Alles Form(at)sache

1:2, 4:5, 2:3 oder 9:16? Nein, hierbei handelt es sich nicht um das Mengenverhältnis bei der Herstellung eines raffinierten Longdrinks, sondern um Video-Bildformate, die vor allem auf dem Smartphone das klassische „Full Landscape“-Querformat längst abgelöst haben. Schnell zu rezipieren beim Durchscrollen der Timeline und ohne lästiges drehen des Handys beobachten wir Menschen bei ihrer täglichen Morgenhygiene, sehen uns den wunderschönen Strand beim follow-me-around unseres Lieblingspromis an oder sind live vor Ort, wenn sich Unglaubliches oder Dramatisches irgendwo auf der Welt zuträgt. Bewegte Bilder faszinieren, berühren und sind zu einem unverzichtbaren Instrument unserer Gesellschaft geworden.  Doch wie haben sich Video- und Filmformate, aber auch die dazugehörigen Inhalte in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten entwickelt?

Eadweard Muybridges „Das galoppierende Pferd“ von 1882 steht wie keine andere Bildabfolge für die Anfänge des Bewegten Bildes und der Filmgeschichte. Als Weiterentwicklung der so genannten „Wundertrommel“ – ein Filmstreifen mit zwölf etwa 10 Zentimeter großen Abbildungen in einer rotierenden Trommel, die mit bloßem Auge mit einem Abstand von ca. 20 Zentimetern durch einen Schlitz betrachtet wurde – hat er ein scheibenförmiges Stroboskop entwickelt, das mit Hilfe einer Glühlampe die Folge von fotografischen Einzelaufnahmen projiziert hat. Der erste Film auf Leinwand war geboren.

Schnell entwickelte sich das Medium weiter. Nach reinen Darstellungen (meist nicht länger als ein paar Sekunden) von Bewegungsabläufen wie Gehen, Tanzen oder sportlichen Ertüchtigungen, kamen Realitätsabbildungen, die auf Jahrmärkten gezeigt wurden, bevor das Kino dank der Gebrüder Lumière zur etablierten Kunst- und Kultureinrichtung wurde. Doch nicht nur die Inhalte entwickelten sich stets weiter, auch die Formate. Im Laufe der Jahrzehnte hat es viele verschiedene Kinoformate gegeben. Anfangs war es 4:3 (wie später auch beim Fernseher), dann wurden die Leinwände immer breiter; die Zuschauer sollten sich ja mittendrin im Geschehen fühlen. Anfang der Neunzigerjahre wurde dann das 16:9-Format immer beliebter, doch die Kinostandards sind mittlerweile mit einem Format von 2,35:1 noch breiter.

Doch was passiert fernab von TV und Kino? Die Bedeutung von Online-Videos in den unterschiedlichsten Ausprägungen, wie beispielsweise im facebook newsfeed, nimmt immer weiter zu. Das zeigen die hohen Nutzerzahlen von youtube und immer neue Formaten wie In-Stream Anzeigen, instagram stories oder 360-Grad-Videos. Die anfangs genannten quadratischen und vertikalen Seitenverhältnissen, die vor allem für Mobilgeräte ausgelegt sind, da die meisten Personen ihr Telefon aufrecht halten, laufen sie dem Breitbild langsam den Rang ab.  Man schaut also aus 20 Zentimetern Entfernung auf ein ca. zehn Zentimeter großes Bild und ist fasziniert von nur wenige Sekunden andauernden Clips…zum Beispiel von galoppierenden Pferden oder tanzenden Menschen.

Doch was bedeutet das für Unternehmen? Wer heute kommunikativ wahrgenommen werden möchte, tut gut daran vor allem auch auf das Thema Bewegtbild zu setzen. Denn je mehr Sinne involviert sind, desto mehr kann sich der Mensch merken. Wer Videos rezipiert, hört und sieht gleichzeitig. Zudem fesseln sie uns und machen Informationen besser und schneller begreifbar.

So viel hat sich in den vergangenen knapp 150 Jahren scheinbar nicht getan und doch ist so viel passiert seit die Bilder dank Eadweard Muybridge laufen gelernt haben .