Neues Workshop-Format zur strategischen Krisen-Evaluation

Aus Fehlern lernen oder „Nach der Krise ist vor der Krise“: Neues Workshop-Format zur strategischen Krisen-Evaluation

Das Paradox der Krisen-Nachbereitung: Entscheidend und doch vernachlässigt

Die Krisen-Nachbereitung gehört zu den wichtigsten Tools der strategischen Krisenkommunikation. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie des Crisis Communications Network Europe (CCNE): Knapp 85 Prozent der befragten Berater und Beraterinnen aus den neun Mitgliedsländern des Netzwerks halten die nachträgliche Aufarbeitung von Krisen für wichtig oder sogar sehr wichtig. Gleichzeitig nehmen allerdings nur etwa die Hälfte aller Unternehmen Maßnahmen zur kommunikativen Nachbereitung überhaupt in Anspruch. Obwohl die Evaluation ein klassischer Prozessschritt des strategischen (Krisen-) Managements ist, wird sie doch häufig aufgeschoben, verdrängt und schlussendlich komplett vernachlässigt.

Warum eine Aufarbeitung der Krisenkommunikation sich trotzdem lohnt

Was sind die Gründe für das geringe Interesse an der Nachbereitung? Zum einen ist es unangenehm, sich nach einer akuten und teilweise auch schmerzhaften Krisenphase wieder mit den Themen zu beschäftigen. Besonders schwere Krisen, die der Reputation des Unternehmens langfristig schaden, hinterlassen im kollektiven Unternehmensgedächtnis ein Trauma und nehmen auch die Mitarbeiter emotional mit. Nichts ist hier verständlicher als der Wunsch, Gras über die Sachen wachsen lassen zu wollen. Auch die Beidhändigkeit zwischen Tagesgeschäft und internen Themen erschwert die Krisen-Evaluation – ziehen letztere zugunsten von Umsatzzielen und Effizienz doch zu oft den Kürzeren.

Nichtsdestotrotz ist „wenn mal Zeit ist“ nicht rechtzeitig genug, um sich mit er vergangenen Krise zu beschäftigen – denn sie ist im Grunde wie lästige Rückenschmerzen. Man kann sie ignorieren und damit eine Weile den Alltag bewältigen, aber wenn die Muskulatur nicht stabilisiert wird, werden sie immer stärker und es droht die nächste Krise, in diesem Fall z. B. ein Bandscheibenvorfall. Hinzu kommt, dass die viele Krisen nicht ausschließlich exogene Ursachen haben: Krisen entstehen im Unternehmen, weil z.B. Kontrollmechanismen versagt haben, und sie werden vor allem durch das Handeln des Unternehmens zum Guten oder Schlechten beeinflusst. Deswegen müssen Ursachen behoben und die Prozesse in Sondersituationen optimiert werden

Krisen-Evaluation nach innen und außen: Prozesse schärfen und Vertrauen zurückgewinnen

Um das zu verhindern wirkt die strategische Krisen-Nachbereitung von Engel & Zimmermann in zwei Richtungen: nach innen und nach außen. Auf Basis eines ausführlichen Medienmonitorings, mittels anschließender Analyse und im gemeinsamen Gespräch mit Ihnen finden wir heraus, ob und wie ihre Botschaften in der vergangenen Krise verfangen sind. In Hinblick auf Ihre internen Prozesse führen wir Gespräche mit allen beteiligten Abteilungen im Krisenprozess und identifizieren so Schwachstellen, aber auch gelungenes Vorgehen. Auf Wunsch können auch externe Akteure, wie IT-Dienstleister oder Anwaltskanzleien, einbezogen werden. Auf Basis dieser Gespräche und Ihrer Unterlagen geben wir Ihnen in einem gemeinsamen Abschlusstermin einen Überblick zum Status Quo und entwickeln Verbesserungsmaßnahmen.

Gemeinsam mit Ihnen und Ihrem Team legen wir den Finger in die Wunde, schauen dorthin, wo es wehtut – und gehen dabei doch behutsam vor. In über 40 Jahren Erfahrung in der Krisenkommunikation haben wir bei Engel & Zimmermann gelernt: Die nächste Krise kommt meist schneller als gedacht. Auf diese möchten wir Sie bestmöglich vorbereiten und dafür sorgen, dass Sie nicht in alte Muster zurückfallen. Denn nach der Krise ist bekanntlich vor der Krise. Sprechen Sie uns an!

Expertenbefragung zu internationaler Krisenkommunikation

Expertenbefragung zu internationaler Krisenkommunikation: Grenzübergreifende Kommunikationskrisen von Unternehmen in Europa kaum trainiert

Insbesondere Themen aus dem Gesundheitswesen und dem Finanzsektor werden für die internationale Krisenkommunikation in den nächsten fünf Jahren deutlich relevanter. Dies ergibt eine Experten-Befragung des Crisis Communications Network Europe (CCNE), an der sich fünfzehn Krisenberater aus allen neun CNNE-Mitgliedsländern im Juli 2020 beteiligt haben. Rund drei Viertel attestieren dem Gesundheitswesen das größte Krisenpotential mit Blick auf die kommenden Jahre, gefolgt vom Finanzwesen. Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass in nahezu allen Ländern die Frage nach der Qualität des Gesundheitswesens neu gestellt wurde und Defizite offengelegt wurden – von der Finanzierung von Krankenhäusern und der Behandlungsqualität bis hin zur Bevorratung von Medikamenten. Die öffentliche Aufmerksamkeit wird noch lange Zeit auf allen Akteuren im Healthcare-Bereich liegen. Damit geht in der Regel auch eine besondere Krisenanfälligkeit einher. Auf dem dritten Platz liegen die Lebensmittelwirtschaft und die Agrarindustrie.

