SONDERSITUATIONEN – HERAUSFORDERUNGEN FÜR UNTERNEHMEN UND BERATER

Neben der klassischen Kommunikation und Social Media gewinnen Sondersituationen zunehmend an Bedeutung, was die zuständigen Kommunikatoren betrifft. Die wesentlichen Gründe hierfür sind in einem immer komplexer werdenden rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Umfeld zu suchen. Die Compliance wird sehr viel restriktiver ausgelegt und birgt enorme Risiken. Gleichzeitig gehört das berechenbare Umfeld der „alten BRD“ schon lange der Vergangenheit an und musste einem sehr viel volatileren Kontext weichen. Faktoren wie die Niedrigzinslandschaft, die anhaltende Euro-Krise oder der Brexit sind machtvolle Einflüsse, die sich auf den Unternehmensverlauf auswirken kommen. Hinzu kommen Themen wie Culture Change, Managementwechsel, Neuausrichtung, Rebranding oder Restrukturierung, die disruptiv wirken. Sowohl die Verantwortlichen auf Unternehmensseite als auch deren Berater müssen sich diesen – oftmals spontan hereinbrechenden – Situationen stellen. Dies kann zwei Probleme mit sich bringen. Zum einen sorgt der Zeitdruck oftmals für hohe Belastungen, zum anderen fehlt es oft an der nötigen Erfahrung. Jahrelange hervorragende Medienarbeit bedeutet nicht automatisch, dass neue Herausforderungen ähnlich gut bewältigt werden können. Weiterlesen

Big Data – „Super wichtig, musst du machen, aber keine Ahnung was das ist“

Dass Big Data ein „Big Thema“ ist – auch in der PR – dürfte spätestens seit Donald Trumps Wahlkampfkampagne kein Geheimnis mehr sein. Der resultierende Mehrwert scheint enorm, die sich ergebenden Chancen vielversprechend und die Macht der Daten verspricht geradezu exorbitanten Informationsvorsprung. Die Frage ist: Was können riesige Datenmengen wirklich leisten, sind sie die Zukunft und (wo) haben sie Grenzen?

Den Begriff Big Data definitorisch abzugrenzen gestaltet sich zu einer echten Herausforderung. Beschreibt er nun lediglich die Vielzahl von komplexen Informationen oder funktioniert er nur in Kombination mit einer präzisen Analyse ebenjener Daten? Fest steht, der versprochene Mehrwert kann nur dann generiert werden, wenn Verantwortliche mit den Informationen umzugehen wissen und relevante Erkenntnisse daraus ziehen. Das beste Werkzeug nutzt nun mal nur demjenigen, der damit umzugehen weiß.

Modernisierung und technischer Fortschritt spielen Unternehmen dabei maßgeblich in die Hände. Dank Social Media und Co. war es nie leichter etwas über seine Stakeholder in Erfahrung zu bringen. Und genau hier liegt die beworbene Stärke von Big Data – die Möglichkeit Korrelationen zwischen Unternehmen und Stakeholdern zu erkennen, und vor allem zu verstehen. Die Chance, aus komplexen, abstrakten Daten und Fakten Handlungsempfehlungen abzuleiten. Die Kunst dabei ist es weniger unstrukturierte Daten zu generieren, sondern vielmehr die bestehenden Zusammenhänge zu beleuchten. Höchst intelligenten Programme leisten bereits heute sogenannte Big-Data-Analysen. Das Problem liegt also wahrscheinlich gar nicht am Werkzeug, sondern vielmehr an der Gebrauchsanleitung. Das Verständnis und das Bewusstsein dafür, dass auch einfachste analytische Kompetenzen eine genaue Zielgruppenanalyse zulassen, fehlt. Die Frage ist doch, wenn mit gesundem Menschenverstand bereits diverse Zusammenhänge und Muster erkannt werden können, wieso nicht den Prozess durch technische Unterstützung beschleunigen?

Interessant ist: Jeder setzt im Prinzip auf Big Data, beziehungsweise hat die Möglichkeit es sich zunutze zu machen. Daten werden aus Erfahrung gewonnen, und diese sammeln Unternehmen Tag für Tag, ohne es zu realisieren und sich ihres Wertes bewusst zu sein. Die gesammelten Erfahrungswerte müssen „nur noch“ analysiert, statt archiviert werden. Überraschung – jedes Medium besteht letztlich aus diversen, unterschiedlichsten Personen. Daten darüber, welche Themen bei wem, wann und warum funktionieren erlauben ein deutlich effektiveres und vor allem effizienteres Vorgehen. Und das ist nur eines von vielen Anwendungsbeispielen.

