Regierungsvolunteering?

Nun stellen wir uns den Berliner Politikbetrieb doch mal als mittelständisches Unternehmen und die Parteien als Abteilungen vor. Da sind die Grünen als Nachhaltigkeitsabteilung, bei denen alles immer nur kostet. Der Betriebsrat von der SPD auf der Suche nach neuen Wohltaten für die Arbeitnehmer, die man einfordern könnte. Die etwas konservativen Ingenieure von der Union, die nie eine Entscheidung treffen. Und die forschen Vertriebler von der FDP, die sehr viel Aufmerksamkeit brauchen, obwohl sie nur wenige sind.

Leider ist dieses Unternehmen auf der Suche nach einer neuen Geschäftsführung und die Gesellschafter haben einen verheerenden Beschluss gefasst. Man solle sich im Unternehmen einigen, wer es macht und vor allem auch darüber, was dann zu tun ist. Die Mitarbeiter sind ohnehin schon verzweifelt, machen nicht mehr mit oder entwickeln seltsame Ideen. Die Abteilungen versuchen also eine Lösung zu finden. Der Betriebsrat schmollt von vorne herein, die Vertriebler wollen nur Vertrieb, die CSR-Abteilung alles in grün. Und die Ingenieure. Tja. Das bleibt ein Rätsel. Vermutlich sind die vor allem mit sich selbst beschäftigt.

Vielleicht wirkt dieser Vergleich etwas gekünstelt, aber doch ist das Geschehen in Berlin eine weitere drastische Episode in einer langen Geschichte der Entfremdung von Politik und Wirtschaft. Nach den in der Wirtschaft geltenden Prinzipien von Zielerreichung, organisatorischer Klarheit und Entscheidungsfindung, ist die aktuelle Situation nicht vorstellbar. Und entsprechend fällt auch das Feedback aus. Regierungsbildung als eine Art Volunteering. Bundesfreiwilligendienst. Oder wie Miriam Meckel in der Wirtschaftswoche so treffend schreibt, die „Zweitstimme“ bekommt jetzt eine neue Bedeutung. Einfach ein zweites Mal wählen. Oder eben so lange, bis es passt.