Stark steigende Bedeutung von Mitarbeitern für Krisenverläufe erwartet

Gefragt nach den Akteuren, die Krisendynamiken in den kommenden Jahren beeinflussen, gehen knapp drei Viertel der Berater davon aus, dass der Einfluss einzelner Mitarbeiter steigen wird. Während auch einzelne Verbraucher für Krisendynamiken laut dieser Erhebung noch relevanter werden, erwarten die CCNE-Mitglieder nicht, dass der Einfluss von NGOs sich signifikant abschwächen oder steigen wird. Als wichtigsten Grund für diese hohen Werte sehen die Berater, dass die Digitalisierung nicht nur jeden Einzelnen zum potenziellen Multiplikator macht, sondern sich der Einzelne seiner Bedeutung in der Krise auch zunehmend bewusst wird. Hinzu kommt, dass Fake News Kampagnen in naher Zukunft nicht nur politisch sein werden, sondern sich gezielt gegen Unternehmen richten. Einzelne können also Krisen auslösen, ohne dass überhaupt ein konkretes Ereignis oder ein echtes Fehlverhalten eines Unternehmens vorliegt. Dies geht in einer stark fragmentierten Gesellschaft, wie sie derzeit in allen europäischen Ländern anzutreffen ist, besonders leicht. Einig sind sich die CCNE-Mitglieder auch in der Einschätzung, dass die interne Kommunikation in der Krise zu wenig Beachtung erfährt und unbedingt höchste Priorität erhalten muss.

Issue-Monitoring und Krisenevaluation meist genutzte Präventionsinstrumente für Kommunikationskrisen in Europa

Obwohl unbestritten ist, dass die Digitalisierung weiter auf dem Vormarsch ist, haben viele der beratenen Unternehmen im Krisenmanagement noch nicht die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen. Mehr als die Hälfte der beratenen Unternehmen nutzen keine digitale Krisen-App, sondern vertrauen auf das klassische Krisenhandbuch. Über dieses verfügt jedes zwei Unternehmen, ähnlich verhält es sich mit dem Issue-Monitoring.

Verbesserungsbedarf legt die Umfrage in der Vorbereitung auf internationale Krisen offen. Lediglich ein Fünftel der Befragten gab an, dass die von ihnen beratenen Unternehmen bereits für grenzüberschreitende Krisen ausreichend vorbereitet sind. Die Bereitschaft, solche Szenarien zu trainieren und Präventionsprozesse aufzusetzen, ist bei den Unternehmen geringer ausgeprägt es als nötig wäre.

Die größte Herausforderung in grenzüberschreitenden Krisen sind kulturelle sowie rechtliche Unterschiede und Sprachbarrieren. Im Netzwerk beobachten wir immer wieder, dass in jedem Land unterschiedliche Branchen besonders krisenanfällig sind. Beispielsweise wird die Lebensmittelwirtschaft in Großbritannien und den Niederlanden lange nicht so kritisch begleitet, wie es in Deutschland der Fall ist“, sagt Dr. Matthias Glötzner (Leiter Beratung). „Und genau hier – am Bewusstsein, dass es kulturelle und mediale Unterschiede gibt – setzt das CCNE an. Durch das Netzwerk können wir insbesondere Sprach- und Kulturbarrieren umgehen und über Partner besser als je zuvor komplexe internationale Krisenmandate abdecken.

Über die Umfrage:

Im Rahmen einer Online-Umfrage wurden die Beratungen aller neun Mitgliedsländer zur Krisenkommunikation befragt. Sie repräsentieren rund 500 Beratungskunden. Insgesamt 15 Experten für Krisenkommunikation haben sich an der Erhebung beteiligt. Die Umfragen fand im Zeitraum 17. Juni bis 06. Juli 2020 statt.

Cyberkrisen als Gefahr für die Lebensmittelindustrie

Cyberkrisen in der Lebensmittelindustrie: Wie Sie dem Reputationsrisiko vorbeugen

Cyberkrisen sind eine wachsende Bedrohung für kleine und mittelständische Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Eines der Risiken sind Hackerangriffe, wie kürzlich auf den Nachrichtendienst Twitter. Bei den massiven Angriffen auf Accounts von Elon Musk, Barack Obama und Bill Gates warben Unbekannte für einen Bitcoin-Betrug – und sorgten so für einen Schaden von über 100.000 US-Dollar. Aber nicht nur Weltkonzerne aus dem Silicon Valley sind Cyberrisiken ausgesetzt.

Cyberkriminalität – ein wachsendes Problem der Lebensmittelbranche

Wie stark gerade die Lebensmittelindustrie von Cyberkriminalität betroffen ist, zeigt eine Umfrage des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Fast jedes vierte Unternehmen aus der Branche war bereits Opfer erfolgreicher Cyberattacken, sechs Prozent waren sogar mehrfach betroffen. Die Gefahr der Angriffe ist also real, die Auswirkungen können dramatisch sein. Und doch halten viele mittelständige Lebensmittelhersteller das Risiko in ihrer Branche für gering – und in ihrem eigenen Unternehmen sowieso. Weil Betriebe die Bedrohung so stark unterschätzen, sehen sie auch nicht, dass sie auf das erhebliche Schadenspotential nicht ausreichend vorbereitet sind: Drei von vier Unternehmen weisen laut GDV-Umfrage akute Sicherheitslücken auf. Und dass, obwohl die größtenteils digitalisierte Lebensmittelwirtschaft stark von ihrer funktionierenden IT abhängig ist: Fiele diese Technik mehrere Tage lang aus, könnten zwei von drei befragten Unternehmen kaum noch arbeiten.

Krisenprävention: Vorbereitung ist alles, auch auf Cyberrisiken

Neben der richtigen Sicherheitsinfrastruktur ist die kommunikative Krisenprävention essenziell. Denn wenn Hackerangriff & Co. zu Datendiebstählen führen, beschädigt das häufig auch die Reputation. Im Vorfeld muss außerdem klar sein, welche Abläufe im Fall einer Cyberkrise greifen: Wer nimmt welche Rolle im Krisenstab ein? Wer spricht mit den Medien? Gibt es ein Krisen-Protokoll? Ein Krisen-Check-Up überprüft den Status-Quo und identifiziert Risikopotentiale. Eine Krisensimulation erlaubt es, den Hackerangriff oder das Datenleck zu proben und Schwachstellen in der kommunikativen Infrastruktur aufzudecken. Sprachregelungen und Pressemitteilungen sorgen dafür, dass im Ernstfall mehr Zeit für andere Dinge bleibt.