Ist Big Data nun die eierlegende Wollmilchsau der PR? Die Antwort ist: Nein. Daten liefern solide Wahrscheinlichkeiten als Basis weiteren Handelns, sind aber keine unfehlbare Allzweckwaffe. Manchmal sind richtige Entscheidungen rückblickend rational nicht nachvollziehbar – manchmal muss man sich einfach auf das altbewährte Bauchgefühl verlassen. Letzteres ist mit Sicherheit auch kein formvollendeter Erfolgsgarant – aber immerhin kostenlos.

 

Der Spiegel kennt die Formel der gesunden Ernährung – neu ist sie nicht

Zu einem gelungenen Wochenende trägt für mich auch immer eine gemütliche Auszeit auf der Couch mit der aktuellen Ausgabe des SPIEGELS bei. Diesen Samstag war die Lektüre des Mediums allerdings weder Quell der Freude noch intellektueller Anregung, sondern Grund für großen Unmut meinerseits. Die Titelgeschichte versprach Erhellendes zum Thema „So schmeckt die Zukunft“. Die Zusammenfassung liest sich folgendermaßen: „Das moderne Essen macht krank. Mit ultraverarbeiteten Lebensmitteln verführt uns die Industrie, mehr zu verzehren, als uns guttut. Doch Abnehmen ist möglich. Forscher kennen das Rezept, wie man sich einfach und gut ernähren kann.“

 

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Der neue Streit um das Gemeinwohl

Politische Würdenträger, Parteien, Behörden oder andere Institutionen beklagen seit einiger Zeit den emotional aufgeladenen, protestierenden Bürger, der sich in Gruppen organisiert und zunehmend auch juristisch gegen jede Form von Obrigkeit vorgeht. Postfaktisch wurde nicht ohne Grund das Wort des Jahres 2016. Der auch gerne „Wutbürger“ genannte homo postfactus verhindert Projekte oder Maßnahmen, die vor seiner Haustüre umgesetzt werden sollen oder verzögert sie zumindest spürbar, erhöht damit die Kosten und Ressourcen der Beteiligten und klopft diese manchmal regelrecht mürbe. Ob Gewerbe, Windräder, Stromtrassen oder Straßenbau – überall ist er präsent, verteidigt seine Partikularinteressen gegen das Gemeinwohl. Soweit, so bekannt. Weiterlesen

TV-Berichterstattung in der Lebensmittelbranche: Jede dritte Sendung bereits im Titel tendenziell kritisch

Engel & Zimmermann AG wertet rund 500 TV-Beiträge aus dem Jahr 2016 aus / Öffentlich-rechtliche Sender titeln besonders kritisch / Top-Themen: Qualitätschecks, kritische Inhaltsstoffe und Gesundheitsaspekte

Die Fleischbranche steht unverändert am häufigsten im Fokus der TV-Berichterstattung; viele Sender machen in der Programmankündigung mit reißerischen Titeln auf, die auf eine negative Tendenz schließen lassen; öffentlich-rechtliche Sender sind der Haupttreiber bei der kritischen Berichterstattung über die Lebensmittelbranche. So lauten drei der wichtigsten Ergebnisse einer Untersuchung der Engel & Zimmermann AG, Unternehmensberatung für Kommunikation, die auch für das Jahr 2016 wieder die Fernsehberichterstattung über Lebensmittel untersucht hat. Von den insgesamt 498 erfassten TV-Sendungen liefen 419 auf öffentlich-rechtlichen und 79 auf privaten Kanälen. Auffällig: Insgesamt ließ fast ein Drittel (144) aller erfassten Beiträge bereits im Titel eine negative inhaltliche Tendenz vermuten.

