Vier Tipps für eine starke Stimme bei Telefon- und Video-Konferenzen

Vier Tipps für eine starke Stimme bei Telefon- und Video-Konferenzen

So vermeiden Sie „Zoom-Fatigue“: Vier einfache Tipps, wie Sie in Telefon- und Video-Konferenzen stärker wahrgenommen werden.

Der britische König Georg VI. hielt nach dem deutschen Angriff auf Polen 1939 seine wichtigste Rundfunkrede an die Bürgerinnen und Bürger des Vereinigten Königreiches. Nach anfänglichem Zögern wurde es schließlich eine der eindrucksvollsten Reden, die Georg VI. jemals gehalten hat. Und das, obwohl er noch wenige Jahre zuvor stotterte und unter extremen Lampenfieber litt. Kongenial ist diese Geschichte in „The King’s Speech“ verfilmt worden. Wie schafft man es, von einem Stotterer zu einem guten Redner zu werden? Georg VI. hatte bereits Hilfe, als er noch Albert, Herzog von York, war. Ein Sprachtherapeut brachte ihm mit unkonventionellen Mitteln bei, dass man Stottern überwinden kann. Dazu war allerdings viel Übung nötigUnd was das angeht, leben wir heute in glorreichen Zeiten: Die vielen virtuellen Konferenzen ermöglichen es uns, die Präsenz und die Ausdrucksstärke unserer Stimme jeden Tag zu üben. Wenn Sie auf diese vier einfachen Regeln achten, dann werden Sie in Zukunft besser wahrgenommen und die anderen schenken Ihnen mehr Gehör

    1. Reden Sie langsamer

      Jeder von uns hat eine natürliche und individuelle Redegeschwindigkeit. Beim persönlichen Kontakt ist es wesentlich einfacher, einer anderen Person beim Sprechen zu folgen, weil wir auf das ganze Spektrum der Gesichtsausdrücke und der Körpersprache zurückgreifen können. Virtuelle Besprechungen sind dagegen unnatürlich. Das Bild kann einfrieren, ist unscharf oder wird nur mit Verzögerung dargestellt. In Telefonkonferenzen müssen wir uns sogar nur auf die Stimme verlassen. Das ist teilweise so anstrengend, dass es schon einen Ausdruck dafür gibt: „Zoom-Fatigue“, der Erschöpfungszustand nach einer Video-Konferenz. In einem Interview mit der britischen BBC sagte der Verhaltensforscher und Professor an der Wirtschaftshochschule InseadGianpiero Petriglieri: „Videochats bedeuten, dass es uns schwerer fällt, nonverbale Hinweise wie Mimik, Stimmlage oder Körpersprache zu lesen. Darauf stärker achten zu müssen verbraucht eine Menge Energie.“ Ein wirksames Mittel, damit die Zuhörer am Ball bleiben: Verlangsamen Sie die Sprechgeschwindigkeit. Normalerweise sprechen wir mit einer Geschwindigkeit von 150 bis 170 Wörtern pro Minute. Für virtuelle Konferenzen sollten wir nur ca. 140 Wörter pro Minute in den Mund nehmen. Finden Sie Ihre Geschwindigkeit. Und werden Sie nicht zu langsam, damit Ihre Zuhörer nicht einschlafen. 

    2. Pausieren Sie für mehr Wirkung

      Eine gute Möglichkeit, um die Sprechgeschwindigkeit zu verlangsamen, sind Pausen nach Kernbotschaften. Lassen Sie den Wörtern Raum, sich zu entfalten. Bei einer Präsentation sind wir oft versucht, entstehende Pausen mit Füllwörtern wir „äh“ oder „ehm“ zu füllen. Nutzen Sie stattdessen Ruhe als eine Taktik. Das setzt eine gewisse Besprechungsdisziplin aller Teilnehmer voraus, damit andere eine Pause nicht als Signal verstehen Ihren Beitrag zu unterbrechen. Oft sprechen wir gerade dann schnell, wenn wir Angst vor Unterbrechung haben. 

    3. Artikulieren Sie klar und deutlich

      Folgendes Setting: In einer Telefonkonferenz sitzen am anderen Ende der Leitung fünf Personen in einem Raum mit einer Mikrofonspinne in der Mitte. Der Raum hallt unerbittlich. Einer der Teilnehmer sitzt weit weg von der Spinne und spricht schnell im lokalen Dialekt. Sie verstehen kein Wort. Tun Sie das den Teilnehmern bei virtuellen Konferenzen nicht an. Sprechen Sie klar und deutlich in das Mikro, sodass Ihr Beitrag auch gehört werden kann. Viele neigen bei einem normalen Gespräch dazu, Endungen zu verschlucken. Machen Sie sich bewusst, dass eine virtuelle Konferenz keine normale Gesprächssituation ist. Üben Sie, wenn nötig, vorher die Aussprache mit berühmten Artikulationsübungen wie „Fischers Fritze fischt frische Fische“ oder „Der Kaplan klebt Pappplakate“.  

    4. Verwenden Sie ein Qualitätsmikrofon

      Die eingebauten Mikrofone von Laptops sind nicht besonders gut. Durch die Datenkompression der Videosoftware wird dieser Ton oft noch schlechter. Sie können die Ausgangsqualität des Tonsignals erheblich verbessern, wenn Sie ein ordentliches Mikrofon oder ein hochwertiges Headset für Ihre virtuellen Konferenzen nutzen. In einem Raum mit mehreren Kolleginnen und Kollegen ist sogar ein Headset mit einer Unterdrückungsfunktion der Umgebungsgeräusche sinnvoll.  

    Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir auch nach der Corona-Pandemie wesentlich mehr Zeit in virtuellen Konferenzen verbringen werden. Eine deutliche, klar verständliche Sprache kann verhindern, dass Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen an der „Zoom-Fatigue“ leiden. Das Wichtigste aber ist: Eine klare, verständliche Sprache beugt auch Missverständnissen zuverlässig vor.

Flughafen Ber - Wenn Kommunikation keine Chance hat

Flughafen BER – Wenn Kommunikation keine Chance hat

Zunächst war da ein Plan. Steigende Passagierzahlen, zwei Flughäfen, die zu eng und nicht ausbaufähig sind, eine Hauptstadt, die wächst und deren internationale Relevanz stärker wird. Ergo: Berlin braucht einen neuen, größeren, besseren Flughafen, damit die Welt das Berliner Machtzentrum auch als solches wahrnehmen – und vor allem: besser und schneller erreichen – kann. Gute Gründe, zugegeben. Auch wenn es viele Liebhaber des kuscheligen Flughafens in Tegel gab, konnten die Gründe durchaus überzeugen.