In der Cyberkrise Vertrauen wiederherstellen

Kommt es dann tatsächlich zu einer Krise, zum Beispiel in Form eines Datenlecks, müssen Unternehmen das Vertrauen der Öffentlichkeit aufrechterhalten. Nichts ist fataler als der Eindruck, mit den Daten der Kunden sei unsensibel umgegangen worden. Dies sollte auch in entsprechenden Statements thematisiert werden. An erster Stelle steht allerdings die Ursachenforschung: Wie ist das Datenleck entstanden? Steckt ein Erpressungsversuch dahinter? Wie lange sind die Daten bereits zugänglich? Antworten auf diese Fragen erwarten neben den Kunden und Verbrauchern auch Journalisten. Sobald diese Informationen vorliegen, ist eine offene und transparente Kommunikationsstrategie empfehlenswert. Denn auch das erzeugt ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen, ganz nach dem Motto „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“.

Corona Krisenkommunikation und -prävention

Sechs Monate Corona-Virus: Warum Krisenkommunikation und -prävention zu Covid-19 noch immer wichtig ist

Das Auftreten des Corona-Virus hat viele Unternehmen vor die Herausforderung gestellt, aktive Krisenkommunikation zu betreiben. Covid-19 traf alle Wirtschaftsbereiche, die politische Ebene sowie Kommunen und Kreise mit voller Wucht. Viele unvorbereitet. In kaum einem Krisen-Handbuch und erst recht in keiner Krisensimulation war dieses Szenario vorgesehen. Auf die vergangenen sechs Monate zurückblickend, lassen sich vier Phasen ausmachen, die viel darüber verraten, wie sich Unternehmen im Sinne der Krisenkommunikation vorbereiten können.

Phase 1 – Corona als lokales Problem

Am 27. Januar 2020 meldete das bayerische Gesundheitsministerium spätabends den ersten Coronavirus-Fall Deutschlands: Ein Mann aus Bayern hat sich mit dem neuartigen Erreger angesteckt. Der Automobilzulieferer Webasto geriet durch diesen Fall weltweit in die Schlagzeilen.

In der ersten Phase war Corona ein lokales Problem eines Unternehmens, das die Unternehmen bundesweit noch nicht geängstigt oder die Krisenstäbe mobilisiert hatte. Nur das Krisenmanagement von Webasto stand weltweit unter Beobachtung und es war klar, dass jeder kommunikative Fehler massive Reputationsschäden hätte nach sich ziehen können – diese Aufgabe hat das Unternehmen mit Bravour gemeistert. Unternehmen, die im Sommer mit erhöhten Corona-Fallzahlen zu kämpfen hatten (z.B. Fleischwirtschaft) haben klug daran getan, diese erste Phase zu reflektieren, denn die kommunikative Krisendynamik war in dieser Zeit bereits angelegt: die Rolle der Mitarbeiter als Multiplikatoren, die Ängste des lokalen Handels und der Bevölkerung, aber auch die Notwendigkeit in den Dialog mit allen politischen Akteuren (bis hin zur lokalen Ebene) zu führen.

Phase 2 – Die große Ungewissheit

Im Zeitraum Februar bis Mitte März vermutete das Robert Koch Institut keine Viruszirkulation in Deutschland, aber die Angst, dass es in das Land getragen werden könnte, beherrschte den öffentlichen Diskurs. Großveranstaltungen wurden in dieser Zeit noch durchgeführt, aber die von Engel & Zimmermann betreuten Messeveranstalter gerieten bereits massiv unter Druck.

Als Ende Februar die Fallzahlen in Italien explodierten, war es nur logisch anzunehmen, dass auch Deutschland bald stärker betroffen sein würde. Viele Unternehmen haben sich bereits zu diesem Zeitpunkt kommunikativ und prozedural auf das Coronavirus aufgestellt. In dieser Phase der noch überschaubaren Fallzahlen wurde jedes Unternehmen in den Medien genannt, selbst wenn es nur eine Handvoll Fallzahlen zu verzeichnen hatte.

Phase 3 – Der Lockdown

Mit dem Lockdown standen die Unternehmen vor neuen Fragen: Wie erreiche ich alle Mitarbeiter, wenn ein Großteil über Wochen von zuhause arbeiten wird? Kann ich meinen Lieferverpflichtungen noch nachkommen, wenn Produktionsmitarbeiter infiziert sind? Im Frühjahr 2020 haben viele Unternehmen erkannt, wie wichtig interne Kommunikation ist, um den Betriebsfrieden zu gewährleisten und einen Reputationsschaden nach außen vorzubeugen. Denn Unternehmen durften auf keinen Fall in Verdacht geraten, ihrer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nicht ausreichend nachzukommen. In dieser Phase kam ein weiterer Aspekt hinzu: Kurzarbeit oder die Notwendigkeit Staatshilfen zu beantragen mussten überdies kommuniziert werden.

Phase 4 – Das Infektionsgeschehen unter Kontrolle

Sobald sich gezeigt hatte, dass das Infektionsgeschehen unter Kontrolle ist, diskutierte die Gesellschaft intensiv über Lockerung. Uneinigkeit zwischen Bund und Ländern wurde offenbar. Regionale Lockdowns – z.B. in Nordrhein-Westfalen durch die Corona-Fälle bei Tönnies verursacht – sollen in Zukunft ausreichen, um die Situation im Griff zu behalten. In dieser vierten Phase befinden wir uns noch immer. Was bedeutet dies für Unternehmen?

Jeder Betrieb muss mit dem Risiko leben, dass entweder er selbst hohe Infektionszahlen im Betrieb aufweist oder ein anderes Unternehmen im selben Landkreis einen regionalen Lockdown verursacht, der die eigene Geschäftstätigkeit massiv beeinträchtigt. Kommunikativ kann man sich auf diese Situation allerdings vorbereiten:

  • Pflegen Sie den Dialog mit den zuständigen Behörden sowie politischen Akteuren. Kooperation und ein gutes Vertrauensverhältnis sind im Ernstfall wichtig. Externe sollten im Ernstfall bereits sein, die gute Zusammenarbeit zu bestätigen („Dort scheint das Krisenmanagement besser zu funktionieren.“)
  • Sensibilisieren Sie Ihrer Mitarbeiter weiterhin für Vorsorge- und Hygienemaßnahmen. Erinnern Sie an ein achtsames Verhalten auch bei der Urlaubsplanung – zu ihrem Schutz und dem ihrer Familie sowie Kollegen.
  • Achten Sie darauf, alle Mitarbeiter zu erreichen – Beschäftigte im Homeoffice und in der Produktion gleichermaßen. Digitalisieren Sie Ihre interne Kommunikation!
  • Sprechen Sie mit regionalen Medien über die Infektionsschutz-Maßnahmen, die sie ergriffen haben, wenn sie angefragt werden. Legen Sie präzise dar, wie sie Infektionsschutz im Betrieb sicherstellen.
  • Implementieren Sie ein engmaschiges Monitoring, um über Infektionsherde in der Region schnell Kenntnis zu erlangen

Auch intensive Schutzmaßnahmen können nicht verhindern, dass Corona einen Betrieb ins Kreuzfeuer rückt. Eine Planung für den Ernstfall ist daher unerlässlich. Wer spricht mit welchen Stakeholdern? Weiß jeder im Krisenstab was er zu tun hat? Insbesondere Hochrisiko-Unternehmen (z.B. wenn Mitarbeiter in gekühlter Umgebung arbeiten) sollten über eine entsprechende Krisen-Simulation nachdenken. Denn nur mit ausreichender Prävention und einem tiefen Gespür für Krisendynamiken lassen sich im Ernstfall die richtigen Entscheidungen treffen. Und klar ist auch: Derzeit spricht nichts dafür, dass Corona in den nächsten Wochen und Monaten kein Krisenthema mehr sein wird.

Wirecard: Warum Krisenkommunikation über ein mittelmäßiges Videostatement zu wenig ist

Wirecard: Warum Krisenkommunikation über ein mittelmäßiges Videostatement zu wenig ist

Wenn 1,9 Milliarden Euro fehlen ist Krisenkommunikation zur Schadensbegrenzung unumgänglich – eine Erfahrung, die die Wirecard AG in diesen Tagen macht. Die gigantische Summe hätte eigentlich auf Treuhandkonten des Konzerns liegen sollen. Dass die Gelder wirklich existieren, konnte das Unternehmen den Wirtschaftsprüfern von Ernst & Young nicht nachweisen. Die Folgen sind in der Presse intensiv diskutiert worden und hinlänglich bekannt: EY verweigerte das Testat für den Jahresabschluss, woraufhin der Börsenkurs katastrophal einbrach. Die Zukunft des Unternehmens ist sehr ungewiss.

Wenn ein Viertel der Konzernbilanzsumme sich als nicht existent herausstellt, ist das für jedes Unternehmen eine Situation, die den Fortbestand des Betriebs ins Wanken bringt. Aus Sicht der Krisenkommunikation musste Wirecard sich nach dem verweigerten Testat auf ein vorrangiges Ziel konzentrieren: das Vertrauen der Anleger, Investoren, Geschäftsinhaber und Banken soweit wie möglich erhalten.

Videostatement soll Geschlossenheit demonstrieren

Reagiert hat Wirecard unter anderem mit einer Video-Stellungnahme, in der die zentrale Rolle der mittlerweile zurückgetretene Vorstand Markus Braun ausfüllt. Grundsätzlich ist das Instrument der Video-Stellungnahme durchaus zu empfehlen und hilft Vertrauen wiederaufzubauen, doch so wie es Wirecard gehalten hat, konnte diese Maßnahme nur wirkungslos verpuffen. Aus dem Blickwinkel der Krisenkommunikation fallen vor allem die folgenden Aspekte auf:

  • Inhaltlich trifft Markus Braun keine relevanten Aussagen, die über das bisher Presseöffentliche hinausgehen. Er fasst lediglich den bekannten Sachstand zusammen, ohne eine Perspektive aufzuzeigen. Was ebenfalls fehlt: Die Bitte um Entschuldigung für das eigene Versagen. Schließlich haben hunderte Kleinanleger in diesen Tagen sehr viel Geld verloren.
  • Dass der Gesamtvorstand in dieser Situation im Video zu sehen ist, war eine sicherlich bewusste Entscheidung, um Geschlossenheit zu demonstrieren. Allerdings sind die Personen unglücklich hinter dem Tresen platziert und wirken neben dem CEO wie unbeholfene Statisten.
  • Die Körpersprache von Markus Braun überzeugt nicht. Der Text wirkt vom Teleprompter abgelesen und verliert schon dadurch erheblich an Authentizität. Das Sprechtempo stimmt, allerdings presst er seine Hände mit gespreizten Fingern auf den Tressen. Dadurch lenkt er vom Inhalt ab und wirkt verkrampft und wenig glaubwürdig.

Das Videostatement selbst hat Wirecard offenbar mittlerweile von seinem Kanal entfernt, so dass es nur noch auf inoffiziellen Seiten zu finden ist. Warum sich das Unternehmen dazu entschlossen hat, bleibt offen. Ein Grund scheint der Rücktritt Markus Brauns gewesen sein.

 

Wirecard

Quelle: FAZ online

 

 

Herausforderungen für die Social Media- und Krisenkommunikation

Die polarisierte Gesellschaft: Herausforderungen für die Social Media- und Krisenkommunikation

Erst die Flüchtlingsdebatte, dann die Klimakrise und jetzt die Corona-Politik: Die Gesellschaft polarisiert sich immer weiter, während Facebook, Twitter & Co. der öffentlichen Empörung immer mehr Raum geben. Große Teile der Bevölkerung folgen geschlossenen Weltbildern, die keinen Diskurs mehr zulassen. Dies ist nicht nur für die Politik eine große Herausforderung, die vor der Aufgabe steht, die Menschen wieder unter konsensfähigen Wertvorstellungen und Zukunftsperspektiven zu vereinen, im Sinne der Krisenprävention und -kommunikation ist dies auch für Unternehmen eine massive Herausforderung.

Einerseits verlangt die Gesellschaft, dass sich Unternehmen möglichst eindeutig politisch positionieren, andererseits werden sie von denjenigen mit massiver Kritik überzogen, deren Weltanschauung nicht geteilt wird. Um möglichst keine Käufergruppen zu verprellen, vermeiden viele Markenhersteller daher eindeutige Aussagen und werden auch dafür angegriffen.

