Wirecard: Warum Krisenkommunikation über ein mittelmäßiges Videostatement zu wenig ist

Wirecard: Warum Krisenkommunikation über ein mittelmäßiges Videostatement zu wenig ist

Wenn 1,9 Milliarden Euro fehlen ist Krisenkommunikation zur Schadensbegrenzung unumgänglich – eine Erfahrung, die die Wirecard AG in diesen Tagen macht. Die gigantische Summe hätte eigentlich auf Treuhandkonten des Konzerns liegen sollen. Dass die Gelder wirklich existieren, konnte das Unternehmen den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young nicht nachweisen. Die Folgen sind in der Presse intensiv diskutiert worden und hinlänglich bekannt: EY verweigerte das Testat für den Jahresabschluss, woraufhin der Börsenkurs katastrophal einbrach. Die Zukunft des Unternehmens ist sehr ungewiss.

Wenn ein Viertel der Konzernbilanzsumme sich als nicht existent herausstellt, ist das für jedes Unternehmen eine Situation, die den Fortbestand des Betriebs ins Wanken bringt. Aus Sicht der Krisenkommunikation musste Wirecard sich nach dem verweigerten Testat auf ein vorrangiges Ziel konzentrieren: das Vertrauen der Anleger, Investoren, Geschäftsinhaber und Banken soweit wie möglich erhalten.

Videostatement soll Geschlossenheit demonstrieren

Reagiert hat Wirecard unter anderem mit einer Video-Stellungnahme, in der die zentrale Rolle der mittlerweile zurückgetretene Vorstand Markus Braun ausfüllt. Grundsätzlich ist das Instrument der Video-Stellungnahme durchaus zu empfehlen und hilft Vertrauen wiederaufzubauen, doch so wie es Wirecard gehalten hat, konnte diese Maßnahme nur wirkungslos verpuffen. Aus dem Blickwinkel der Krisenkommunikation fallen vor allem die folgenden Aspekte auf:

  • Inhaltlich trifft Markus Braun keine relevanten Aussagen, die über das bisher Presseöffentliche hinausgehen. Er fasst lediglich den bekannten Sachstand zusammen, ohne eine Perspektive aufzuzeigen. Was ebenfalls fehlt: Die Bitte um Entschuldigung für das eigene Versagen. Schließlich haben hunderte Kleinanleger in diesen Tagen sehr viel Geld verloren.
  • Dass der Gesamtvorstand in dieser Situation im Video zu sehen ist, war eine sicherlich bewusste Entscheidung, um Geschlossenheit zu demonstrieren. Allerdings sind die Personen unglücklich hinter dem Tresen platziert und wirken neben dem CEO wie unbeholfene Statisten.
  • Die Körpersprache von Markus Braun überzeugt nicht. Der Text wirkt vom Teleprompter abgelesen und verliert schon dadurch erheblich an Authentizität. Das Sprechtempo stimmt, allerdings presst er seine Hände mit gespreizten Fingern auf den Tressen. Dadurch lenkt er vom Inhalt ab und wirkt verkrampft und wenig glaubwürdig.

Das Videostatement selbst hat Wirecard offenbar mittlerweile von seinem Kanal entfernt, so dass es nur noch auf inoffiziellen Seiten zu finden ist. Warum sich das Unternehmen dazu entschlossen hat, bleibt offen. Ein Grund scheint der Rücktritt Markus Brauns gewesen sein.

 

Wirecard

Quelle: FAZ online

 

 

Herausforderungen für die Social Media- und Krisenkommunikation

Die polarisierte Gesellschaft: Herausforderungen für die Social Media- und Krisenkommunikation

Erst die Flüchtlingsdebatte, dann die Klimakrise und jetzt die Corona-Politik: Die Gesellschaft polarisiert sich immer weiter, während Facebook, Twitter & Co. der öffentlichen Empörung immer mehr Raum geben. Große Teile der Bevölkerung folgen geschlossenen Weltbildern, die keinen Diskurs mehr zulassen. Dies ist nicht nur für die Politik eine große Herausforderung, die vor der Aufgabe steht, die Menschen wieder unter konsensfähigen Wertvorstellungen und Zukunftsperspektiven zu vereinen, im Sinne der Krisenprävention und -kommunikation ist dies auch für Unternehmen eine massive Herausforderung.

Einerseits verlangt die Gesellschaft, dass sich Unternehmen möglichst eindeutig politisch positionieren, andererseits werden sie von denjenigen mit massiver Kritik überzogen, deren Weltanschauung nicht geteilt wird. Um möglichst keine Käufergruppen zu verprellen, vermeiden viele Markenhersteller daher eindeutige Aussagen und werden auch dafür angegriffen.

Wie Twitter Facebook in Zugzwang bringt

Wie vertrackt die Situation aus Sicht der Krisenkommunikation ist, zeigt ein Blick in die USA. Twitter hat in diesen Tagen öffentlichkeitswirksam den Versuch gestartet, gegen Fake News vorzugehen, als es einen Tweet von US-Präsident Donald Trump mit einem Warnhinweis versehen hat.

Dass Trump und die Trumpisten mit diesem Fact Check-Hinweis nicht glücklich waren, versteht sich von selbst und wurde von Twitter-CEO Jack Dorsey in Kauf genommen. Dorsey hat mit diesem Schachtzug aber seinen Konkurrenten Mark Zuckerberg in Zugzwang gebracht. Weil der Facebook-CEO weiterhin solche Warnhinweise ablehnt und sich partout nicht politisch positionieren will, kam es zu einer Kündigungswelle im Top-Management – seine Mitarbeiter gelten als vorwiegend linksliberal eingestellt.

