Krise ist heute auch eine Frage der Reputation.
Markus Schachner ist Mitglied der Geschäftsleitung bei MARTENS & PRAHL Jaspers Assekuranzmakler GmbH München. Sein Unternehmen kennt die Tücken von Versicherungsklauseln, ist heute mehr ein Risikoberater für Unternehmen und hat Berührungspunkte zu Krisenkommunikations-Beratern wie Engel & Zimmermann.
Interview mit Markus Schachner
Herr Schachner, beim Thema Versicherungen denken die Älteren unter uns an den Werbespot der Hamburg-Mannheimer mit Herrn Kaiser, der berühmtesten fiktiven Werbefigur für Versicherungen in Deutschland, aus den 90er-Jahren. Sie auch?
Natürlich kennen die etwas Älteren unter uns Herrn Kaiser aus der früheren TV-Werbung. Er steht sinnbildlich für eine Zeit, in der Versicherungen vor allem über Produkte und Policen im Privatbereich verkauft wurden. Unser Geschäft bei MARTENS & PRAHL Jaspers ist jedoch ein völlig anderes. Wir verstehen uns nicht als Versicherungsverkäufer, sondern als Risikoberater für Unternehmen. Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Policen zu vermitteln, sondern unsere Kunden vor existenzbedrohenden Risiken zu schützen. Dazu identifizieren wir Risiken im Unternehmen, gleichen diese mit den vorhandenen Policen ab, entwickeln individuelle Sicherheitskonzepte (Prävention) und sorgen dafür, dass im Schadenfall der Versicherungsschutz auch greift.
Was heißt das genau, Risikoberater?
Ein Risikoberater beschäftigt sich nicht erst mit einem Schaden, sondern idealerweise lange bevor er entsteht. Wir betrachten Unternehmen ganzheitlich: von Produktionsabläufen über Lieferketten bis hin zu Cyberrisiken, Krisenmanagement und Notfallplanung.
Dabei profitieren unsere Kunden von einem interdisziplinären Ansatz. So verfügen wir beispielsweise über eigene Brandschutzingenieure und weitere Spezialisten, die Risiken direkt vor Ort analysieren und konkrete Verbesserungsmaßnahmen empfehlen. Versicherungen sind für uns kein Selbstzweck, sondern ein Baustein eines umfassenden Risikomanagements. Je besser ein Risiko beherrscht wird, desto sicherer und wirtschaftlicher wird der Versicherungsschutz. Kurz gesagt: Wir helfen aktiv dabei Prämien zu sparen.
Sie sagen, dass eine Versicherungs-Police nur eine „scheinbare Sicherheit“ gibt. Können Sie das erklären?
Viele Unternehmen gehen davon aus, dass sie mit dem Abschluss einer Versicherung automatisch auf der sicheren Seite sind. Die Realität ist oft komplexer. Eine Police kann nur dann schützen, wenn sie exakt zu den tatsächlichen Risiken eines Unternehmens passt und die Vertragsbedingungen richtig gestaltet wurden.
Wir erleben immer wieder Fälle, in denen Unternehmen zwar versichert waren, im Schadenfall aber feststellen mussten, dass einzelne Risiken nicht oder nur unzureichend abgedeckt waren. Deshalb legen wir großen Wert darauf, Risiken vor Vertragsabschluss detailliert zu analysieren und Versicherungsprogramme regelmäßig an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Echte Sicherheit entsteht durch Verständnis der Risiken, nicht allein durch das Vorhandensein einer Police.
Die Repräsentantenklausel ist eine wichtige Bestimmung in Versicherungsverträgen. Können Sie das näher ausführen?
Die Repräsentantenklausel entscheidet im Ernstfall häufig darüber, ob ein Versicherer leisten muss oder nicht. Vereinfacht gesagt geht es darum, welches Verhalten einzelner Personen dem Unternehmen zugerechnet wird.
Gerade bei größeren Organisationen mit vielen Standorten und Verantwortungsbereichen ist dies von erheblicher Bedeutung. Wird die Klausel ungünstig formuliert, kann das Fehlverhalten einzelner Personen weitreichende Auswirkungen auf den Versicherungsschutz haben. Deshalb achten wir bei der Gestaltung der Verträge besonders darauf, dass unsere Kunden keine unnötigen Deckungsrisiken eingehen. Oft sind es gerade diese Details im Bedingungswerk, die im Schadenfall über Millionenbeträge entscheiden können.
Welche Krisensituationen haben aus Ihrer langjährigen Erfahrung das höchste Schadensausmaß? Und welche Risiken werden aus Ihrer Sicht häufig unterschätzt?