Wie Twitter Facebook in Zugzwang bringt

Wie vertrackt die Situation aus Sicht der Krisenkommunikation ist, zeigt ein Blick in die USA. Twitter hat in diesen Tagen öffentlichkeitswirksam den Versuch gestartet, gegen Fake News vorzugehen, als es einen Tweet von US-Präsident Donald Trump mit einem Warnhinweis versehen hat.

Dass Trump und die Trumpisten mit diesem Fact Check-Hinweis nicht glücklich waren, versteht sich von selbst und wurde von Twitter-CEO Jack Dorsey in Kauf genommen. Dorsey hat mit diesem Schachtzug aber seinen Konkurrenten Mark Zuckerberg in Zugzwang gebracht. Weil der Facebook-CEO weiterhin solche Warnhinweise ablehnt und sich partout nicht politisch positionieren will, kam es zu einer Kündigungswelle im Top-Management – seine Mitarbeiter gelten als vorwiegend linksliberal eingestellt.

Zwar betrifft dieses Beispiel Giganten aus dem Silicon Valley, die Herausforderung im Sinne der Krisenkommunikation betrifft aber nahezu jeden mittelständischen Betrieb. Medien- und Verbraucheranfragen, wie die folgenden, sind keine Seltenheit: Welche Konsequenzen ziehen Sie, dass Ihr Mitarbeiter rechtspopulistische Beiträge auf Facebook teilt? Ist Ihnen bewusst, dass in Ihrem Betrieb mehrfach Mitarbeiter wegen Ihrer Hautfarbe oder sexuellen Orientierung gemobbt wurden und was haben Sie dagegen getan? Bitte beziehen Sie eindeutig Stellung zur Klimadebatte!

Eskalation durch unglückliche Kommunikation

Für Unternehmen sind solche Anfragen brandgefährlich, weil unglückliche Antworten im Social Web in Minuten eskalieren und einen erheblichen Reputationsschaden nach sich ziehen können. Krisen entstehen auf diese Weise oft, ohne dass ein tatsächliches Ereignis zugrunde liegt, wie z.B. ein Brand, ein Compliance-Delikt oder ein Produktrückruf.

Ich gehe davon aus, dass die Polarisierung der Gesellschaft noch auf Jahre hinaus erhalten bleibt, sich vielleicht sogar noch verschärft. Unternehmen sollten sich auf diese Entwicklung einstellen und ihre Krisenkommunikation systematisch für solche Themen trainieren. Wichtig ist im ersten Schritt, ein grundsätzliches Verständnis dafür zu gewinnen, welche Themen Krisen auslösen, welche Dynamiken sie befeuern und wie eine deeskalierende Kommunikationsstrategie aussehen kann. Insbesondere aber müssen Unternehmen sich überlegen, ob und wie sie sich gesellschaftspolitisch positionieren wollen und in dieser Überlegung alle relevanten Pro und Contra-Argumente präzise abwägen.

Nachhaltigkeitsberichte – Wer liest sie und warum?

Nachhaltigkeitsberichte als Teil der Nachhaltigkeitskommunikation spielen für viele Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Doch warum eigentlich? Seit die Europäische Kommission unter der Leitung von Ursula von der Leyen im Dezember 2019 den Europäische ‚Green Deal‘ verabschiedet hat, existiert eine Art Fahrplan für eine nachhaltige EU-Wirtschaft. Es handelt sich dabei um eine neue Wachstumsstrategie, mit der die EU bis ins Jahr 2050 Klimaneutralität erreichen will. Aus diesem Grund steht das Thema Nachhaltigkeit nicht nur in der Politik weit oben auf der Agenda, sondern gewinnt auch in der Wirtschaft mehr und mehr an Bedeutung.

Nachhaltigkeit im Unternehmen

Engagieren sich Unternehmen in puncto Nachhaltigkeit, ist die Kommunikation ein essentieller Teil der Nachhaltigkeitsstrategie. Seit 2017 besteht für Unternehmen ab einer gewissen Größe bereits eine Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (vgl. §289b Abs. 1 HGB). Doch immer häufiger sehen sich auch kleine und mittelständische Unternehmen vor der Herausforderung, ihren Stakeholdern sowie der Öffentlichkeit transparent und glaubwürdig zu zeigen, inwiefern sie zur nachhaltigen Entwicklung beitragen. Nachhaltigkeitsberichte als Teil der Nachhaltigkeitskommunikation haben sich mittlerweile branchenübergreifend als Element einer ganzheitlichen Unternehmenskommunikation etabliert. Unternehmen aus der Lebensmittelbranche wie Rittersport oder die PHW-Gruppe machen es bereits vor und berichten über ökologische, soziale und ökonomische Belange in ihren Unternehmen. Nachhaltigkeitsberichte richten sich an eine Vielzahl diverser Zielgruppen, darunter Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Handelspartner oder Kapitalgeber. Doch wie steht es eigentlich um die Nutzung solcher Berichte? Befassen sich die Zielgruppen mit den aufwendig erstellten Nachhaltigkeitsberichten und wenn ja, welche Nutzungsmotive liegen bei den Lesern vor?

Studie zur Nutzung von Nachhaltigkeitsberichten

Antwort auf diese Fragen gibt eine Studie über die Nutzung und Nutzungsmotive von Nachhaltigkeitsberichten, durchgeführt im Rahmen einer Bachelorarbeit in Zusammenarbeit mit einem Betrieb aus der Lebensmittelbranche, der sich auf die Verarbeitung und Verpackung von Käse spezialisiert hat und bereits zum zweiten Mal einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht hat. Befragt wurden die wichtigsten Stakeholder-Gruppen des Unternehmens mittels Online-Umfrage, welche als Hauptzielgruppen mit dem Nachhaltigkeitsbericht angesprochen werden sollen: Kunden, Mitarbeiter, Kapitalgeber und Handelspartner.

Wie werden Nachhaltigkeitsberichte genutzt?