Zwar betrifft dieses Beispiel Giganten aus dem Silicon Valley, die Herausforderung im Sinne der Krisenkommunikation betrifft aber nahezu jeden mittelständischen Betrieb. Medien- und Verbraucheranfragen, wie die folgenden, sind keine Seltenheit: Welche Konsequenzen ziehen Sie, dass Ihr Mitarbeiter rechtspopulistische Beiträge auf Facebook teilt? Ist Ihnen bewusst, dass in Ihrem Betrieb mehrfach Mitarbeiter wegen Ihrer Hautfarbe oder sexuellen Orientierung gemobbt wurden und was haben Sie dagegen getan? Bitte beziehen Sie eindeutig Stellung zur Klimadebatte!

Eskalation durch unglückliche Kommunikation

Für Unternehmen sind solche Anfragen brandgefährlich, weil unglückliche Antworten im Social Web in Minuten eskalieren und einen erheblichen Reputationsschaden nach sich ziehen können. Krisen entstehen auf diese Weise oft, ohne dass ein tatsächliches Ereignis zugrunde liegt, wie z.B. ein Brand, ein Compliance-Delikt oder ein Produktrückruf.

Ich gehe davon aus, dass die Polarisierung der Gesellschaft noch auf Jahre hinaus erhalten bleibt, sich vielleicht sogar noch verschärft. Unternehmen sollten sich auf diese Entwicklung einstellen und ihre Krisenkommunikation systematisch für solche Themen trainieren. Wichtig ist im ersten Schritt, ein grundsätzliches Verständnis dafür zu gewinnen, welche Themen Krisen auslösen, welche Dynamiken sie befeuern und wie eine deeskalierende Kommunikationsstrategie aussehen kann. Insbesondere aber müssen Unternehmen sich überlegen, ob und wie sie sich gesellschaftspolitisch positionieren wollen und in dieser Überlegung alle relevanten Pro und Contra-Argumente präzise abwägen.

Nachhaltigkeitsberichte – Wer liest sie und warum?

Nachhaltigkeitsberichte als Teil der Nachhaltigkeitskommunikation spielen für viele Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Doch warum eigentlich? Seit die Europäische Kommission unter der Leitung von Ursula von der Leyen im Dezember 2019 den Europäische ‚Green Deal‘ verabschiedet hat, existiert eine Art Fahrplan für eine nachhaltige EU-Wirtschaft. Es handelt sich dabei um eine neue Wachstumsstrategie, mit der die EU bis ins Jahr 2050 Klimaneutralität erreichen will. Aus diesem Grund steht das Thema Nachhaltigkeit nicht nur in der Politik weit oben auf der Agenda, sondern gewinnt auch in der Wirtschaft mehr und mehr an Bedeutung.

Nachhaltigkeit im Unternehmen

Engagieren sich Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit, ist die Kommunikation ein essentieller Teil der Nachhaltigkeitsstrategie. Seit 2017 besteht für Unternehmen ab einer gewissen Größe bereits eine Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (vgl. §289b Abs. 1 HGB). Doch immer häufiger sehen sich auch kleine und mittelständische Unternehmen vor der Herausforderung, ihren Stakeholdern sowie der Öffentlichkeit transparent und glaubwürdig zu zeigen, inwiefern sie zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. Nachhaltigkeitsberichte als Teil der Nachhaltigkeitskommunikation haben sich mittlerweile branchenübergreifend als Element einer ganzheitlichen Unternehmenskommunikation etabliert. Unternehmen aus der Lebensmittelbranche wie Rittersport oder die PHW-Gruppe machen es bereits vor und berichten über ökologische, soziale und ökonomische Belange in ihren Unternehmen. Nachhaltigkeitsberichte richten sich an eine Vielzahl diverser Zielgruppen, darunter Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Handelspartner oder Kapitalgeber. Doch wie steht es eigentlich um die Nutzung solcher Berichte? Befassen sich die Zielgruppen mit den aufwendig erstellten Nachhaltigkeitsberichten und wenn ja, welche Nutzungsmotive liegen bei den Lesern vor?

Studie zur Nutzung von Nachhaltigkeitsberichten

Antwort auf diese Fragen gibt eine Studie über die Nutzung und Nutzungsmotive von Nachhaltigkeitsberichten, durchgeführt im Rahmen einer Bachelorarbeit in Zusammenarbeit mit einem Betrieb aus der Lebensmittelbranche, der sich auf die Verarbeitung und Verpackung von Käse spezialisiert hat und bereits zum zweiten Mal einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht hat. Befragt wurden die wichtigsten Stakeholder-Gruppen des Unternehmens mittels Online-Umfrage, welche als Hauptzielgruppen mit dem Nachhaltigkeitsbericht angesprochen werden sollen: Kunden, Mitarbeiter, Kapitalgeber und Handelspartner.

Wie werden Nachhaltigkeitsberichte genutzt?

Bezüglich der Nutzungsgewohnheiten ergab sich, dass der durchschnittliche Leser etwa 5-15 Minuten Zeit in die Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts investiert, wobei die meisten Befragungsteilnehmer angeben, vor allem Überschriften, Zusammenfassungen und Grafiken zu lesen. Da die meisten Leser sich dem Nachhaltigkeitsbericht nur kurze Zeit widmen und diesen eher überfliegen, ist ein übersichtliches und schnell verständliches Design wichtig. Durch grafische und textliche Aufbereitung der Daten und Fakten fällt es der Leserschaft leichter, sich während der kurzen Nutzungsdauer einen guten Überblick zu verschaffen. Was die textliche Gestaltung betrifft, so bewerten die Befragungsteilnehmer aus allen Stakeholdergruppen ein Themengebiet als ganz besonders interessant, nämlich alle Inhalte rund um ökologische Aspekte. Daran schließt sich der soziale Teil des Berichts an, der vor allem für die Mitarbeiter von besonders hohem Interesse ist. In der Gesamtwertung belegen die Artikel zu wirtschaftlichen Themen den dritten Platz. Dabei geben knapp zwei Drittel der Befragten an den Bericht im Online-Format zu lesen.