Den Startschuss gaben der Regierende Bürgermeister von Berlin, Brandenburgs Ministerpräsident und der Bundesverkehrsminister im Jahr 2006. Tolle Pläne, schöne Bilder, überschwängliche Reden. Was dann folgte waren Pleiten, Pech und Pannen. Kostenexplosion, Zeitverzögerungen, technische Mängel, Rügen von Genehmigern und Brandschützern, mangelnde Bauaufsicht. Die Liste ist unendlich und wurde an anderen Stellen intensivst erforscht… Warum es gerade mitten in der Corona-Pandemie plötzlich so schnell voran ging, konnte mir noch keiner so wirklich erklären.

Was leider noch dazu kam: eine absolut unzureichende, ja unsicht- und unhörbare Kommunikation.

Zahlreiche Pressesprecher verschlissen (ich zähle fünf, vielleicht auch ein paar mehr, man verliert ja leicht den Überblick bei einem solchen Großprojekt), manchmal gar keine Information, gefolgt von leeren Versprechen, zahlreichen Zusagen für einen Eröffnungstermin – natürlich alle wieder zurückgezogen –, falschen Aussagen und verschwiegenen Tatsachen. Keine leichte Aufgabe für die Kommunikationsabteilung. Und wenn mal ein Pressesprecher dafür warb, sich offen zu den Versäumnissen beim Bau zu bekennen, wurde er geschasst.*

Warum wir uns damit beschäftigen? Es hätte es eine Glanzleistung für die Kommunikation werden können: innovativer und architektonisch gelobter Bau, komplexe technische erklärungsbedürftige Zusammenhänge, berühmte Akteure, internationale Relevanz, Themen, Themen, Themen. Ein Eldorado für jeden Storyteller. Ein Großprojekt wie dieses erfordert eine konsequente, durchdachte Kommunikationsstrategie, die alle Kommunikationsebenen miteinschließt. Genehmigungs- und Baukommunikation, Dialog mit Stakeholdern und Bürgern, Technik- und Architektur-PR, Online- und Live-Kommunikation. Klassische Projektkommunikation. Und natürlich auch die Kommunikation in kritischen Situationen.

Fehler passieren in solchen Großprojekten und Zeitverzögerungen gibt es auch immer. Dafür hat man einen guten Krisenkommunikationsplan in der Schublade. Ich würde behaupten, dass es diesen sicher auch gab. Nur: Er kann nicht funktionieren, wenn die faktische Projektplanung versagt. Der Aufsichtsrat war mit Politikern besetzt, denen das Fachwissen fehlte. Und ein externes Controlling gab es nicht.

Ich habe neulich etwas von umgekehrtem Darwinismus gelesen: Große Investitionsprojekte erzeugen eine Situation, in denen sich Beteiligte gegenseitig in Kosten unterbieten und im Nutzen überbieten wollen. Baukonzerne und Architekten untertreiben Kosten, um eine Ausschreibung zu gewinnen. Oder ein Politiker will sich ein Denkmal bauen und legitimiert das Projekt gegenüber der Öffentlichkeit durch das Herunterspielen der Kosten. „Survival of the unfittest“ nennt der dänische Wirtschaftsgeograf Bent Flyvbjerg das.**

Wenn ein so gravierendes Governance-Problem auftritt, ist Kommunikation leider meist abgeschrieben. Schade. Denn das Projekt hätte es hergegeben. Und bei vielen anderen Beispielen zeigt sich, dass auch schwierige Situationen durch eine gute Kommunikation gerettet oder zumindest besser erklärt werden können. Manchmal hilft nur die Flucht nach vorn. Dann aber bitte nicht mit noch mehr unglaubwürdigen Ausreden und haltlosen Versprechen von einem weiteren Politiker.

Eine gut aufgebaute, positive Basiskommunikation und offener kontinuierlicher Dialog schaffen Akzeptanz und Verständnis. Für die Notwendigkeit eines solchen Vorhaben, für Beeinträchtigungen, sogar für hohe Budgets. Sie ist Grundvoraussetzung dafür, dass Projekte in dieser Dimension überhaupt umgesetzt werden können. Dann hört auch jemand zu, wenn man in eine kritische Situation gerät. Kommunikation ist immer Teil des Projekterfolgs. Das wissen wir nicht erst seit Stuttgart 21.

In diesem Fall ist das Kind leider schon sehr früh in den Brunnen gefallen. Eine transparente, ehrliche, offene Kommunikation von Anfang an? Fehlanzeige. Faktische Projektfehler waren dann auch mit Kommunikation nicht mehr zu erklären. Der Fisch stinkt vom Kopf, sagt man. Oder wie heißt es in Berlin? Egal. Vielleicht beim nächsten Mal.

In diesem Sinne: Guten Flug.

Diesen Beitrag finden Sie auch im aktuellen PR Magazin.

* https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/flughafen-berlin-brandenburg-ber-sprecher-gibt-zu-ehrliches-interview-und-fliegt-1.2943897

** https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/stuttgart-21-flughafen-ber-warum-grossprojekte-haeufig-zu-finanziellen-desastern-werden/23960406.html

Was tun, wenn falsche Information durch die Presse kursiert

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit – Was tun, wenn falsche Information durch die Presse kursiert

Was tun, wenn falsche Information durch die Presse kursiert? Jedem Kommunikationsspezialisten ist dieser Fall im Laufe seiner Karriere bereits untergekommen: Eine negative Nachricht über das eigene Unternehmen gelangt in die Öffentlichkeit. Per se ist das nichts Außergewöhnliches, da Journalisten als vierte Gewalt im Staat Menschen über Verfehlungen und Missstände aufzuklären haben. Aber falls es sich dabei um eine falsche Information handelt, kann diese schnell zu Unrecht negative Auswirkungen auf die Reputation des Unternehmens haben. Jetzt heißt es handeln, und zwar schnell. Vorab stellt sich allerdings zuerst die Frage: Um was für eine Art von falscher Information handelt es sich überhaupt? Falsche Information aus Perspektive des Unternehmens, also Inhalte, die zwar richtig sind, aber nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen? Oder Information, deren Wahrheitsgehalt nicht korrekt ist?  