Die größten Schäden entstehen meist nicht durch einzelne Ereignisse, sondern durch die Kombination mehrerer Faktoren. Besonders gravierend sind Großbrände, Cyberangriffe, Betriebsunterbrechungen sowie Rückrufereignisse in der Industrie. Häufig übersteigen die Folgekosten den eigentlichen Sachschaden um ein Vielfaches.
Unterschätzt werden oftmals Abhängigkeiten innerhalb von Lieferketten, Cyberrisiken und Reputationsschäden. Viele Unternehmen haben ihre eigene Produktion hervorragend abgesichert, sind aber auf wenige kritische Zulieferer angewiesen. Fällt einer davon aus, kann dies erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Ebenso entwickeln sich Cyberangriffe heute immer häufiger zu umfassenden Unternehmenskrisen mit finanziellen, rechtlichen und kommunikativen Auswirkungen.
Erst im Schadenfall kommt es zu einer echten Belastungsprobe der Police und sehr häufig stellt sich erst im großen Schadenfall heraus, dass Fehler gemacht wurden.
Klassische Stolpersteine sind:
- Die Versicherungssummen stimmen nicht, bzw. sind falsch ermittelt worden. Folge: Unterversicherung
- Verstoß gegen behördliche Auflagen, wie Baugenehmigungen und Betriebserlaubnisse
- Revisionen der elektrischen Anlagen wurden nicht vertragsgemäß durchgeführt, bzw. die Mängel nicht abgestellt.
Die geopolitischen Veränderungen der letzten Jahre rufen zusätzliche Krisensituationen hervor. Inwiefern wirken sich diese Veränderungen auf Ihr Geschäft aus?
Die Welt ist komplexer und volatiler geworden. Kriege, Sanktionen, Handelskonflikte, politische Instabilität und neue Regulierungen wirken sich unmittelbar auf Unternehmen und deren Risikoprofile aus.
Für unsere Kunden bedeutet das, dass Risiken zunehmend international betrachtet werden müssen. Transportwege verändern sich, Lieferketten werden anfälliger und neue Haftungsfragen entstehen. Gleichzeitig reagieren Versicherer mit strengeren Risikobewertungen und veränderten Bedingungen. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und unsere Kunden dabei zu unterstützen, Risiken aktiv zu steuern und Versicherungslösungen entsprechend anzupassen.
Was zeichnet aus Ihrer Sicht eine gute Krisenkommunikationsberatung bzw. Krisen-Agentur aus?
Eine gute Krisenkommunikation beginnt lange bevor eine Krise entsteht. Entscheidend ist die Fähigkeit, Risiken zu erkennen, Szenarien vorzubereiten und im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.
Die besten Krisenberater verbinden strategisches Denken mit operativer Erfahrung. Sie unterstützen Unternehmen dabei, unter hohem Zeitdruck klare Botschaften zu formulieren, Vertrauen zu erhalten und die richtigen Stakeholder anzusprechen. Besonders wichtig ist dabei ein tiefes Verständnis für die jeweilige Branche und die Fähigkeit, auch komplexe Sachverhalte verständlich zu kommunizieren.
Aus unserer Sicht entsteht die beste Krisenbewältigung dann, wenn Risikoberater, Unternehmensleitung und Kommunikationsspezialisten eng zusammenarbeiten. Denn jede Krise ist heute nicht nur eine operative oder finanzielle Herausforderung, sondern immer auch eine Frage der Reputation.
Frage: Wie verändert die Digitalisierung das Risikomanagement von Unternehmen?
Digitalisierung ist heute weit mehr als ein Effizienzthema. Sie entscheidet zunehmend darüber, wie schnell Unternehmen Risiken erkennen, steuern und beherrschen können.
Mit unserer CAMPUS-Lösung bieten wir Kunden eine digitale Plattform, die Transparenz schafft, Prozesse vereinfacht und Risikoinformationen zentral verfügbar macht. Gerade für mittelständische und internationale Unternehmen wird die digitale Verwaltung von Versicherungs- und Risikodaten zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Wer Risiken schneller erkennt und fundierte Entscheidungen treffen kann, ist langfristig erfolgreicher und widerstandsfähiger.
Diese Entwicklung wird sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen. Deshalb investieren wir kontinuierlich in digitale Lösungen, die unsere Kunden dabei unterstützen, Risiken effizient und zukunftssicher zu managen.
Hier ein kleines Erklärvideo für unsere CAMPUS Lösung: https://youtu.be/ljsqoBsbpFY
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