Warum werden Nachhaltigkeitsberichte überhaupt gelesen?

Für 97% der befragten Stakeholder steht es an erster Stelle, bei der Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts über die Thematik an sich sowie über das nachhaltige Engagement im Unternehmen informiert zu werden.  Des Weiteren geben sie an den Bericht aus Neugier zu lesen sowie aufgrund der Erwartung, durch den Bericht etwas Neues über Nachhaltigkeit dazuzulernen. An zweiter Stelle steht für die Befragten das „Mitreden Wollen“. Der CSR-Bericht wird dementsprechend gelesen, um fähig zur Interaktion mit anderen zu sein, sei es im Gespräch über Nachhaltigkeit oder über das Unternehmen selbst. Insbesondere aus der Gruppe der Mitarbeiter geben viele Befragungsteilnehmer an, Zeit in die Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts zu investieren, da dieser sie stolz auf ihre Arbeit im Unternehmen mache. Ein ebenfalls häufig angegebener Grund zur Nutzung des Nachhaltigkeitsberichts entspricht der gewohnheitsmäßigen Mediennutzung, das heißt für die Betroffenen ist es Teil ihres Jobs den Bericht zu lesen.

Berichtsqualität und Glaubwürdigkeit

Ein wichtiger Aspekt eines Nachhaltigkeitsberichts im Rahmen einer erfolgreichen Nachhaltigkeitskommunikation ist die Zufriedenheit der Stakeholder. Dazu gehört einerseits eine zielgruppengerechte Ansprache, sodass alle Anforderungen der unterschiedlichen Lesergruppen erfüllt werden. Des Weiteren spielt aber auch die Einschätzung der Leser zur Qualität des Berichts eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse aus der Online-Umfrage zeigen, dass Printnutzer den Nachhaltigkeitsbericht qualitativ etwas hochwertiger bewerten, als die Online-Nutzer. Eine mögliche Interpretation dieses Ergebnisses ist, dass häufig noch „zu analog“ gedacht wird, weshalb vor allem die Printversionen großes Gefallen finden. Zusätzlich dazu konnte ein enger Zusammenhang zwischen der Einschätzung der Befragungsteilnehmer zur Glaubwürdigkeit und der Berichtsqualität nachgewiesen werden. Das bedeutet: Wird der Nachhaltigkeitsbericht als qualitativ hochwertig empfunden, so wird er ebenfalls als sehr glaubwürdig bewertet.

Fazit?

Früher oder später werden sich alle deutschen Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigen müssen. Spätestens dann, wenn die geplanten Maßnahmen des EU Green Deals nach und nach umgesetzt werden. Die richtige Kommunikation ist dabei das A und O für ein Unternehmen, denn wer unter den Verdacht gerät, Nachhaltigkeitsversprechen nicht ordnungsgemäß zu erfüllen, dem droht ein massiver Reputationsschaden in der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund ist eine glaubwürdige und authentische Nachhaltigkeitskommunikation elementar und bietet die ideale Möglichkeit, eine ganzheitliche Unternehmenskommunikation zu betreiben.

Kommunikation hat sich als Mehrwert etabliert

Kommunikation hat sich als Mehrwert etabliert

„Ein Vakuum, geschaffen durch fehlende Kommunikation, füllt sich in kürzester Zeit mit falscher Darstellung, Gerüchten, Geschwätz und Gift“, so urteilte ein britischer Soziologe Mitte des 20. Jahrhunderts. Seit der Antike ist die Bedeutung der Kommunikation der Öffentlichkeit bekannt. Von einem Dialog im Sinne von Verstehen oder gar Verinnerlichen war man aber noch weit entfernt. Bis heute.

Denn heute ist die Projektkommunikation in der Realität angekommen. Denn Investoren, Bürgermeister und Auftraggeber aller Art haben den Mehrwert der Kommunikation für ihr Projekt verstanden und investieren daher verstärkt in Kommunikation und Dialog. Der Anteil für Kommunikationsmaßnahmen an Investitionen liegt laut einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (bitkom) zwischen vier und fünf Prozent des jeweiligen Gesamtbudgets. Andere Quellen geben sogar Größen bis zu 15 Prozent an.

In was wird investiert?

Aber in was genau investieren die Projektträger? In erster Linie in das Vermitteln von Sachinformationen und das Vorbeugen von Gerüchten – damit erst gar kein Vakuum entsteht. Die Darlegung von Zielen, Absichten und Hintergründen ist aber nicht ausreichend. Die Entwicklung einer emotional positiven Bindung zum Projekt ist essenziell. Um diese emotionale Ebene zu erreichen, muss jeder Einzelne einen Vorteil im Projekt erkennen. Ob Klimaschutz zugunsten der nächsten Generationen, eine günstigere Verkehrsanbindung oder ein neugewonnener finanzieller Spielraum für die Kommune, wodurch die Renovierung des alten Kindergartens endlich möglich wird, ist dabei nicht entscheidend. Die Verbindung von Sach- und Beziehungsebene lässt Vertrauen und Akzeptanz entstehen.