Ersteres ist ärgerlich und kann das Image stark beschädigen, jedoch sind Kommunikationsverantwortlichen bei fundiert recherchierten Berichten über tatsächliche Begebenheiten die Hände gebunden. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film sind durch Art. 5 Abs. I 2, 3, Abs. II GG und durch Verfassungsbestimmungen der Länder geregelt. Auch bei der klaren Formulierung einer Kritik oder persönlichen Wertung durch den Autor kann wenig ausgerichtet werden, da dieser sich auf das Recht der Meinungsfreiheit berufen kann.  

Bei faktisch falschen Presseveröffentlichungen allerdings stehen den Betroffenen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, sich gegen die Verbreitung der Information zu wehren. Bevor man sich aber entscheidet, diese Maßnahmen zu ergreifen, sollte eines abgewogen werden: Ist die Behauptung so schwerwiegend, dass ich in Kauf nehme, die Öffentlichkeit durch eine Richtigstellung erneut auf das Thema aufmerksam zu machen? Es besteht die Gefahr, dass mehr hängen bleibt, als es ursprünglich der Fall wäre. Ist der Schaden durch die Veröffentlichung allerdings so gravierend, dass auf die Korrektur durch das Medium bestanden werden muss, gibt es mehrere Herangehensweisen.  

Am einfachsten ist der Versuch, bei einer unwahren Behauptung, einen Leserbrief zu verfassen und dem Medium zuzustellen. In diesem ersten Schritt werden keine anwaltschaftlichen Hilfen in Anspruch genommen, was das Verhältnis zur Redaktion schont, und man kann die eigene Meinung platzieren. Ein Leserbrief sollte allerdings nicht ohne Vorabinformation des Redakteurs erfolgen. Er sollte Bescheid wissen, dass man die unwahre Behauptung, die sich in seiner Meinung wiederfindet, aufgenommen hat, allerdings eine andere Auffassung zu dem Thema habe und diese auch kundtun möchte. Das zeugt von gegenseitigem Respekt und hilft die Chance zu steigern, dass der Leserbrief aus Fairnessgründen ebenfalls veröffentlicht wird. 

Bevor man zu juristischen Mittel greift, bietet sich noch eine einvernehmliche Richtigstellung an. In Absprache mit dem Redakteur und mit bereits vorab formulierten Inhalten kann durch eine Richtigstellung anwaltschaftliches Vorgehen vermieden werden. Erst wenn Verlage dies Richtigstellung verweigern, sollte der juristische Weg mit einer Gegendarstellung beschritten werden.  

Jeder Redakteur verpflichtet sich bei der Ausübung seiner Tätigkeit freiwillig die im Pressekodex festgelegten ethischen Standards für den Journalismus zu wahren. Diese 16 Ziffern regeln unter anderem die Sorgfalt in der Recherche als auch die Verpflichtung, veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen, richtigzustellen. Sollte eine Information dennoch falsch recherchiert oder verstanden worden sein und das Medium aber behauptet, richtig zu liegen, eignet sich am besten eine Korrektur durch eine Gegendarstellung. Dabei muss sichergestellt sein, dass beide Mitteilungen denselben Adressatenkreis erreichen können. Die Gegendarstellung muss also in vergleichbarer Größe, Erscheinungsbild und Umfang über dieselben Kanäle verbreitet werden wie die Erstmitteilung. Für den Leser muss dabei erkennbar sein, dass die vorangegangene Meldung ganz oder zum Teil unrichtig war. Deshalb nimmt eine Gegendarstellung bei der Wiedergabe des korrekten Sachverhalts auf die vorangegangene Falschmeldung Bezug. Der wahre Sachverhalt wird geschildert, auch dann, wenn der Irrtum bereits in anderer Weise in der Öffentlichkeit eingestanden worden ist. Bei Online-Veröffentlichungen wird eine Gegendarstellung mit dem ursprünglichen Beitrag verbunden. Erfolgt sie in dem Beitrag selbst, so wird dies kenntlich gemacht.  

Durch das Internet sind multiple neue Kommunikationsplattformen entstanden, die durch unterschiedliche Akteure mit ihrer individuellen Botschaft bespielt werden. Zwar lassen sich inhaltliche Fehler online leichter korrigieren als bei Print-Formaten, allerdings vergisst das Internet nie. Nach Rücksprache mit dem Autor des Textes kann die Korrektur durch diesen direkt innerhalb des Betrages durchgeführt werden. Sollte es sich nicht um eine schwerwiegende Falschinformation handeln, kann auf einen veröffentlichten Korrekturhinweis verzichtet werden. Gleiches gilt auch für Social Media Beiträge. Sollte es sich allerdings um einen schwerwiegenden Fehler handeln, greifen auch hier die gleichen Werkzeuge wie beim klassischen Printmedium 

Bei Presseanfragen kann man anhand der gestellten Fragen man bereits früh erkennenob die zukünftige Berichterstattung in eine Richtung tendiert, die mit Fehlinformationen einen schwerwiegenden Reputationsschaden verursachen wird. Dieser wäre dann auch mit einer Richtigstellung oder Zahlung eines Schadensersatzes nicht zu kompensieren. Häufig ist es dann ratsam, bereits früh einen Anwalt einzuschalten und etwaige rechtliche Schritte anzukündigen, sofern eine gewisse Botschaft weiterverbreitet würde. Unterlassungserklärungen in Verbindung mit Vertragsstrafen bei Zuwiderhandlungen unterbinden die Wiederholungen der verbreiteten Meldung. Gerade bei Boulevardjournalismus haben presserechtliche Informationsschreiben und Warnschreiben in diesem Zusammenhang Wirkung gezeigt. Für investigativen Journalismus eher nicht. Hier wäre es ratsam, Hintergrundgespräche und -informationen anzubieten und eigene PR-Kampagnen zu dem jeweiligen Thema zu platzieren.  