Bezüglich der Nutzungsgewohnheiten ergab sich, dass der durchschnittliche Leser etwa 5-15 Minuten Zeit in die Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts investiert, wobei die meisten Befragungsteilnehmer angeben, vor allem Überschriften, Zusammenfassungen und Grafiken zu lesen. Da die meisten Leser sich dem Nachhaltigkeitsbericht nur kurze Zeit widmen und diesen eher überfliegen, ist ein übersichtliches und schnell verständliches Design wichtig. Durch grafische und textliche Aufbereitung der Daten und Fakten fällt es der Leserschaft leichter, sich während der kurzen Nutzungsdauer einen guten Überblick zu verschaffen. Was die textliche Gestaltung betrifft, so bewerten die Befragungsteilnehmer aus allen Stakeholdergruppen ein Themengebiet als ganz besonders interessant, nämlich alle Inhalte rund um ökologische Aspekte. Daran schließt sich der soziale Teil des Berichts an, der vor allem für die Mitarbeiter von besonders hohem Interesse ist. In der Gesamtwertung belegen die Artikel zu wirtschaftlichen Themen den dritten Platz. Dabei geben knapp zwei Drittel der Befragten an den Bericht im Online-Format zu lesen.

Warum werden Nachhaltigkeitsberichte überhaupt gelesen?

Für 97% der befragten Stakeholder steht es an erster Stelle, bei der Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts über die Thematik an sich sowie über das nachhaltige Engagement im Unternehmen informiert zu werden.  Des Weiteren geben sie an den Bericht aus Neugier zu lesen sowie aufgrund der Erwartung, durch den Bericht etwas Neues über Nachhaltigkeit dazuzulernen. An zweiter Stelle steht für die Befragten das „Mitreden Wollen“. Der CSR-Bericht wird dementsprechend gelesen, um fähig zur Interaktion mit anderen zu sein, sei es im Gespräch über Nachhaltigkeit oder über das Unternehmen selbst. Insbesondere aus der Gruppe der Mitarbeiter geben viele Befragungsteilnehmer an, Zeit in die Lektüre des Nachhaltigkeitsberichts zu investieren, da dieser sie stolz auf ihre Arbeit im Unternehmen mache. Ein ebenfalls häufig angegebener Grund zur Nutzung des Nachhaltigkeitsberichts entspricht der gewohnheitsmäßigen Mediennutzung, das heißt für die Betroffenen ist es Teil ihres Jobs den Bericht zu lesen.

Berichtsqualität und Glaubwürdigkeit

Ein wichtiger Aspekt eines Nachhaltigkeitsberichts im Rahmen einer erfolgreichen Nachhaltigkeitskommunikation ist die Zufriedenheit der Stakeholder. Dazu gehört einerseits eine zielgruppengerechte Ansprache, sodass alle Anforderungen der unterschiedlichen Lesergruppen erfüllt werden. Des Weiteren spielt aber auch die Einschätzung der Leser zur Qualität des Berichts eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse aus der Online-Umfrage zeigen, dass Printnutzer den Nachhaltigkeitsbericht qualitativ etwas hochwertiger bewerten, als die Online-Nutzer. Eine mögliche Interpretation dieses Ergebnisses ist, dass häufig noch „zu analog“ gedacht wird, weshalb vor allem die Printversionen großes Gefallen finden. Zusätzlich dazu konnte ein enger Zusammenhang zwischen der Einschätzung der Befragungsteilnehmer zur Glaubwürdigkeit und der Berichtsqualität nachgewiesen werden. Das bedeutet: Wird der Nachhaltigkeitsbericht als qualitativ hochwertig empfunden, so wird er ebenfalls als sehr glaubwürdig bewertet.

Fazit?

Früher oder später werden sich alle deutschen Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigen müssen. Spätestens dann, wenn die geplanten Maßnahmen des EU Green Deals nach und nach umgesetzt werden. Die richtige Kommunikation ist dabei das A und O für ein Unternehmen, denn wer unter den Verdacht gerät, Nachhaltigkeitsversprechen nicht ordnungsgemäß zu erfüllen, dem droht ein massiver Reputationsschaden in der Öffentlichkeit. Aus diesem Grund ist eine glaubwürdige und authentische Nachhaltigkeitskommunikation elementar und bietet die ideale Möglichkeit, eine ganzheitliche Unternehmenskommunikation zu betreiben.

Kommunikation hat sich als Mehrwert etabliert

Kommunikation hat sich als Mehrwert etabliert

„Ein Vakuum, geschaffen durch fehlende Kommunikation, füllt sich in kürzester Zeit mit falscher Darstellung, Gerüchten, Geschwätz und Gift“, so urteilte ein britischer Soziologe Mitte des 20. Jahrhunderts. Seit der Antike ist die Bedeutung der Kommunikation der Öffentlichkeit bekannt. Von einem Dialog im Sinne von Verstehen oder gar Verinnerlichen war man aber noch weit entfernt. Bis heute.

Denn heute ist die Projektkommunikation in der Realität angekommen. Denn Investoren, Bürgermeister und Auftraggeber aller Art haben den Mehrwert der Kommunikation für ihr Projekt verstanden und investieren daher verstärkt in Kommunikation und Dialog. Der Anteil für Kommunikationsmaßnahmen an Investitionen liegt laut einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (bitkom) zwischen vier und fünf Prozent des jeweiligen Gesamtbudgets. Andere Quellen geben sogar Größen bis zu 15 Prozent an.

In was wird investiert?

Aber in was genau investieren die Projektträger? In erster Linie in das Vermitteln von Sachinformationen und das Vorbeugen von Gerüchten – damit erst gar kein Vakuum entsteht. Die Darlegung von Zielen, Absichten und Hintergründen ist aber nicht ausreichend. Die Entwicklung einer emotional positiven Bindung zum Projekt ist essenziell. Um diese emotionale Ebene zu erreichen, muss jeder Einzelne einen Vorteil im Projekt erkennen. Ob Klimaschutz zugunsten der nächsten Generationen, eine günstigere Verkehrsanbindung oder ein neugewonnener finanzieller Spielraum für die Kommune, wodurch die Renovierung des alten Kindergartens endlich möglich wird, ist dabei nicht entscheidend. Die Verbindung von Sach- und Beziehungsebene lässt Vertrauen und Akzeptanz entstehen.

Bedingungen für den Erfolg

Die beschriebenen Effekte stellen sich allerdings nur ein, wenn die Kommunikation frühzeitig einsetzt. Der Projektstart ist der Start der Kommunikation. Andernfalls bilden sich Strukturen und Denkmuster in der Bevölkerung, die am Projekt haften bleiben und kaum mehr aus der Welt zu schaffen sind. Durch schlichte Bequemlichkeit oder falsch verstandene Sparsamkeit wäre das Vorhaben – bevor es tatsächlich begonnen hat – in der Defensive. Die Gefahren für Verzögerungen oder ein Projektaus wären deutlich gestiegen und mit immensen Mehrkosten für den Projektträger verbunden.