Bedingungen für den Erfolg

Die beschriebenen Effekte stellen sich allerdings nur ein, wenn die Kommunikation frühzeitig einsetzt. Der Projektstart ist der Start der Kommunikation. Andernfalls bilden sich Strukturen und Denkmuster in der Bevölkerung, die am Projekt haften bleiben und kaum mehr aus der Welt zu schaffen sind. Durch schlichte Bequemlichkeit oder falsch verstandene Sparsamkeit wäre das Vorhaben – bevor es tatsächlich begonnen hat – in der Defensive. Die Gefahren für Verzögerungen oder ein Projektaus wären deutlich gestiegen und mit immensen Mehrkosten für den Projektträger verbunden.

Damit die kommunikative Hoheit beim Projektträger liegt, muss der Raum der Projektkommunikation mit Leben gefüllt werden. Wie genau, erklären die Experten für Projektkommunikation Dr. Andreas Bachmeier und Simon Peltzer in einem Webinar ab 18. Juni 2020 an vier Terminen. Anmeldung unter buergerdialog@engel-zimmermann.de.

Fallzahlen zur Ausbreitung des Coronavirur berichtet wie

Fallzahlen zur Ausbreitung des Coronavirus: Wer berichtet wie?

Die aktuellen Zahlen zu den Infektions- und Sterberaten stehen in der Medienberichterstattung über das Coronavirus neben politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen im Fokus des öffentlichen Interesses. Mehrere renommierte Institute veröffentlichen täglich aktuelle Fallzahlen. Neben dem Robert Koch Institut (RKI), der zentralen Einrichtung der deutschen Bundesregierung für Krankheitsüberwachung, aktualisieren auch die Gesundheitsministerien der Länder, die Landkreise, Städte und Gemeinden regelmäßig ihre Angaben zum Verlauf der Pandemie. Auf europäischer Ebene ist vor allem das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zu nennen. In Bezug auf die globale Situation gelten insbesondere die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die US-amerikanische Johns Hopkins University in Baltimore als renommierte Institutionen. Beide haben ein dynamisches Corona-Dashboard eingerichtet, in dem sowohl globale als auch länderspezifische Daten einsehbar sind.

Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass sich auch die Angaben der genannten Einrichtungen voneinander unterscheiden. Berichtete die Johns Hopkins University am 3. April gegen 14 Uhr für Deutschland beispielsweise von rund 85.000 Infektionen und 1.100 Todesfällen, waren zum gleichen Zeitpunkt beim Robert Koch Institut knapp 80.000 Infektionen und 1010 Todesfälle registriert. Die WHO wiederum nannte ca. 73.500 Infektionen und 872 Todesfälle, ebenso die ECDC. Angesichts dieser Abweichungen stellt sich damit unweigerlich die Frage: Wer hat recht?

Unterschiede bei Methodik und Zeitpunkt

Eindeutig beantworten lässt sich das nicht. Grundsätzlich gilt, dass alle Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus immer nur eine Momentaufnahme sind und meist schon kurze Zeit nach ihrer Veröffentlichung veralten. Oft sind die Angaben der Institutionen auch deshalb nur begrenzt miteinander vergleichbar, weil sie sich hinsichtlich Erhebungszeitpunkt, zugrundeliegender Methodik und Zählweise voneinander unterscheiden.

Als unabhängige Bundesoberbehörde erstellt das RKI seine Angaben gemäß dem Infektionsschutzgesetz. Dementsprechend werden nur Fälle veröffentlicht, die dem Institut von der jeweils zuständigen Landesbehörde auf elektronischem Wege gemeldet werden. Die Landesbehörde wiederum erstellt ihre Daten auf Basis der Meldungen, die ihr von den entsprechenden Gesundheitsämtern zugehen. Durch diese Übermittlungen entsteht bis zur Veröffentlichung eine Verzögerung von bis zu 24 Stunden. In der Statistik finden sich nur Infektionen wieder, die mittels einer labordiagnostischen Untersuchung oder in Krankenhäusern bestätigt wurden. Werden Personen nicht getestet, weil sie beispielsweise symptomfrei sind, können sie von der Auswertung nicht berücksichtigt werden. Die Zahlen des RKI fallen daher stets etwas niedriger aus als zum gleichen Zeitpunkt an anderer Stelle.

Warum sich Unternehmen auf eine Quelle für Fallzahlen verständigen sollten

Die Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus, die von den Landesgesundheitsbehörden oder regionalen Gesundheitsämtern selbst online veröffentlicht werden, sind dabei oft etwas aktueller als die des RKI, weil Sie unabhängig von der Meldekette an die Oberbehörde bereits kurzfristiger im Netz zur Verfügung gestellt werden. Sollten Sie exakte Informationen zum Pandemieverlauf in einem bestimmten Landkreis oder an einem bestimmten Ort benötigen, empfehlen wir Ihnen deshalb, sich immer auch bei der jeweils zuständigen lokalen Behörde zu informieren. Unternehmen, die sich im Corona-Krisenstab intensiv mit Fallzahlen auseinandersetzen, sollten sich zudem auf eine zentrale Quelle verständigen, von der sie ihre Daten beziehen. Auf diese Weise kommt es nicht zu Unstimmigkeiten und die Vergleichbarkeit der Zahlen bleibt auch über einen längeren Zeitraum gewährleistet.