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Aus Windbeutel wird Mogelpackung: Verbraucherschützer geben sich die Klinke in die Hand

Es ist ruhig geworden um den „Goldenen Windbeutel“. Sorgte der Schmähpreis von Foodwatch noch bis vor wenigen Jahren für – nun, zumindest ein gewisses Maß an Nervosität bei vielen Lebensmittelherstellern, widmet sich die Verbraucherschutzorganisation bei ihren Kampagnen seit einiger Zeit anderen Themen. So wurde 2015 etwas einfallslos der Preis des Vorjahres für das gleiche Produkt einfach an einen anderen Verantwortlichen „weitergereicht“, wie Foodwatch es beschrieb. 2016 wurde der Windbeutel gar nicht verliehen. Das Ausbleiben einer neuerlichen medialen Brandmarkung ausgewählter Unternehmen überrascht insofern, als die jährliche Nominierung der Organisation eine riesige öffentliche Aufmerksamkeit bescherte. Alle relevanten Medien sprangen auf den Zug auf und nutzten dabei zumeist völlig unreflektiert das PR-Material, das ihnen Foodwatch zur Verfügung stellte. Und auch bei den Verbrauchern traf der Windbeutel ganz offensichtlich den richtigen Nerv: Die Zahl der online abgegebenen Stimmen stieg von Jahr zu Jahr von anfangs 35.000 (2009) auf letztlich über 150.000. Weiterlesen

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Kommunikations-Trends 2017: „Computational Communication“

Haben Sie schon einmal etwas von „Computational Communication“ gehört? Nein? Auf den ersten Blick lassen Wort-Ungetüme wie dieses auch nicht viel Gutes erahnen. Und doch wird man sich 2017 wohl auf die eine oder andere Weise mit diesem Phänomen auseinandersetzen müssen – wenn man den Medien- und Kommunikationstrends für das gerade angebrochene Jahr Glauben schenken darf. Die Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia veröffentlicht jährlich Analysten-Kommentare zu bedeutenden Mega-Trends in Deutschland. Weiterlesen

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Wenn nicht nur das Auge mitisst

Weder habe ich heute früh mein Müsli fotografiert, noch plane ich, die Tomatensuppe vom Mittagstisch abzulichten. Der Trend sieht anders aus. Unter dem Hashtag #foodporn häufen sich die Posts kreativer Teller-Arrangements. Laut einer YouGov-Umfrage (Auf Basis des YouGov Omnibus wurden 1.035 Personen im Zeitraum vom 1. bis 5. Juli 2016 repräsentativ befragt) haben zwei von drei Deutschen schon einmal ihr Essen fotografiert. Angeblich schmeckt fotografiertes Essen sogar besser. Das Auge isst eben mit. Weiterlesen

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Erfolgsfaktoren im Web 2.0 – Die Bedeutung von Nachrichtenfaktoren für Social Media PR

Mit den veränderten Kommunikationsbedingungen im Web 2.0 ist ein Phänomen entstanden, das der Kommunikationswissenschaftler Klaus Beck als publizistisches Paradox bezeichnet hat: „Einerseits wird die Publikation durch nahezu jedermann erleichtert, andererseits fällt es gerade deshalb umso schwerer, noch die Aufmerksamkeit […] einer relevanten Öffentlichkeit zu erreichen.“ Für die PR gelten in den sozialen Netzwerken andere Regeln als in der klassischen Öffentlichkeitsarbeit: Im Netz entscheiden nicht mehr (nur) Journalisten als die traditionellen „Gatekeeper“ über die erfolgreiche Verbreitung einer Botschaft – sondern die Leser selbst. Weiterlesen

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Veni, vidi, vici – der Dreier der Rhetorik

In Zeiten des digitalen und medialen Overkills wird es immer schwieriger, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Versprechungen der digitalen Revolution haben sich nicht erfüllt. Ja, wir haben jetzt zwar alle einen eigenen Kanal, um unsere Botschaften unter das Volk zu bringen. Allein – es hört keiner mehr zu. Da muss man schon besondere Köder auslegen, um die medial überforderte Zielgruppe zum Klicken zu bewegen. Das moderne Click-Baiting greift dabei hauptsächlich auf sehr klassische Erzählformen zurück, die Spannung aufbauen und Neugierde wecken sollen: Der Cliffhanger („Ihr werdet nicht glauben, was sie darauf antwortete…!“) und das Foreshadowing („Nummer fünf ist besonders interessant!“). Diese bewährten Stilmittel funktionieren auch in der digitalen Welt. Weiterlesen