Damit die kommunikative Hoheit beim Projektträger liegt, muss der Raum der Projektkommunikation mit Leben gefüllt werden. Wie genau, erklären die Experten für Projektkommunikation Dr. Andreas Bachmeier und Simon Peltzer in einem Webinar ab 18. Juni 2020 an vier Terminen. Anmeldung unter buergerdialog@engel-zimmermann.de.

Fallzahlen zur Ausbreitung des Coronavirur berichtet wie

Fallzahlen zur Ausbreitung des Coronavirus: Wer berichtet wie?

Die aktuellen Zahlen zu den Infektions- und Sterberaten stehen in der Medienberichterstattung über das Coronavirus neben politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen im Fokus des öffentlichen Interesses. Mehrere renommierte Institute veröffentlichen täglich aktuelle Fallzahlen. Neben dem Robert Koch Institut (RKI), der zentralen Einrichtung der deutschen Bundesregierung für Krankheitsüberwachung, aktualisieren auch die Gesundheitsministerien der Länder, die Landkreise, Städte und Gemeinden regelmäßig ihre Angaben zum Verlauf der Pandemie. Auf europäischer Ebene ist vor allem das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zu nennen. In Bezug auf die globale Situation gelten insbesondere die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die US-amerikanische Johns Hopkins University in Baltimore als renommierte Institutionen. Beide haben ein dynamisches Corona-Dashboard eingerichtet, in dem sowohl globale als auch länderspezifische Daten einsehbar sind.

Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass sich auch die Angaben der genannten Einrichtungen voneinander unterscheiden. Berichtete die Johns Hopkins University am 3. April gegen 14 Uhr für Deutschland beispielsweise von rund 85.000 Infektionen und 1.100 Todesfällen, waren zum gleichen Zeitpunkt beim Robert Koch Institut knapp 80.000 Infektionen und 1010 Todesfälle registriert. Die WHO wiederum nannte ca. 73.500 Infektionen und 872 Todesfälle, ebenso die ECDC. Angesichts dieser Abweichungen stellt sich damit unweigerlich die Frage: Wer hat recht?

Unterschiede bei Methodik und Zeitpunkt

Eindeutig beantworten lässt sich das nicht. Grundsätzlich gilt, dass alle Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus immer nur eine Momentaufnahme sind und meist schon kurze Zeit nach ihrer Veröffentlichung veralten. Oft sind die Angaben der Institutionen auch deshalb nur begrenzt miteinander vergleichbar, weil sie sich hinsichtlich Erhebungszeitpunkt, zugrundeliegender Methodik und Zählweise voneinander unterscheiden.

Als unabhängige Bundesoberbehörde erstellt das RKI seine Angaben gemäß dem Infektionsschutzgesetz. Dementsprechend werden nur Fälle veröffentlicht, die dem Institut von der jeweils zuständigen Landesbehörde auf elektronischem Wege gemeldet werden. Die Landesbehörde wiederum erstellt ihre Daten auf Basis der Meldungen, die ihr von den entsprechenden Gesundheitsämtern zugehen. Durch diese Übermittlungen entsteht bis zur Veröffentlichung eine Verzögerung von bis zu 24 Stunden. In der Statistik finden sich nur Infektionen wieder, die mittels einer labordiagnostischen Untersuchung oder in Krankenhäusern bestätigt wurden. Werden Personen nicht getestet, weil sie beispielsweise symptomfrei sind, können sie von der Auswertung nicht berücksichtigt werden. Die Zahlen des RKI fallen daher stets etwas niedriger aus als zum gleichen Zeitpunkt an anderer Stelle.

Warum sich Unternehmen auf eine Quelle für Fallzahlen verständigen sollten

Die Zahlen zur Ausbreitung des Coronavirus, die von den Landesgesundheitsbehörden oder regionalen Gesundheitsämtern selbst online veröffentlicht werden, sind dabei oft etwas aktueller als die des RKI, weil Sie unabhängig von der Meldekette an die Oberbehörde bereits kurzfristiger im Netz zur Verfügung gestellt werden. Sollten Sie exakte Informationen zum Pandemieverlauf in einem bestimmten Landkreis oder an einem bestimmten Ort benötigen, empfehlen wir Ihnen deshalb, sich immer auch bei der jeweils zuständigen lokalen Behörde zu informieren. Unternehmen, die sich im Corona-Krisenstab intensiv mit Fallzahlen auseinandersetzen, sollten sich zudem auf eine zentrale Quelle verständigen, von der sie ihre Daten beziehen. Auf diese Weise kommt es nicht zu Unstimmigkeiten und die Vergleichbarkeit der Zahlen bleibt auch über einen längeren Zeitraum gewährleistet.

Die Wissenschaftler der John Hopkins University, eine der renommiertesten Universitäten weltweit, nutzen – anders als das RKI –  eine eigens entwickelte Software, die die Corona-Fallzahlen mittels eines Algorithmus generiert. Dieser greift auf Daten der WHO, nationaler Gesundheitsbehörden, Medienberichten (aus Deutschland unter anderem von Zeit Online und dem Tagesspiegel)  und Social Media Postings zu und berechnet auf dieser Grundlage aktuelle globale Zahlen. Dabei fließen auch Werte aus dem bisherigen Pandemieverlauf in die Kalkulation ein. Die Zahlen fallen deshalb höher aus als beim RKI. Bei der ECDC und der WHO werten Teams von Experten täglich hunderte aktuelle Meldungen der nationalen Gesundheitsbehörden aus, die dann nach einem bestimmten Gewichtungssystem in die Gesamtauswertung einfließen. Hier beschränken sich die Angaben wie beim RKI auf die offiziell durch Tests bestätigten Fälle.