Die Wissenschaftler der John Hopkins University, eine der renommiertesten Universitäten weltweit, nutzen – anders als das RKI –  eine eigens entwickelte Software, die die Corona-Fallzahlen mittels eines Algorithmus generiert. Dieser greift auf Daten der WHO, nationaler Gesundheitsbehörden, Medienberichten (aus Deutschland unter anderem von Zeit Online und dem Tagesspiegel)  und Social Media Postings zu und berechnet auf dieser Grundlage aktuelle globale Zahlen. Dabei fließen auch Werte aus dem bisherigen Pandemieverlauf in die Kalkulation ein. Die Zahlen fallen deshalb höher aus als beim RKI. Bei der ECDC und der WHO werten Teams von Experten täglich hunderte aktuelle Meldungen der nationalen Gesundheitsbehörden aus, die dann nach einem bestimmten Gewichtungssystem in die Gesamtauswertung einfließen. Hier beschränken sich die Angaben wie beim RKI auf die offiziell durch Tests bestätigten Fälle.

Quellenübersicht:

Dynamisches Dashboard der Johns Hopkins University: https://www.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Offizielle Zahlen des Robert Koch Institut für Deutschland (Aktualisierung erfolgt i.d.R. einmal täglich): https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

Dashboard der Weltgesundheitsorganisation (Aktualisierung erfolgt i.d.R. einmal täglich): https://covid19.who.int/

Zahlen oft nur Mindestwerte – Achten Sie auf seriöse Quellen

Dennoch bleibt festzuhalten, dass eine exakte Benennung der Infektionen und Todesfälle angesichts der weltweiten Tragweite der Pandemie und der sehr dynamisch sich entwickelnden Situation nicht mit letzter Gewissheit möglich ist. Die Zahlen können den Verlauf der Ausbreitung des Coronavirus nur näherungsweise beschreiben. Das liegt auch an der teils sehr unterschiedlichen Handhabung der Krise in den einzelnen Ländern. Während mancherorts inzwischen sehr umfangreich getestet wird, ist die Zahl der Virustests vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländer viel zu gering, sodass von gravierend hohen Dunkelziffern auszugehen ist. Hinzu kommt, dass auch die Zahl der von einer Infektion genesenen Patienten allenfalls eine Mindestangabe darstellt und in der Realität deutlich höher ausfallen dürfte. Anders als bei einer Infektion gibt es für den Fall der Heilung nämlich keine verpflichtende Meldekette.

Erfahren Sie hier, wie Engel & Zimmermann Sie in den Bereichen der Krisenprävention und Krisenkommunikation mit maßgeschneiderten Lösungen unterstützen kann:

https://engel-zimmermann.de/leistungen/krisenkommunikation/

Lebensmittelbranche im TV: Jeder zweite Beitrag ist kritisch

729 Fernsehbeiträge über die Lebensmittelbranche haben wir im vergangenen Jahr ausgewertet und bei vielen eine kritische Tendenz festgestellt. Beiträge wie „Gift im Essen“, „Gefährliche Keime im Obstsalat“ oder „Eingeschenkt und abkassiert“ belegen dies. Es sind nur drei Beispiele für die insgesamt 357 Beiträge, die von uns als negativ eingestuft wurden, weil der Titel oder der begleitende Ankündigungstest des Senders darauf schließen lassen. Anders ausgedrückt: Im Durchschnitt erschien fast an jedem Tag im Jahr ein Beitrag im Fernsehen, der sich auf negative Weise mit der Lebensmittelbranche beschäftigte.

Generelle Kritik an der Lebensmittelbranche / Obst & Gemüse baut Spitzenposition aus

Seit Jahren machen drei Branchen die Spitzenplätze im Branchenvergleich unter sich aus. Die Obst- und Gemüsebranche baute ihren 1. Platz gegenüber Fleisch und Getränken deutlich aus: In 125 Beiträgen ging es um Obst und/oder Gemüse, in 63 Beiträgen um Fleisch und Wurst, und 59 Beiträge handelten von Getränken.

Während sich die Obst- und Gemüsebranche jedoch darüber freuen kann, seltener kritisch behandelt zu werden, ist die mediale Auseinandersetzung mit der Fleischbranche wie schon in den Vorjahren viel kritischer: Deutlich mehr als die Hälfte der Beiträge ließ auf einen negativen Tenor schließen. Häufiger als zu Obst / Gemüse wurden lediglich Sendungen ausgestrahlt, die sich ganz allgemein mit der Nahrungsmittelbranche auseinandersetzten. Davon wurden überdurchschnittlich viele als kritisch eingestuft. Hier bestätigt sich die unterschwellige Generalkritik an der Branche, die mit Beiträgen wie „Mogelpackungen – die Tricks der Hersteller“ oder „Giftiges Aluminium im Essen“ häufig in ihrer Gesamtheit in einem negativen Licht dargestellt wird.

Nachhaltigkeit auf dem Vormarsch

Untersucht wurden von uns nicht nur die Branchen, sondern auch die Themen, um die es bei den TV-Beiträgen ging. Erstmals taucht im Ranking auch das Thema Umwelt & Nachhaltigkeit auf: 74 Beiträge beschäftigten sich zum Beispiel mit Lebensmittelverschwendung, hinzu kommen noch einmal 46 Beiträge zu Fragen der Tierhaltung, die ebenfalls den Aspekt der Nachhaltigkeit thematisieren. Hier zeigt sich: Die Gesellschaft und die Branche diskutieren Nachhaltigkeits- und Tierwohlaspekte sehr intensiv. Unsere Auswertung zeigt, dass diese Themen auch in den Fernsehprogrammen angekommen sind.

