Disruption im Mittelstand: Mit Mut neue Wege gehen

Lange galten mittelständische Unternehmen in Deutschland als innovativ – und punkteten zumeist mit ihrer Ingenieurskunst. Doch inzwischen richten sich alle Blicke auf Start-ups oder ins Silicon Valley, digital ist das Buzzword.

Es erschleicht einen das Gefühl, dass Werte, die den heimischen Mittelstand einmal groß gemacht haben, heute nicht mehr so wichtig sind. Heute redet man weniger von Präzision oder Qualität, sondern von Disruption, Digitaler Transformation, Big Data oder Globalisierung.

Früher – und das ist noch nicht lang her – lag der Fokus der Unternehmen hauptsächlich auf der Produktoptimierung und der Optimierung der Technologie dahinter. Aber die Zeiten haben sich geändert:  heute ist man auf der Such nach der “Killer-App”, nach einer Funktion oder einer Lösung, die die Produkte innovativ macht. Hauptsache anders als das bisherige! Sozusagen die Disruption des eigenen Geschäfts. Ein lösungsorientierter anstatt eines produktzentrierten Ansatzes.

Wie gehen die deutschen Unternehmen damit um?

Disruption brachte viele zu Fall

Es gibt viele Industrien, die durch den technologischen Wandel – die Disruption – zu Fall kamen. Ein Beispiel aus der Telekommunikationsbranche ist die Verdrängung des SMS-Geschäfts durch den Messenger-Dienst WhatsApp. Nahm bis zum Jahr 2012 der SMS-Versand in Deutschland zu, brachen die Zahlen danach dramatisch ein. Grund dafür waren die gestiegenen Nutzerzahlen von WhatsApp: Gab es im Oktober 2012 in Deutschland noch 9,3 Millionen Whatsapp-Nutzer, hatte sich diese Anzahl bis Juli 2013 mehr als verdoppelt. Mittlerweile nutzen über 35 Millionen Deutsche den Messaging-Dienst. Grund für den Erfolg: Das Silicon Valley denkt anders als wir es in Deutschland bisher getan haben. Die entscheidende Frage nämlich ist: Wie kann ich die bestehenden Strukturen kreativ aufbrechen und dem Kunden so einen besseren Nutzen bieten? Nur mit diesem neugewonnenen Mehrwert kann ich meine (oder neue) Kunden von meinem Produkt überzeugen.

Digitalisierung im Mittelstand hat drei große Bereiche

Für den Mittelstand bedeutet es, Antworten zu finden auf die Frage “Wie schaffe ich Mehrwerte für meine Kunden?”. Es bedeutet, weg von der Produktentwicklung als – vermeintlich – zentralem und einzigem Treiber für Unternehmenserfolg und hin zum Kundenerlebnis, zur “Customer Journey”.

Folglich sind Innovationen nach wie vor elementar – nur der Themenfokus hat sich verändert. Das nötige Know-how und ein starkes Team sind nach wie vor die wichtigsten Faktoren – auch etwas, das sich in der schönen, neuen, disruptiven Welt nicht geändert hat. Vor allem drei große Bereiche sind im deutschen Mittelstand von Veränderung durch Digitalisierung betroffen.

Zum einen Produktion und Logistik, die durch Disruption eine höhere Flexibilität für den Kunden bedeuten. Roboter und Automatisierung sind hier die großen, disruptiven „Helfer“.

Zum anderen geht es um die Erreichung der Kunden. Besonders zwei Aspekte gilt es hierbei zu beachten:

Zwar suchen Plattformen wie Amazon meist das kostengünstigste Produkt für den Kunden. Aber das ist nicht die Kernkompetenz deutscher Unternehmen, die qualitativ hochwertig und entsprechend etwas teurer produzieren.

Darüber hinaus ist die Zielgruppe mittelständischer Unternehmen meist im B2B-Umfeld: Hier müssen neue Vertriebswege – eine neue „Customer Journey“ – erschlossen werden.

Mitarbeiter gehören zu den wichtigsten Aspekten bei der mittelständischen Disruption: Nur mit einem starken Team kann man das unternehmerische Know-how in neuen Technologien ausbauen. Eine klare und authentische Kommunikation trägt entscheidend zum Gelingen bei.

Was am Ende also zählt, ist nicht die Idee alleine, sondern deren Umsetzung. Und bei der Realisierung war der deutsche Mittelstand schon immer sehr erfolgreich – warum sollte sich hier etwas geändert haben?