Quellenübersicht:

Dynamisches Dashboard der Johns Hopkins University: https://www.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

Offizielle Zahlen des Robert Koch Institut für Deutschland (Aktualisierung erfolgt i.d.R. einmal täglich): https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Fallzahlen.html

Dashboard der Weltgesundheitsorganisation (Aktualisierung erfolgt i.d.R. einmal täglich): https://covid19.who.int/

Zahlen oft nur Mindestwerte – Achten Sie auf seriöse Quellen

Dennoch bleibt festzuhalten, dass eine exakte Benennung der Infektionen und Todesfälle angesichts der weltweiten Tragweite der Pandemie und der sehr dynamisch sich entwickelnden Situation nicht mit letzter Gewissheit möglich ist. Die Zahlen können den Verlauf der Ausbreitung des Coronavirus nur näherungsweise beschreiben. Das liegt auch an der teils sehr unterschiedlichen Handhabung der Krise in den einzelnen Ländern. Während mancherorts inzwischen sehr umfangreich getestet wird, ist die Zahl der Virustests vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländer viel zu gering, sodass von gravierend hohen Dunkelziffern auszugehen ist. Hinzu kommt, dass auch die Zahl der von einer Infektion genesenen Patienten allenfalls eine Mindestangabe darstellt und in der Realität deutlich höher ausfallen dürfte. Anders als bei einer Infektion gibt es für den Fall der Heilung nämlich keine verpflichtende Meldekette.

Erfahren Sie hier, wie Engel & Zimmermann Sie in den Bereichen der Krisenprävention und Krisenkommunikation mit maßgeschneiderten Lösungen unterstützen kann:

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Lebensmittelbranche im TV: Jeder zweite Beitrag ist kritisch

729 Fernsehbeiträge über die Lebensmittelbranche haben wir im vergangenen Jahr ausgewertet und bei vielen eine kritische Tendenz festgestellt. Beiträge wie „Gift im Essen“, „Gefährliche Keime im Obstsalat“ oder „Eingeschenkt und abkassiert“ belegen dies. Es sind nur drei Beispiele für die insgesamt 357 Beiträge, die von uns als negativ eingestuft wurden, weil der Titel oder der begleitende Ankündigungstest des Senders darauf schließen lassen. Anders ausgedrückt: Im Durchschnitt erschien fast an jedem Tag im Jahr ein Beitrag im Fernsehen, der sich auf negative Weise mit der Lebensmittelbranche beschäftigte.

Generelle Kritik an der Lebensmittelbranche / Obst & Gemüse baut Spitzenposition aus

Seit Jahren machen drei Branchen die Spitzenplätze im Branchenvergleich unter sich aus. Die Obst- und Gemüsebranche baute ihren 1. Platz gegenüber Fleisch und Getränken deutlich aus: In 125 Beiträgen ging es um Obst und/oder Gemüse, in 63 Beiträgen um Fleisch und Wurst, und 59 Beiträge handelten von Getränken.

Während sich die Obst- und Gemüsebranche jedoch darüber freuen kann, seltener kritisch behandelt zu werden, ist die mediale Auseinandersetzung mit der Fleischbranche wie schon in den Vorjahren viel kritischer: Deutlich mehr als die Hälfte der Beiträge ließ auf einen negativen Tenor schließen. Häufiger als zu Obst / Gemüse wurden lediglich Sendungen ausgestrahlt, die sich ganz allgemein mit der Nahrungsmittelbranche auseinandersetzten. Davon wurden überdurchschnittlich viele als kritisch eingestuft. Hier bestätigt sich die unterschwellige Generalkritik an der Branche, die mit Beiträgen wie „Mogelpackungen – die Tricks der Hersteller“ oder „Giftiges Aluminium im Essen“ häufig in ihrer Gesamtheit in einem negativen Licht dargestellt wird.

Nachhaltigkeit auf dem Vormarsch

Untersucht wurden von uns nicht nur die Branchen, sondern auch die Themen, um die es bei den TV-Beiträgen ging. Erstmals taucht im Ranking auch das Thema Umwelt & Nachhaltigkeit auf: 74 Beiträge beschäftigten sich zum Beispiel mit Lebensmittelverschwendung, hinzu kommen noch einmal 46 Beiträge zu Fragen der Tierhaltung, die ebenfalls den Aspekt der Nachhaltigkeit thematisieren. Hier zeigt sich: Die Gesellschaft und die Branche diskutieren Nachhaltigkeits- und Tierwohlaspekte sehr intensiv. Unsere Auswertung zeigt, dass diese Themen auch in den Fernsehprogrammen angekommen sind.

Ausblick

Wir gehen davon aus, dass sich der Trend zu einer überwiegend negativen Berichterstattung über die Lebensmittelbranche auch 2020 fortsetzt. Da Umwelt- und Nachhaltigkeitshemen wie Klimaschutz, Tierwohl oder Verpackungen weiter die gesellschaftliche Debatte bestimmten, werden sie auch von den TV-Sendern für eine kritische Auseinandersetzung mit der Lebensmittelbranche genutzt. Inwieweit die Coronakrise in Verbindung mit Lebensmitteln Einzug in die Berichterstattung im TV findet, ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht klar. Denkbar sind aber Beiträge über Hamsterkäufe, Lieferengpässe und boomende Lebensmittel in der Krise.

Ausführliche Informationen, mehr Zahlen zur Auswertung und Einblicke, welche Fernsehsender und Sendungen sich besonders häufig – und kritisch – mit Lebensmitteln beschäftigen, gibt es auf unserer Webseite hier: https://engel-zimmermann.de/tv-berichterstattung-2019/

Über das TV-Monitoring

Über das gesamte Jahr hinweg haben wir die im Fernsehen aus-gestrahlten Beiträge – Verbrauchermagazine, Reportagen, Talkshows, Dokumentationen und weitere Formate quer über alle Fernsehsender – rund um die Lebensmittelindustrie ausgewertet. Wiederholungen wurden nicht mitgezählt. Insgesamt flossen diesmal 729 TV-Beiträge in die Auswertung ein – Engel & Zimmermann erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ein besonderer Service ist unser wöchentlicher TV-Newsletter, in dem food-relevante Sendungen angekündigt werden. Dieser wird jeden Montag erstellt. Interessenten können sich über diesen kostenlosen TV-Newsletter unter c.wolfram@engel-zimmermann.de  informieren. Anmeldungen sind auch über die Webseite engel-zimmermann.de/tv-newsletter möglich.