Ausblick

Wir gehen davon aus, dass sich der Trend zu einer überwiegend negativen Berichterstattung über die Lebensmittelbranche auch 2020 fortsetzt. Da Umwelt- und Nachhaltigkeitshemen wie Klimaschutz, Tierwohl oder Verpackungen weiter die gesellschaftliche Debatte bestimmten, werden sie auch von den TV-Sendern für eine kritische Auseinandersetzung mit der Lebensmittelbranche genutzt. Inwieweit die Coronakrise in Verbindung mit Lebensmitteln Einzug in die Berichterstattung im TV findet, ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht klar. Denkbar sind aber Beiträge über Hamsterkäufe, Lieferengpässe und boomende Lebensmittel in der Krise.

Ausführliche Informationen, mehr Zahlen zur Auswertung und Einblicke, welche Fernsehsender und Sendungen sich besonders häufig – und kritisch – mit Lebensmitteln beschäftigen, gibt es auf unserer Webseite hier: https://engel-zimmermann.de/tv-berichterstattung-2019/

Über das TV-Monitoring

Über das gesamte Jahr hinweg haben wir die im Fernsehen aus-gestrahlten Beiträge – Verbrauchermagazine, Reportagen, Talkshows, Dokumentationen und weitere Formate quer über alle Fernsehsender – rund um die Lebensmittelindustrie ausgewertet. Wiederholungen wurden nicht mitgezählt. Insgesamt flossen diesmal 729 TV-Beiträge in die Auswertung ein – Engel & Zimmermann erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ein besonderer Service ist unser wöchentlicher TV-Newsletter, in dem food-relevante Sendungen angekündigt werden. Dieser wird jeden Montag erstellt. Interessenten können sich über diesen kostenlosen TV-Newsletter unter c.wolfram@engel-zimmermann.de  informieren. Anmeldungen sind auch über die Webseite engel-zimmermann.de/tv-newsletter möglich.

Nach der Wahl ist jetzt! Politische Kommunikation auf kommunaler Ebene

Nach der Wahl ist jetzt! Politische Kommunikation auf kommunaler Ebene

Am 15. und 29. März 2020 fanden in Bayern die Kommunalwahlen statt. In 71 Landkreisen und 2056 Städten, Märkten und Gemeinden wurden die Kreistage, Stadt-, Markt- und Gemeinderäte für sechs Jahre neu gewählt. Dabei kamen vor zehn Jahren nach Schätzungen der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl etwa ein Drittel der Gemeinderatsmitglieder neu in ihr Amt. Der Anteil der Neulinge dürfte bei den letzten Wahlen stets gestiegen sein. Als Hauptgrund wird dafür die größere Mobilität der Menschen angesehen.

Kommunalwahl als Chance für die Projektkommunikation begreifen

Für Unternehmen, die in einer Gemeinde tätig werden möchten, ist die höhere Fluktuation in den kommunalen Gremien sowohl Chance als auch Schwierigkeit zugleich. Wurde in der Vergangenheit viel Zeit und Mühe aufgewendet, um die lokalen Entscheidungsträger über das eigene Projekt zu informieren und von der Sinnhaftigkeit des Vorhabens zu überzeugen, kann diese geleistete Arbeit durch die Kommunalwahl zum Teil hinfällig werden, wenn starke Befürworter aus dem Gemeinderat ausscheiden. Gleichwohl ist es aber auch möglich, die Neukonstitution des Gremiums als Chance zu begreifen, wenn bislang Widerstände gegenüber dem Projekt vorherrschten. Gerade Neulinge in der Kommunalpolitik sind zu Beginn meist unvoreingenommen und bewerten nach aktuellen Begebenheiten ohne vergangene, scheinbar vergleichbare Situationen als Argument anzuführen, um ein Vorhaben zu verhindern.

Mit Politikbrief und Infomails Kontakte knüpfen und halten

Was ist also nun direkt nach der Kommunalwahl zu tun, um einen erfolgreichen Stakeholderdialog in die Wege zu leiten? Ein Glückwunschschreiben an alle gewählten Personen ist eine schöne Geste. Dieses muss bis zur konstituierenden Sitzung im Mai an die Gewählten gegangen sein. Dabei sollte das Vorhaben kurz angerissen und auf stete Gesprächsbereitschaft hingewiesen werden. Politikbriefe, die das Projekt detailliert darstellen und auch kritische Themen aufnehmen, sind zu empfehlen, um die Kommunalpolitiker mit Argumenten für das Vorhaben auszustatten. Dieses Dokument fungiert meist sogar als Nachschlagewerk. Es hat damit einen langfristigen Nutzen. Kommunalpolitiker werden damit nicht nur zu überzeugten Entscheidungsträgern, sondern auch zu wichtigen und einflussreichen Multiplikatoren, denen von Bürgern Gehör geschenkt wird. Weniger aufwändig als ein Politikbrief sind regelmäßige Infomails. Auch wenn es nichts Neues zum Projektfortschritt mitzuteilen gibt, empfiehlt sich einen Anlass zu schaffen, um den Kontakt zu den Entscheidungsträgern aufrechtzuerhalten. Es soll auf keinen Fall der Eindruck entstehen, man komme erst, wenn es unerlässlich ist. Zustimmungen zu Veränderungen in Kommunen benötigen Zeit. Entschlüsse müssen erst reifen. Daher ist ein regelmäßiger Newsletter ein ideales Kommunikationsmittel.

Der Stakeholderdialog ist essentiell für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten. Idealerweise ist dieser langfristig angelegt. Da allerdings die wenigsten Vorhaben länger als mehrere Wahlperioden andauern, ist der Kontakt zu den Entscheidungsträgern meistens neu zu entwickeln. Die Neukonstituierung der Gremien nach der Kommunalwahl bieten hier einen idealen Start.