Wenn man auf Rechtsbeistand zurückgreift, muss eines jedoch klar sein: Das Verhältnis zur Redaktion wird dauerhaft beeinträchtigt werden. Der Weg über einen Anwalt ist die letzte Möglichkeit sich zu verteidigen. Zwar gibt es Fälle von mutwilliger Falschberichterstattung, allerdings sind das seltene Ausnahmen. Ein kluger Umgang mit dem Thema wäre, mit dem Journalisten das Gespräch zu suchen, und die Gründe für seine Kritik oder Fehlinformation zu erfahren. Fehler können passieren, auch einem Journalisten. Bereits ein unabsichtlich vergessenes Wort kann den Informationsgehalt einer Meldung gänzlich verdrehen, ohne, dass es Absicht gewesen ist.

Dagegenschießen Ja, Opferrolle Nein

Dagegenschießen Ja, Opferrolle Nein

Zur Frage der Haltung in der Krisenkommunikation

Die Möglichkeiten, mit denen Unternehmen auf Krisen reagieren können, sind vielschichtig. Eine Taktik, die einen in der Krisenkommunikation immer wieder begegnet, ist folgende: Das Unternehmen negiert, dass es eine Krise gibt und zeigt stattdessen mit dem Finger auf eine Stakeholder-Gruppe, die eine solche konstruieren will, um dem Unternehmen zu schaden. Die Wirecard AG hat dieses Spiel eine Zeit lang meisterhaft gespielt und den Journalisten der Financial Times vorgeworfen, mit falschen Vorwürfen die Aktienkurse des Unternehmens nachteilig negativ beeinflusst zu haben. Dies ging sogar so weit, dass auf Betreiben der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Staatsanwaltschaft gegen die Journalisten Ermittlungen aufgenommen hatte. Der Verdacht: Gemeinsam mit Short-Sellern versuchen die Redakteure, Gewinne durch eine anhaltende Negativberichterstattung zu erzielen. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt: Nach Vorstandsmitglied Jan Marsalek wird mittlerweile mit einem weltweiten Haftbefehl gefahndet.

Hohes Risiko bei Gegenspielern mit hoher Glaubwürdigkeit

Auch wenn diese Form der Krisenkommunikation für Wirecard lange Zeit gut funktioniert hat, sollten Unternehmen äußerst vorsichtig sein, kategorisch jegliches Fehlverhalten von sich zu weisen und sich als Opfer einer Kampagne zu inszenieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Gegenspieler eine Einrichtung mit hoher Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit ist, wie z.B. die Stiftung Warentest oder auch renommierte Investigativ-Journalisten.

Südtirol vs. Münchener Umweltinstitut

Dieses Blame Game hat auch das Land Südtirol als Strategie gewählt. Die Kritik des Münchener Umweltinstituts am Pestizideinsatz im Apfelanbau wertet das Land als üble Nachrede – eine gewagte Strategie, denn für die NGO ist diese Form der Krisenkommunikation eine Steilvorlage: Längst lassen sich die Aktivisten mit zugeklebten Mündern ablichten und werten das Vorgehen Südtirols als Angriff auf die Meinungsfreiheit.

Keine Frage: Unternehmen brauchen Haltung. Und Haltung bedeutet auch, nötigenfalls deutlich zu machen, dass man sich ungerecht behandelt fühlt. Ob und wie sehr man mit dieser (vermeintlichen) Opferrolle hausieren geht, muss aber gut überlegt sein. Ansonsten spielt sie nur der anderen Partei in die Hände. Deswegen muss am Anfang jeder strategischen Krisenkommunikation eine Situationsanalyse stehen und realistische Szenarien für den weiteren Krisenverlauf herausgearbeitet werden. Erst dann lässt sich sagen, ob es wirklich zielführend ist, dagegenzuschießen oder nicht doch ein deeskalierender, kooperativer Kurs zielführender ist.

ASP: Wie man sich kommunikativ auf Tierseuchen vorbereitet

Nach dem ASP-Fall in Brandenburg: Wie sich Unternehmen auf eine Ausbreitung der Seuche vorbereiten sollten

Die Tierseuche Afrikanische Schweinepest (ASP) in heimischen Tierbeständen ist ein Horrorszenario der deutschen Fleischwirtschaft. Seit 10. September ist klar: Nachdem die Erkrankung bei einem toten Wildschwein in Brandenburg festgestellt worden ist, ist die Seuche auch in Deutschland angekommen. Der wirtschaftliche Schaden, den eine solch hochinfektiöse Tierseuche in Unternehmen verursachen kann, wäre kaum zu beziffern. Auch die kommunikativen Herausforderungen sind enorm. Gleichzeitig müssen die Unternehmen mit den Anfragen und dem Informationsbedarf des Handels, der Lieferanten, der Mitarbeiter und der Öffentlichkeit jonglieren. Bedeutet: Jetzt gilt es, sich im Rahmen der Krisenprävention auf den Ernstfall und eine weitere Ausbreitung der Schweinepest vorzubereiten.

  • Für die unterschiedlichen Zielgruppen müssen reaktive Statements für verschiedene Kommunikationskanäle (u.a. Website, Social Media, Aushänge, Schreiben an Geschäftspartner etc.) und Fragen & Antworten erstellt werden, die über den aktuellen Sachstand informieren.
  • Auch wenn der Kern der Botschaft für jede Zielgruppe identisch sein muss, ist die Aufbereitung der Inhalte individuell unterschiedlich. Ein Fachjournalist beispielsweise verfügt über ein anderes Vorwissen als der Redakteur einer Tageszeitung. Und der Handel verlangt andere Informationen als die breite Öffentlichkeit
  • Insbesondere für die Kommunikation mit dem Verbraucher bzw. dem Kunden an der Bedientheke gilt: Für Sie mag es keine Rede wert sein, dass ASP nicht auf Menschen überspringt, aber viele Endkunden sind sich dessen gar nicht bewusst. Vermeiden Sie daher zum einen eine technische Sprache voller Fachbegriffe. Diese sind Ihren Adressaten vielleicht gar nicht bekannt. Zum anderen beschreiben Sie Ihre präventiven Maßnahmen sehr anschaulich und verständlich. Das schafft Vertrauen.
  • Als Unternehmen sollten Sie nur dann aktiv medial Stellung beziehen, wenn Ihr Unternehmen tatsächlich im Fokus steht. Generische Anfragen können Branchenverbände dezidiert beantworten, das müssen Sie nicht tun.

