Der feine Unterschied zwischen informieren und integrieren

„Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel“ – das wusste schon Charles Darwin, als er im Jahr 1859 mit seinem Jahrhundertwerk „On the Origin of Species“ unsere Sicht auf die Welt grundlegend veränderte. Und auch heute scheint sein Darwins‘ Ausspruch kein bisschen an Wahrheit verloren zu haben. Obwohl gesellschaftlicher Wandel allgegenwärtig ist und sich immer schneller vollzieht – agiles Arbeiten, digitale Transformation, künstliche Intelligenz – scheinen die meisten Menschen so recht keine Lust mehr auf Veränderungen zu haben.

Wer heute Akzeptanz für Infrastrukturprojekte oder Unternehmensbauten aller Art erhalten will, der kann ein Lied davon singen. Immer häufiger stellen sich die Fragen: Warum sind die Bürger heute eigentlich gegen alles? Bestimmt der seit einigen Jahren postulierte Wutbürger, neuerdings auch Aktivbürger genannt, wirklich ganz alleine das Geschehen? Sind wir ein Volk von Bremsern, Feinden von wirtschaftlicher Entwicklung und unsolidarischen Frustrierten? Oder liegt die Ursache dafür, dass Bürgerproteste in Zeiten digitaler Kommunikation auf solch fruchtbaren Boden fallen, doch ganz woanders?

Egal zu welchem Schluss man kommt, fest steht: Geht es um Infrastrukturprojekte und Unternehmensansiedlungen, ist der Frust häufig groß. Bürgerinnen und Bürger fühlen sich schnell übergangen, möchten mitreden und mitgestalten und geben ihre Meinung – gerade in den Sozialen Medien wie etwa bei Facebook – lauthals preis. Projektträger auf der anderen Seite fühlen sich missverstanden und können den Protest nicht nachvollziehen, helfen sie mit den Investitionen doch der Region und schaffen womöglich Arbeitsplätze. Die Fronten sind verhärtet. Oder wie es ein Altbürgermeister so treffend formulierte: „Sie könnenheutzutage nicht einmal mehr ein Bushäuschen aufstellen, ohne dass sich eine Bürgerinitiative dagegen gründet.“

Vielerorts präsentiert sich die Bundesrepublik heute mit Vollbeschäftigung und blühenden Landschaften sowohl ökonomisch wie ökologisch von ihrer besten Seite. Auf den ersten Blick scheint klar: Veränderung? Brauchen wir hier nicht. Doch die Bereitschaft zur Veränderungen ist Kernelement eines jeden Infrastrukturprojektes oder einer jeden Unternehmensentwicklung. Und so stoßen derzeit fast alle größeren Projekte auf Widerstand: ob Geothermie, Gewerbegebiete oder (sozialer) Wohnungsbau – selbst Neubauten von Krankenhäusern und Kindergärten sind keine Selbstläufer mehr.

Was also tun, um diese Misere zu beenden? Schnell wird der Ruf laut nach einer besseren Informationspolitik. Denn Information schafft Akzeptanz. Und Akzeptanz ermöglicht die Umsetzung. So die einfache Rechnung. Ein solches Verständnis von Öffentlichkeitsarbeit jedoch greift zu kurz: Ja, über ein Projekt umfassend zu informieren, ist wichtig. Keine Frage. Doch Information alleine reicht nicht aus. Es geht vielmehr um einen echten Gestaltungsdialog, der eine echte Mitwirkungsmöglichkeit für die Bürger ermöglicht. Denn was hilft den Bürgerinnen und Bürgern Verständnis und gut gemeintes Zuhören, wenn daraus nichts Handfestes folgt?

Die Antwort lautet: nichts. Es sei denn, ein von langer Hand geplanter Bürgerdialog, der Akzeptanz für Projekte schafft, Dialog mit allen relevanten Bezugsgruppen herstellt und auch eine echte Mitwirkungsmöglichkeit beinhaltet, flankiert die Projekte. Ansonsten wird die Kommunikation schnell als das enttarnt, was sie ist: ein Feigenblatt.