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Himbeereis zum Frühstück – oder warum sicher so schnell keine Heuschrecke in unserer Müslischüssel landet

Morgens halb acht in Deutschland: Höchste Zeit für die erste Mahlzeit des Tages. Unsere Favoriten sind dabei Brötchen oder Brot, ein weich oder hart gekochtes Frühstücksei, Erdbeer- oder Kirschmarmelade, Honig, zwei bis drei Sorten Käse, Schinken und Wurst sowie ein Früchtejoghurt.

Ganz anders z.B. in Asien, wie ich selbst bei meiner letzten Reise erfahren durfte. Hier geben Nasi Lemak (Reis mit Chilisoße), Porridge mit getrocknetem Fisch oder Roti Channai (pfannkuchenartiges Fladenbrot) mit einem feurigen, indischen Curry die nötige Energie für den Start in den Tag. Wirklich lecker – allerdings wollten die meisten europäischen Gäste dies ihren morgenflauen Mägen nicht zumuten und griffen am Hotelbuffet zum vertrauten Croissant.

Aber warum ist das so? Was ist verantwortlich für unsere Geschmacksvorlieben?

Es sind verschiedene Faktoren, die bestimmen, was uns schmeckt und was nicht. Nur Weniges ist angeboren, wie zum Beispiel die Vorliebe für Süßes. Den größten Einfluss auf unsere Vorlieben beim Essen hat unsere Umgebung.

Das fängt bereits im Mutterleib an, denn das Ungeborene schmeckt über das Fruchtwasser und das Nabelschnurblut mit, was seine Mutter isst. Kurz gesagt: Hat Mama also gerne Essiggurken gesnackt, mag es der Sprössling ebenso.

Auch nach der Geburt ist es die Familie, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, was auf unserem Teller landet. Von Klein auf lernen wir so, dass zu einem ordentlichen Frühstück ein belegtes Brot oder Brötchen einfach dazugehört. Und essen die Eltern morgens am liebsten süß so wird auch aus uns mit großer Wahrscheinlichkeit eine morgendliche Naschkatze.

Untrennbar damit verknüpft ist die Kultur, in die wir hineingeboren werden. Sie prägt sowohl das Essverhalten der Eltern wie auch das eigene am stärksten. Die jeweilige Esskultur bildet sozusagen den Rahmen für unsere eigenen Geschmacksvorlieben. Zur deutschen Frühstückskultur gehört eben kein Chilireis und auch gedörrte Sardellen findet man im deutschen Haushalt eher selten. Klar, das hat auch etwas mit der Verfügbarkeit bestimmter Zutaten zu tun. Aber selbst dann, wenn wir Fremdartiges ganz einfach mal probieren könnten, tun wir es meist nicht – wie ich beim asiatischen Frühstücksbuffet live sehen konnte.

Ernährungswissenschaftler propagieren Insekten als die Super-Proteinquelle der Zukunft. Die Lösung, um die wachsende Weltbevölkerung satt zu bekommen. Asiaten knuspern frittierte Kakerlaken ja bereits seit langem und schätzen den nussigen Geschmack. An der Verfügbarkeit von Heuschrecken und Co. mangelt es hierzulande ebenfalls  nicht – aber ob demnächst tatsächlich bald knusprige Mehlwürmer unser Frühstücksjoghurt bereichern? Wohl kaum – ich glaube, da ließe sich Himbeereis wohl eher als neuer Frühstückstrend etablieren.