Corona-Virus Herausforderungen für die Krisenkommunikation der Politik

Corona-Virus: Herausforderungen für die Krisenkommunikation der Politik

„Nous sommes en guerre“, proklamiert der französische Präsident Emmanuel Macron, wenn er über das Corona-Virus, den „l’ennemi“, spricht. Ganz ähnlich die Wortwahl des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump: „our big war“. Kommunikativ betrachtet ist der Zweck dieser militärischen Sprache klar. Es geht darum, die eigene Bevölkerung auf harte Zeiten vorzubereiten, den Korpsgeist zu stärken und Entschlossenheit zu demonstrieren. Und die Krisenkommunikation der deutschen Bundesregierung? Sie wählt gänzlich andere Worte. Deutlich gezeigt hat sich dies in der abendlichen TV-Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel. In ihrer Krisenkommunikation verzichtet sie auf eine vergleichbare martialische Wortwahl und beschränkt sich auf eindringliche Appelle: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Dass es ernst ist, hat sich nicht zuletzt in der Tatsache der Abendansprache an sich ausgedrückt, denn es war ihre erste in der mittlerweile bereits 15 Jahre andauernden Kanzlerschaft. Erfolgreich war die kommunikative Strategie insofern, weil die bundesweiten Ausgangsbeschränkungen, die mit diesem TV-Auftritt inhaltlich vorbereitet wurden, auf sehr große Akzeptanz stoßen. Im Fall einer weiteren Eskalation der Pandemie wird sich die Bundesregierung wahrscheinlich mit einer TV-Ansprache des Bundespräsidenten an die Bevölkerung wenden, aber auch er würde den rhetorischen eingeschlagenen Kurs nicht verlassen.

Mortalitätsrate als kommunikative Herausforderung

Es gibt in der Corona-Krise allerdings einen weiteren Aspekt, in dem sich Deutschland stark von anderen Ländern unterscheidet. Die Mortalitätsrate ist mit 0,5 Prozent (Stand: 26. März 2020) deutlich niedriger als in den europäischen Nachbarländern, insbesondere im Vergleich zu Italien und Spanien. Über die Gründe wird viel spekuliert. Die Erklärungsansätze reichen von der Qualität des Gesundheitssystems, der in Deutschland geringeren Dunkelziffer infizierter Personen bis hin zur Theorie, dass im Vergleich weniger Risikopatienten bisher betroffen sind. Für die politische Krisenkommunikation erwächst daraus allerdings ein gewaltiges Problem: Die Akzeptanz der freiheitsbeschränkenden Maßnahmen wird schnell schwinden, weil das Risikobewusstsein kaum über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten kann, wenn die Sterberate langfristig unter 1 Prozent gehalten werden kann.

Flächendeckende Aufklärungskampagne erforderlich

Hinzu kommt, dass sich das Narrativ, vom Corona-Virus hätten nur Risikopatienten etwas zu befürchten, durchgesetzt hat. Die politischen Akteure versuchen derzeit im Rahmen der Krisenkommunikation dagegen zusteuern und beteuern, dass auch Jüngeren und Gesunden durch den Corona-Virus ernsthafte Komplikationen drohen könnten. Doch die Einschätzung von Corona als in der Regel mit einer Erkältung vergleichbaren Erkrankung hat sich zunächst einmal in den Köpfen weiter Teile der Bevölkerung fest verankert. Dieses Mindset zu brechen ist kommunikativ anspruchsvoll. Der Politik ist anzuraten, möglichst schnell mit einer groß angelegten Aufklärungs- und Informationskampagne das überkommene Narrativ aufzulösen.

Mehr als Lifestyle: Marken auf Social Media in Zeiten von Corona

Mehr als Lifestyle: Marken auf Social Media in Zeiten von Corona

Überprüfen Sie jetzt in der Corona-Krise wie Sie mit Ihren Marken auf Social Media kommunizieren. Klingt abwegig? Ist es nicht! Die meisten Unternehmen sind längst auf einen Infektionsfall im Betrieb vorbereitet und haben intern auf verschärfte Hygieneregeln hingewiesen, ein Corona-Monitoring ist eingerichtet. In diesem Zusammenhang lohnt es sich, die Redaktionspläne für Social Media zu evaluieren. Denn egal ob auf Facebook, Instagram, xing und Linked In – die Inhalte für Postings in den Sozialen Netzwerken stehen üblicherweise schon mehrere Monate im Voraus fest. Oft werden die Kanäle nicht von der Kommunikationsabteilung selbst, sondern von der internen Marketingabteilung oder externen Agenturen betreut. Damit sind sie häufig vom Krisenstab abgekoppelt – und der dreht sich schon seit Wochen nur noch um ein Thema: Corona.

Ausflugstipps ad acta legen

Marken, die jetzt anlässlich des Frühlingsanfangs zum Genießen der ersten Sonnenstrahlen im Park, einem Osterfest im Kreis der Familie oder einem geselligen Abend mit Freunden aufrufen, werden nicht selten mit einem Shitstorm abgestraft. So geschehen an einem der letzten Wochenenden bei einem deutschen Süßwarenhersteller: Passend zum Start der österreichischen Ausgangssperren, repostete er auf seinem Instagram-Account ein Produktfoto vor Alpenpanorama. Der Aufruf dazu lautete: „Ab geht’s in die Berge!“. Der Aufschrei der Follower war groß, der Beitrag ist mittlerweile wieder gelöscht. Auch, sich öffentlichkeitswirksam über die Krise zu belustigen, kommt nicht gut an: Das hat dieses Mal auch Marketing-Rebell True Fruits verstanden und verhält sich ruhig.