Erst Check der Krisenprävention, dann Maßnahmen

Wie kann Sie Engel & Zimmermann unterstützen und einen möglichen Imageschaden minimieren helfen? Gemeinsam mit Ihnen besprechen wir Ihre individuelle Situation und den Status Ihrer Krisenprävention. Daraus ergibt sich in der Regel ein Bild von der Gefährdungslage Ihres Unternehmens unter kommunikativen Gesichtspunkten. Anschließend übernehmen wir die zielgruppengerechte Texterstellung. Das ist häufig der wichtigste Baustein beim kommunikativen Umgang mit Tierseuchen.

Gerne stehen wir Ihnen für ein unverbindliches Telefonat unter der 089-893 56 33 zur Verfügung. Ansprechpartner: Dr. Matthias Glötzner. E-Mail: info@engel-zimmermann.de; Stichwort Tierseuchen.

Neues Workshop-Format zur strategischen Krisen-Evaluation

Aus Fehlern lernen oder „Nach der Krise ist vor der Krise“: Neues Workshop-Format zur strategischen Krisen-Evaluation

Das Paradox der Krisen-Nachbereitung: Entscheidend und doch vernachlässigt

Die Krisen-Nachbereitung gehört zu den wichtigsten Tools der strategischen Krisenkommunikation. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie des Crisis Communications Network Europe (CCNE): Knapp 85 Prozent der befragten Berater und Beraterinnen aus den neun Mitgliedsländern des Netzwerks halten die nachträgliche Aufarbeitung von Krisen für wichtig oder sogar sehr wichtig. Gleichzeitig nehmen allerdings nur etwa die Hälfte aller Unternehmen Maßnahmen zur kommunikativen Nachbereitung überhaupt in Anspruch. Obwohl die Evaluation ein klassischer Prozessschritt des strategischen (Krisen-) Managements ist, wird sie doch häufig aufgeschoben, verdrängt und schlussendlich komplett vernachlässigt.

Warum eine Aufarbeitung der Krisenkommunikation sich trotzdem lohnt

Was sind die Gründe für das geringe Interesse an der Nachbereitung? Zum einen ist es unangenehm, sich nach einer akuten und teilweise auch schmerzhaften Krisenphase wieder mit den Themen zu beschäftigen. Besonders schwere Krisen, die der Reputation des Unternehmens langfristig schaden, hinterlassen im kollektiven Unternehmensgedächtnis ein Trauma und nehmen auch die Mitarbeiter emotional mit. Nichts ist hier verständlicher als der Wunsch, Gras über die Sachen wachsen lassen zu wollen. Auch die Beidhändigkeit zwischen Tagesgeschäft und internen Themen erschwert die Krisen-Evaluation – ziehen letztere zugunsten von Umsatzzielen und Effizienz doch zu oft den Kürzeren.

Nichtsdestotrotz ist „wenn mal Zeit ist“ nicht rechtzeitig genug, um sich mit er vergangenen Krise zu beschäftigen – denn sie ist im Grunde wie lästige Rückenschmerzen. Man kann sie ignorieren und damit eine Weile den Alltag bewältigen, aber wenn die Muskulatur nicht stabilisiert wird, werden sie immer stärker und es droht die nächste Krise, in diesem Fall z. B. ein Bandscheibenvorfall. Hinzu kommt, dass die viele Krisen nicht ausschließlich exogene Ursachen haben: Krisen entstehen im Unternehmen, weil z.B. Kontrollmechanismen versagt haben, und sie werden vor allem durch das Handeln des Unternehmens zum Guten oder Schlechten beeinflusst. Deswegen müssen Ursachen behoben und die Prozesse in Sondersituationen optimiert werden

Krisen-Evaluation nach innen und außen: Prozesse schärfen und Vertrauen zurückgewinnen

Um das zu verhindern wirkt die strategische Krisen-Nachbereitung von Engel & Zimmermann in zwei Richtungen: nach innen und nach außen. Auf Basis eines ausführlichen Medienmonitorings, mittels anschließender Analyse und im gemeinsamen Gespräch mit Ihnen finden wir heraus, ob und wie ihre Botschaften in der vergangenen Krise verfangen sind. In Hinblick auf Ihre internen Prozesse führen wir Gespräche mit allen beteiligten Abteilungen im Krisenprozess und identifizieren so Schwachstellen, aber auch gelungenes Vorgehen. Auf Wunsch können auch externe Akteure, wie IT-Dienstleister oder Anwaltskanzleien, einbezogen werden. Auf Basis dieser Gespräche und Ihrer Unterlagen geben wir Ihnen in einem gemeinsamen Abschlusstermin einen Überblick zum Status Quo und entwickeln Verbesserungsmaßnahmen.

Gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Team legen wir den Finger in die Wunde, schauen dorthin, wo es wehtut – und gehen dabei doch behutsam vor. In über 40 Jahren Erfahrung in der Krisenkommunikation haben wir bei Engel & Zimmermann gelernt: Die nächste Krise kommt meist schneller als gedacht. Auf diese möchten wir Sie bestmöglich vorbereiten und dafür sorgen, dass Sie nicht in alte Muster zurückfallen. Denn nach der Krise ist bekanntlich vor der Krise. Sprechen Sie uns an!

Expertenbefragung zu internationaler Krisenkommunikation

Expertenbefragung zu internationaler Krisenkommunikation: Grenzübergreifende Kommunikationskrisen von Unternehmen in Europa kaum trainiert

Insbesondere Themen aus dem Gesundheitswesen und dem Finanzsektor werden für die internationale Krisenkommunikation in den nächsten fünf Jahren deutlich relevanter. Dies ergibt eine Experten-Befragung des Crisis Communications Network Europe (CCNE), an der sich fünfzehn Krisenberater aus allen neun CNNE-Mitgliedsländern im Juli 2020 beteiligt haben. Rund drei Viertel attestieren dem Gesundheitswesen das größte Krisenpotential mit Blick auf die kommenden Jahre, gefolgt vom Finanzwesen. Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass in nahezu allen Ländern die Frage nach der Qualität des Gesundheitswesens neu gestellt wurde und Defizite offengelegt wurden – von der Finanzierung von Krankenhäusern und der Behandlungsqualität bis hin zur Bevorratung von Medikamenten. Die öffentliche Aufmerksamkeit wird noch lange Zeit auf allen Akteuren im Healthcare-Bereich liegen. Damit geht in der Regel auch eine besondere Krisenanfälligkeit einher. Auf dem dritten Platz liegen die Lebensmittelwirtschaft und die Agrarindustrie.

