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Kann man Authentizität lernen?

Der erste Teil dieses Blog-Beitrags behandelte die Frage, wie Authentizität entsteht und warum diese für die Kommunikation so wichtig ist. Im zweiten Teil wird erläutert, wie wir authentisch bleiben können, obwohl wir eine Rolle spielen müssen.

Bis zu einem gewissen Grad akzeptieren wir, dass jemand in einer herausgestellten Position eine Rolle spielen muss und in einem Fernsehinterview nicht genauso redet wie in einem Gespräch mit einem guten Freund oder einer guten Freundin. Schließlich sprechen wir mit unseren Großeltern auch anders als mit unserem engsten Freundeskreis. Wir können durchaus in unterschiedlichen Rollen authentisch wirken, wenn die vier Kriterien erfüllt sind. Es gibt aber auch Rollen, in denen wir uns unwohl fühlen, weil wir sie zum Beispiel nicht gewohnt sind oder uns in dieser Rolle nicht wiedererkennen. Sie passt irgendwie nicht zu uns. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Dieser Rolle nicht annehmen. Diese Option wählt man, wenn die Rolle nicht zu meiner Person und zu meinen Werten passt. Die zweite Möglichkeit ist: Diese Rolle annehmen, sie mit meinen Werten und meiner Person in Übereinstimmung bringen und dann: üben! Üben, damit man in der Rolle authentisch wirken und das Publikum überzeugen kann.

Natürlich gibt es Menschen mit einem rhetorischen und schauspielerischen Talent, denen es leicht fällt, in unterschiedlichen Rollen zu überzeugen. Im Normalfall braucht es aber schon einiges an Übung, um in einer neuen Rolle wirkungsvoll zu kommunizieren. In einer offiziellen Sprecherrolle, bei der man ein Unternehmen oder eine Organisation vertreten muss, kommt erschwerend die Tatsache hinzu, dass man eben nicht sprechen kann „wie einem das Maul gewachsen ist“. Hier zählt jedes Wort. Jede kleinste Unsicherheit wird bei einem Interview aufgezeichnet und kann in Sekunden Millionen Zuschauer erreichen. Die Frage ist also: Wie wirke ich authentisch, wenn ich nicht ich selbst sein darf? Man muss sich über seine Rolle klar sein, seine Botschaften im Kopf haben und vor allem: Man muss es geübt haben. Mit der Übung kommt die Gewöhnung und langsam geht die Rolle in meine Person – sozusagen „ins Blut“ – über. Dann kann ich authentisch Auftreten und in kürzester Zeit völlig fremde Menschen davon überzeugen, mir zuzuhören.