabeth II die Vornamen von Harry und Meghan; so kommt die Großmutter zum Tragen. Wer hingegen schonungslose Aufarbeitung oder zur Schau gestellte Zerknirschtheit erwartet hatte – siehe Regel drei:

Absendergerecht auftreten – Ihr Statement muss zu Ihrer Firma, Ihrer Institution passen. Der CEO äußert sich zu jedem Thema lautstark in der Öffentlichkeit? Dann wird diese Offenheit gerade auch in einer kritischen Situation erwartet. Sie formulieren für ein lässiges Start-up? Dann bitte nicht hinter Rechtsfloskeln verstecken, wenn Sie in der Bredouille sind. Der Buckingham Palace bleibt mit seinem Statement – weitgehend – seinem Stil treu: Getreu dem Mantra „Beschwere dich nie, erkläre dich nie.“ Gibt es keinen öffentlichen Schlagabtausch; das Private bleibt privat und in der Familie.

Ein gut gemachtes Krisenstatement spiegelt Ihre Position und Haltung wider, holt Ihre spezifische Zielgruppe ab und ist passgenau zu Ihrem Auftritt. Dafür muss jedes Wort abgewogen, jede Facette mitgedacht, jede Botschaft auf ihre Wirkung und Standfestigkeit überprüft werden. Diese Zeit ist gut investiert – zwei Tage sollten es im akuten Krisenfall jedoch nicht sein.