Stark steigende Bedeutung von Mitarbeitern für Krisenverläufe erwartet

Gefragt nach den Akteuren, die Krisendynamiken in den kommenden Jahren beeinflussen, gehen knapp drei Viertel der Berater davon aus, dass der Einfluss einzelner Mitarbeiter steigen wird. Während auch einzelne Verbraucher für Krisendynamiken laut dieser Erhebung noch relevanter werden, erwarten die CCNE-Mitglieder nicht, dass der Einfluss von NGOs sich signifikant abschwächen oder steigen wird. Als wichtigsten Grund für diese hohen Werte sehen die Berater, dass die Digitalisierung nicht nur jeden Einzelnen zum potenziellen Multiplikator macht, sondern sich der Einzelne seiner Bedeutung in der Krise auch zunehmend bewusst wird. Hinzu kommt, dass Fake News Kampagnen in naher Zukunft nicht nur politisch sein werden, sondern sich gezielt gegen Unternehmen richten. Einzelne können also Krisen auslösen, ohne dass überhaupt ein konkretes Ereignis oder ein echtes Fehlverhalten eines Unternehmens vorliegt. Dies geht in einer stark fragmentierten Gesellschaft, wie sie derzeit in allen europäischen Ländern anzutreffen ist, besonders leicht. Einig sind sich die CCNE-Mitglieder auch in der Einschätzung, dass die interne Kommunikation in der Krise zu wenig Beachtung erfährt und unbedingt höchste Priorität erhalten muss.

Issue-Monitoring und Krisenevaluation meist genutzte Präventionsinstrumente für Kommunikationskrisen in Europa

Obwohl unbestritten ist, dass die Digitalisierung weiter auf dem Vormarsch ist, haben viele der beratenen Unternehmen im Krisenmanagement noch nicht die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen. Mehr als die Hälfte der beratenen Unternehmen nutzen keine digitale Krisen-App, sondern vertrauen auf das klassische Krisenhandbuch. Über dieses verfügt jedes zwei Unternehmen, ähnlich verhält es sich mit dem Issue-Monitoring.

Verbesserungsbedarf legt die Umfrage in der Vorbereitung auf internationale Krisen offen. Lediglich ein Fünftel der Befragten gab an, dass die von ihnen beratenen Unternehmen bereits für grenzüberschreitende Krisen ausreichend vorbereitet sind. Die Bereitschaft, solche Szenarien zu trainieren und Präventionsprozesse aufzusetzen, ist bei den Unternehmen geringer ausgeprägt es als nötig wäre.

Die größte Herausforderung in grenzüberschreitenden Krisen sind kulturelle sowie rechtliche Unterschiede und Sprachbarrieren. Im Netzwerk beobachten wir immer wieder, dass in jedem Land unterschiedliche Branchen besonders krisenanfällig sind. Beispielsweise wird die Lebensmittelwirtschaft in Großbritannien und den Niederlanden lange nicht so kritisch begleitet, wie es in Deutschland der Fall ist“, sagt Dr. Matthias Glötzner (Leiter Beratung). „Und genau hier – am Bewusstsein, dass es kulturelle und mediale Unterschiede gibt – setzt das CCNE an. Durch das Netzwerk können wir insbesondere Sprach- und Kulturbarrieren umgehen und über Partner besser als je zuvor komplexe internationale Krisenmandate abdecken.

Über die Umfrage:

Im Rahmen einer Online-Umfrage wurden die Beratungen aller neun Mitgliedsländer zur Krisenkommunikation befragt. Sie repräsentieren rund 500 Beratungskunden. Insgesamt 15 Experten für Krisenkommunikation haben sich an der Erhebung beteiligt. Die Umfragen fand im Zeitraum 17. Juni bis 06. Juli 2020 statt.

Cyberkrisen als Gefahr für die Lebensmittelindustrie

Cyberkrisen in der Lebensmittelindustrie: Wie Sie dem Reputationsrisiko vorbeugen

Cyberkrisen sind eine wachsende Bedrohung für kleine und mittelständische Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Eines der Risiken sind Hackerangriffe, wie kürzlich auf den Nachrichtendienst Twitter. Bei den massiven Angriffen auf Accounts von Elon Musk, Barack Obama und Bill Gates warben Unbekannte für einen Bitcoin-Betrug – und sorgten so für einen Schaden von über 100.000 US-Dollar. Aber nicht nur Weltkonzerne aus dem Silicon Valley sind Cyberrisiken ausgesetzt.

Cyberkriminalität – ein wachsendes Problem der Lebensmittelbranche

Wie stark gerade die Lebensmittelindustrie von Cyberkriminalität betroffen ist, zeigt eine Umfrage des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Fast jedes vierte Unternehmen aus der Branche war bereits Opfer erfolgreicher Cyberattacken, sechs Prozent waren sogar mehrfach betroffen. Die Gefahr der Angriffe ist also real, die Auswirkungen können dramatisch sein. Und doch halten viele mittelständige Lebensmittelhersteller das Risiko in ihrer Branche für gering – und in ihrem eigenen Unternehmen sowieso. Weil Betriebe die Bedrohung so stark unterschätzen, sehen sie auch nicht, dass sie auf das erhebliche Schadenspotential nicht ausreichend vorbereitet sind: Drei von vier Unternehmen weisen laut GDV-Umfrage akute Sicherheitslücken auf. Und dass, obwohl die größtenteils digitalisierte Lebensmittelwirtschaft stark von ihrer funktionierenden IT abhängig ist: Fiele diese Technik mehrere Tage lang aus, könnten zwei von drei befragten Unternehmen kaum noch arbeiten.

Krisenprävention: Vorbereitung ist alles, auch auf Cyberrisiken

Neben der richtigen Sicherheitsinfrastruktur ist die kommunikative Krisenprävention essenziell. Denn wenn Hackerangriff & Co. zu Datendiebstählen führen, beschädigt das häufig auch die Reputation. Im Vorfeld muss außerdem klar sein, welche Abläufe im Fall einer Cyberkrise greifen: Wer nimmt welche Rolle im Krisenstab ein? Wer spricht mit den Medien? Gibt es ein Krisen-Protokoll? Ein Krisen-Check-Up überprüft den Status-Quo und identifiziert Risikopotentiale. Eine Krisensimulation erlaubt es, den Hackerangriff oder das Datenleck zu proben und Schwachstellen in der kommunikativen Infrastruktur aufzudecken. Sprachregelungen und Pressemitteilungen sorgen dafür, dass im Ernstfall mehr Zeit für andere Dinge bleibt.

