Ganzheitliches Krisenmanagement Warum „Resilienz“ zu kurz greift

Ganzheitliches Krisenmanagement: Warum „Resilienz“ zu kurz greift

Der Begriff der Resilienz hat Hochkonjunktur. Sprechen wir vom Individuum geht es um die Fähigkeit, in Zeiten großer Unsicherheit existenzielle Krisen zu überstehen und sich nicht vom Schicksal unterkriegen zu lassen. Doch längst wird auch Organisationen erklärt, dass sie resilient sein müssen. Die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) etwa unterhält einen Expertenkreis Corporate Resilience, McKinsey & Company spricht von Business Resilience und längst werben dutzende von PR-Agenturen damit, dass Unternehmen organisatorische Resilienz besitzen müssten. So inflationär der Begriff auch gebraucht wird, ist er allein unzureichend, um eine umfassende Krisenprävention und -kommunikation zu beschreiben.

Krisenerfahrungen aktiv integrieren
Etymologisch geht die Resilienz auf das lateinische Verbum „resilire“ zurück, was so viel wie „zurückspringen“ und „abprallen“ bedeutet. Benutzt wurde der Begriff lange Zeit vor allem in der Physik und bezeichnete die Fähigkeit eines Werkstoffes, sich verformen zu lassen und dennoch in die ursprüngliche Form zurückzufinden. Für die Fähigkeit von Unternehmen, Krisen erfolgreich abzuwehren, ist dies aber viel zu kurz gedacht. Es darf gerade nicht das Ziel sein, Krisen irgendwie zu überstehen und im Anschluss Prozesse, Abläufe und Entscheidungswege unverändert beizubehalten. Das Ziel nach einer Krise ist nicht der Status quo ante, sondern ein neuer Zustand, in dem die Erfahrungen und Fehler der Krisenbewältigung aktiv in die Organisation integriert worden sind.

Systematische Prävention als zweite Säule
Resiliente Unternehmen, die wie gerade geschildert mit Krisen umgehen, sind also weit von gutem Krisenmanagement entfernt. Etwas passender erscheint der Begriff, wenn unter Resilienz die Fähigkeit verstanden wird, Krisen wirksam begegnen zu können. Dann beschreibt er die Realität vieler Unternehmen, gerade in krisenaffinen Branchen, wonach sie früher oder später auf jeden Fall mit Krisen konfrontiert werden. Resilienz versteht die Krise demnach als unabwendbares Ereignis, ist aber immer noch unzureichend, weil viele Krisen in der Praxis eben doch a priori abgewendet werden können. Deshalb gilt: Ganzheitliches Krisenmanagement muss immer eine Kombination aus resilienter Widerstandsfähigkeit und systematischer Prävention darstellen!

Wirksame Krisenprävention versucht aktiv potenzielle Krisenszenarien zu identifizieren und Maßnahmen zu entwickeln, um die Eintrittswahrscheinlichkeit möglichst weit zu senken. Resilienz bedeutet dagegen für Unternehmen, eine Strategie zu haben, mit der sie Krisen begegnen. Auf ein konkretes Beispiel gewendet bedeutet dies: Unternehmen sollten ein Team haben, das für den Umgang mit Social Media in sensiblen Situationen geschult ist (Resilienz), aber auch wissen, welche Sprache vermieden werden muss, um eine kritische Situation zu verursachen (Prävention).

Was können Unternehmen also tun?
Ein ganzheitliches Krisenmanagement besteht aus den folgenden drei Säulen:

  1. Prävention: Welche (kommunikativen) Risikopotenziale gibt es und lässt sich die Eintrittswahrscheinlichkeit effektiv senken?
  2. Resilienz: Aufbau belastbarer Strukturen, um im Krisenfall erfolgreich zu deeskalieren.
  3. Krisen-Nachbereitung: Krisen müssen in Betrieben ehrlich nachbereitet und Fehler thematisiert werden. Nur auf diese Weise lassen sich Verbesserungen ableiten.

Sprechen Sie uns gerne an: Engel & Zimmermann identifiziert mit Ihnen die kommunikativen Pain Points und unterstützt im Aufbau von tragfähigen Strukturen für die Krisenkommunikation.