Geht gut: sich von gesellschaftlichen Werten leiten lassen

Also alle bisher geplanten Beiträge streichen, den Kopf in den Sand stecken und gar nichts mehr kommunizieren? Nein, denn für die meisten Beiträge kann im Einzelfall entschieden werden, ob sie noch sinnvoll sind. Zusätzlich zeigt sich in der aktuellen Corona-Krise besonders, dass Marken- und Produktkommunikation auch abseits von Lifestyle-Themen auf Social Media funktionieren. Der besonders stark betroffene Lebensmitteleinzelhandel macht es vor: So beantwortet dm-Geschäftsführer Christoph Werner im Instagram-Interview drängende Fragen der Kunden. Auch unter #füreinander gibt es Tipps für das richtige Verhalten im Markt. Lidl ruft unter #superhelden zu einem Malwettbewerb für Kinder auf. Sie können sich auf diesem Wege bei ihren Helden des Corona-Alltags bedanken. Und ganz unabhängig von der eigenen Marke beweist Mercedes, wozu eine Social Media-Reichweite von insgesamt 50 Millionen Followern in Corona-Zeiten genutzt werden kann: Ratschläge zum Thema Hygiene, Tipps für verantwortungsvolles Verhalten mit Risikogruppen und Reposts von Gesundheitsorganisationen.

Es gilt: sich nicht als Profiteur der Krise feiern, sondern Solidarität mit Betroffenen zeigen. Denn in einer Krise wie dieser kommt es mehr denn je auf gesellschaftliche Werte wie Solidarität, Gemeinschaft und Zusammenhalt an. Das können Unternehmen und Marken auch in Zeiten von Corona über ihre Social-Media Kanäle zeigen.

Krisenprävention und -kommunikation in der Corona-Krise

Von einzelnen Infektionsherden zur globalen Pandemie: Krisenprävention und -kommunikation in der Corona-Krise

Seit Ende Februar die Zahl der Corona-Infektionen in Norditalien nach oben geschnellt ist, verbreitet sich das Virus rasend schnell in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt außerhalb Asiens. In den ersten Tagen war die Sorge der Unternehmen insbesondere, dass der eigene Betrieb im Zusammenhang mit Corona-positiven Mitarbeitern genannt wird und das Renommee der Marke leiden könnte. Aber der Schwerpunkt der Krisenprävention und -kommunikation verlagert sich zusehendes. Denn je mehr die Zahl der Infizierten zunimmt – und davon ist derzeit auszugehen-, desto weniger werden noch einzelne Unternehmen im Fokus stehen.

Was bedeutet das für die Krisenkommunikation?

  1. In der externen Kommunikation geht es vor allem darum keine Fehler zu machen, Empathie und Dialogbereitschaft zu demonstrieren, aber auch glaubhaft mit Maßnahmen zu untermauern, dass die Gesundheit der Mitarbeiter wirklich hohe Priorität genießt. Solange die Entscheidungsträger den Empfehlungen der Behörden Folge leisten, sind sie auch kommunikativ auf der sicheren Seite.
  2. Hochsensibel ist die interne Kommunikation in diesen Tagen. Die Nervosität der Menschen wird weiter steigen und entsprechend wichtig ist es, dass Rundmails, Aushänge und Intranet-Beiträge die eigenen Mitarbeiter erreichen und beruhigen. Wie groß die Angst ist zeigen Beispiele aus den vergangenen Tagen. Es gibt Unternehmen, in denen Desinfektionsmittel gestohlen oder Kollegen stigmatisiert werden, die mit Schnupfen in die Arbeit kommen. Mehr denn je ist es daher wichtig Zeit und Sorgfalt auf die interne Kommunikation zu legen. Unternehmen müssen das Gefühl vermitteln, die Dinge im Griff zu haben, ohne zu verharmlosen, und sich ernsthaft den Sorgen ihrer Mitarbeiter annehmen.
  3. Neben der kommunikativen Dimension stehen gerade produzierende Unternehmen vor einer weiteren Herausforderung: Lässt sich die Lieferfähigkeit auch dann noch sicherstellen, wenn sich die Lage weiter zuspitzt? Wenn die Handelspartner anfragen gilt es auch hier umfassend darzulegen, was im Sinne des Infektionsschutzes und der Krisenprävention alles getan wird.

Tägliche Neubewertung der Maßnahmen

Die Verbreitung des Coronavirus stellt die gesamte Welt vor komplett neue Herausforderungen. Für die Pandemie gibt es kaum Blaupausen und Checklisten, die in der Krisenkommunikation nach Schema F abgearbeitet werden müssen. Umso wichtiger ist es intelligent und situativ zu handeln und jeden Tag die eigene Kommunikationsstrategie und Maßnahmenplanung neu zu bewerten.

Da sich die Nachrichtenlage zur Ausbreitung von Covid-19 permanent ändert, bietet Engel & Zimmermann zur Unterstützung Ihres Krisenstabs ab sofort ein tägliches Sonder-Monitoring zu den Entwicklungen rund um das Coronavirus in der Welt, Europa, Deutschland und dem jeweiligen Bundesland an. Hierin fassen wir die wichtigsten Informationen aus anerkannten Quellen zusammen – von der internationalen über die nationale bis zur regionalen Ebene.

Bei Interesse bzw. Fragen dazu, können Sie jederzeit Frank Schroedter (f.schroedter@engel-zimmermann.de) ansprechen.