In der Cyberkrise Vertrauen wiederherstellen

Kommt es dann tatsächlich zu einer Krise, zum Beispiel in Form eines Datenlecks, müssen Unternehmen das Vertrauen der Öffentlichkeit aufrechterhalten. Nichts ist fataler als der Eindruck, mit den Daten der Kunden sei unsensibel umgegangen worden. Dies sollte auch in entsprechenden Statements thematisiert werden. An erster Stelle steht allerdings die Ursachenforschung: Wie ist das Datenleck entstanden? Steckt ein Erpressungsversuch dahinter? Wie lange sind die Daten bereits zugänglich? Antworten auf diese Fragen erwarten neben den Kunden und Verbrauchern auch Journalisten. Sobald diese Informationen vorliegen, ist eine offene und transparente Kommunikationsstrategie empfehlenswert. Denn auch das erzeugt ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen, ganz nach dem Motto „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“.

TV-Berichterstattung über die Lebensmittelbranche bleibt kritisch

Bereits zum fünften Mal in Folge haben wir die Sendungen ausgewertet, die sich mit der Lebensmittelindustrie beschäftigt haben. Das Ergebnis: Die Branche war auch im Jahr 2018 einmal mehr Gegenstand einer regelmäßigen und nicht selten kritischen Berichterstattung im Fernsehen. Wir wollten wissen, über welche Branchen im Jahresverlauf am häufigsten berichtet wurde, welches die Aufregerthemen waren und welche Bereiche besonders in der Kritik der Sender und Sendungen standen. Insgesamt stellen wir fest, dass sich die unterschwellige Generalkritik an der gesamten Branche, die wir schon seit Jahren beobachten, auch im Jahr 2018 fortgesetzt hat.

635 Sendungen fielen im vergangenen Jahr in unsere Auswertung. Anders ausgedrückt: Im Schnitt beschäftigten sich mehr als 12 Sendungen pro Woche mit Lebensmitteln. Am häufigsten ging es um Obst/Gemüse, Fleisch und Getränke. Diese drei Branchen machen, wie ein Dreijahresvergleich zeigt, traditionell die Spitzenplätze unter sich aus. Süßwaren und Molkereiprodukte können da nicht mithalten – was sich angesichts einer häufig kritischen Berichterstattung durchaus als vorteilhaft erweisen kann.

 

Kritische Beiträge: Fleischbranche unter besonderer Beobachtung

Eine Kernaussage, die sich durch die Auswertung der vergangenen Jahre zieht, betrifft die Kritik, mit der sich die Fleischbranche konfrontiert sieht: Während bei Obst und Gemüse nicht einmal jeder vierte Beitrag als kritisch eingestuft wurde, war es beim Thema Fleisch jeder zweite! Ausschlaggebend bei der Bewertung war, ob bereits der Sendungstitel oder der begleitende Ankündigungstext des Senders auf einen kritischen Beitrag schließen ließen. Dies traf im Jahr 2018 auf 227 Sendungen zu. Mit anderen Worten: Im Schnitt wurde mehr als viermal in jeder Woche kritisch über die Lebensmittelbranche berichtet, insgesamt wies mehr als jeder dritte Beitrag über die Lebensmittelbranche eine kritische Tendenz auf.

Eine Erklärung dafür fällt nicht schwer: Auch die TV-Medien stehen im Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten und arbeiten dafür mitunter mit reißerischen Schlagzeilen. Ein Mittel ist die Vereinfachung und Zuspitzung von Fakten, was nicht selten auf Kosten der Objektivität geht. Einige Beispiele gefällig? „Schweinerei in der Wurst“, „Avocado – Umweltkiller Superfood“ oder „Gefährliche Chemikalien im Trinkwasser“.

Besonders beliebt sind Qualitätschecks: Fast jede vierte Sendung ging Themen wie diesen nach: „Frühstücksspeck – Welcher ist der beste?“, „Orangenlimonade im Check“ oder „Glühwein im Test“.  Nicht selten bedienten sich die Sender dabei eines sehr beliebten Stilmittels, dem Vergleich zum Beispiel zwischen industriell gegen handgemacht, Marke gegen Discounter oder teuer gegen billig. Auch prominente Testimonials wie Tim Mälzer, Björn Freitag oder Nelson Müller nutzen in ihren Sendungen gerne diese Vergleiche. Für viele Hersteller ist es ein großes Ärgernis, wenn sich ihre Produkte fragwürdigen Testkriterien wie Straßenumfragen unterziehen müssen und am Ende eine völlig vereinfachende Gesamtnote steht. Schließlich könnten die Ergebnisse für die Hersteller ernsthafte Konsequenzen haben.

Ausblick: TV-Sendungen als Abbild des öffentlichen Interesses?

Die ersten Monate des neuen Jahres zeigen bereits, dass das Interesse der TV-Medien an der Lebensmittelindustrie ungebrochen hoch ist. Es bleibt abzuwarten, ob die Sender die Themen, die die Branche unverkennbar beschäftigen, in ihr Programm aufnehmen werden: Nachhaltigkeitsaspekte bei der Herstellung von Lebensmitteln, den Trend zu bewusstem Genuss, die Tierwohldebatte bei Fleisch oder das Thema Verpackungen und Plastik. Die vollständige Auswertung gibt es auf unserer Webseite hier: www.engel-zimmermann.de/

Wer sich für vertiefende Informationen interessiert oder für unseren kostenlosen TV-Newsletter anmelden möchte, in dem food-relevante Sendungen angekündigt werden, kann sich unter c.wolfram@engel-zimmermann.de jederzeit informieren.

 

 

Corona Krisenkommunikation und -prävention

Sechs Monate Corona-Virus: Warum Krisenkommunikation und -prävention zu Covid-19 noch immer wichtig ist

Das Auftreten des Corona-Virus hat viele Unternehmen vor die Herausforderung gestellt, aktive Krisenkommunikation zu betreiben. Covid-19 traf alle Wirtschaftsbereiche, die politische Ebene sowie Kommunen und Kreise mit voller Wucht. Viele unvorbereitet. In kaum einem Krisen-Handbuch und erst recht in keiner Krisensimulation war dieses Szenario vorgesehen. Auf die vergangenen sechs Monate zurückblickend, lassen sich vier Phasen ausmachen, die viel darüber verraten, wie sich Unternehmen im Sinne der Krisenkommunikation vorbereiten können.

Phase 1 – Corona als lokales Problem

Am 27. Januar 2020 meldete das bayerische Gesundheitsministerium spätabends den ersten Coronavirus-Fall Deutschlands: Ein Mann aus Bayern hat sich mit dem neuartigen Erreger angesteckt. Der Automobilzulieferer Webasto geriet durch diesen Fall weltweit in die Schlagzeilen.

In der ersten Phase war Corona ein lokales Problem eines Unternehmens, das die Unternehmen bundesweit noch nicht geängstigt oder die Krisenstäbe mobilisiert hatte. Nur das Krisenmanagement von Webasto stand weltweit unter Beobachtung und es war klar, dass jeder kommunikative Fehler massive Reputationsschäden hätte nach sich ziehen können – diese Aufgabe hat das Unternehmen mit Bravour gemeistert. Unternehmen, die im Sommer mit erhöhten Corona-Fallzahlen zu kämpfen hatten (z.B. Fleischwirtschaft) haben klug daran getan, diese erste Phase zu reflektieren, denn die kommunikative Krisendynamik war in dieser Zeit bereits angelegt: die Rolle der Mitarbeiter als Multiplikatoren, die Ängste des lokalen Handels und der Bevölkerung, aber auch die Notwendigkeit in den Dialog mit allen politischen Akteuren (bis hin zur lokalen Ebene) zu führen.

Phase 2 – Die große Ungewissheit

Im Zeitraum Februar bis Mitte März vermutete das Robert Koch Institut keine Viruszirkulation in Deutschland, aber die Angst, dass es in das Land getragen werden könnte, beherrschte den öffentlichen Diskurs. Großveranstaltungen wurden in dieser Zeit noch durchgeführt, aber die von Engel & Zimmermann betreuten Messeveranstalter gerieten bereits massiv unter Druck.

Als Ende Februar die Fallzahlen in Italien explodierten, war es nur logisch anzunehmen, dass auch Deutschland bald stärker betroffen sein würde. Viele Unternehmen haben sich bereits zu diesem Zeitpunkt kommunikativ und prozedural auf das Coronavirus aufgestellt. In dieser Phase der noch überschaubaren Fallzahlen wurde jedes Unternehmen in den Medien genannt, selbst wenn es nur eine Handvoll Fallzahlen zu verzeichnen hatte.

Phase 3 – Der Lockdown

Mit dem Lockdown standen die Unternehmen vor neuen Fragen: Wie erreiche ich alle Mitarbeiter, wenn ein Großteil über Wochen von zuhause arbeiten wird? Kann ich meinen Lieferverpflichtungen noch nachkommen, wenn Produktionsmitarbeiter infiziert sind? Im Frühjahr 2020 haben viele Unternehmen erkannt, wie wichtig interne Kommunikation ist, um den Betriebsfrieden zu gewährleisten und einen Reputationsschaden nach außen vorzubeugen. Denn Unternehmen durften auf keinen Fall in Verdacht geraten, ihrer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nicht ausreichend nachzukommen. In dieser Phase kam ein weiterer Aspekt hinzu: Kurzarbeit oder die Notwendigkeit Staatshilfen zu beantragen mussten überdies kommuniziert werden.

Phase 4 – Das Infektionsgeschehen unter Kontrolle

Sobald sich gezeigt hatte, dass das Infektionsgeschehen unter Kontrolle ist, diskutierte die Gesellschaft intensiv über Lockerung. Uneinigkeit zwischen Bund und Ländern wurde offenbar. Regionale Lockdowns – z.B. in Nordrhein-Westfalen durch die Corona-Fälle bei Tönnies verursacht – sollen in Zukunft ausreichen, um die Situation im Griff zu behalten. In dieser vierten Phase befinden wir uns noch immer. Was bedeutet dies für Unternehmen?

Jeder Betrieb muss mit dem Risiko leben, dass entweder er selbst hohe Infektionszahlen im Betrieb aufweist oder ein anderes Unternehmen im selben Landkreis einen regionalen Lockdown verursacht, der die eigene Geschäftstätigkeit massiv beeinträchtigt. Kommunikativ kann man sich auf diese Situation allerdings vorbereiten:

  • Pflegen Sie den Dialog mit den zuständigen Behörden sowie politischen Akteuren. Kooperation und ein gutes Vertrauensverhältnis sind im Ernstfall wichtig. Externe sollten im Ernstfall bereits sein, die gute Zusammenarbeit zu bestätigen („Dort scheint das Krisenmanagement besser zu funktionieren.“)
  • Sensibilisieren Sie Ihrer Mitarbeiter weiterhin für Vorsorge- und Hygienemaßnahmen. Erinnern Sie an ein achtsames Verhalten auch bei der Urlaubsplanung – zu ihrem Schutz und dem ihrer Familie sowie Kollegen.
  • Achten Sie darauf, alle Mitarbeiter zu erreichen – Beschäftigte im Homeoffice und in der Produktion gleichermaßen. Digitalisieren Sie Ihre interne Kommunikation!
  • Sprechen Sie mit regionalen Medien über die Infektionsschutz-Maßnahmen, die sie ergriffen haben, wenn sie angefragt werden. Legen Sie präzise dar, wie sie Infektionsschutz im Betrieb sicherstellen.
  • Implementieren Sie ein engmaschiges Monitoring, um über Infektionsherde in der Region schnell Kenntnis zu erlangen

Auch intensive Schutzmaßnahmen können nicht verhindern, dass Corona einen Betrieb ins Kreuzfeuer rückt. Eine Planung für den Ernstfall ist daher unerlässlich. Wer spricht mit welchen Stakeholdern? Weiß jeder im Krisenstab was er zu tun hat? Insbesondere Hochrisiko-Unternehmen (z.B. wenn Mitarbeiter in gekühlter Umgebung arbeiten) sollten über eine entsprechende Krisen-Simulation nachdenken. Denn nur mit ausreichender Prävention und einem tiefen Gespür für Krisendynamiken lassen sich im Ernstfall die richtigen Entscheidungen treffen. Und klar ist auch: Derzeit spricht nichts dafür, dass Corona in den nächsten Wochen und Monaten kein Krisenthema mehr sein wird.