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Kommunikations-Trends 2017: „Computational Communication“

Haben Sie schon einmal etwas von „Computational Communication“ gehört? Nein? Auf den ersten Blick lassen Wort-Ungetüme wie dieses auch nicht viel Gutes erahnen. Und doch wird man sich 2017 wohl auf die eine oder andere Weise mit diesem Phänomen auseinandersetzen müssen – wenn man den Medien- und Kommunikationstrends für das gerade angebrochene Jahr Glauben schenken darf. Die Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia veröffentlicht jährlich Analysten-Kommentare zu bedeutenden Mega-Trends in Deutschland.

Ganz oben auf der Liste steht nun eben „Computational Communication“. Gemeint ist damit die datenbasierte, automatisierte Kommunikation – die nicht nur Nutzen stiften, sondern eben auch erheblichen Schaden anrichten kann. Bereits heute nutzen Nachrichtenagenturen in aller Welt so genannte Roboterjournalismus-Software, um tausende von Artikeln – insbesondere in den Bereichen Sport, Börsen-News und Wetter – automatisiert auszuformulieren. Inzwischen lassen sich jedoch auch Stimmen umwandeln und beliebig verändern. „Mehr Information war nie“, schreibt Prof. Dr. Klaus Goldhammer, Geschäftsführer Goldmedia. Diese Form des Journalismus ist vor allem eins: schneller und günstiger als Reporter, Redakteure, Fotografen und Kamera-Teams – und angesichts einer Vielzahl von Anbietern, Kanälen, Diensten und Produkten nicht mehr aufzuhalten.

Soweit der Trend. Aber wie steht es mit Tatsachenverfälschung und (gezielter) Verbreitung von Falschinformationen? Die Antwort liegt auf der Hand: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Und schon regt sich der Gesetzgeber – aber irgendwie vergeblich. Denn wo und wie lassen sich hier Grenzen ziehen? Nicht zuletzt wären deutsche Gesetze im internationalen Informationsstrom auch nicht wirklich wirksam… Wie also die „Mediendemokratie“ stützen und schützen?

Verschiedene amerikanische Start-ups arbeiten an technischen Lösungen – mit berechtigten Zweifeln angesichts der starken Netzeffekte von großen sozialen Netzwerken, wie Experten urteilen. Blieben noch redaktionelle Kontrollversuche seitens Facebook und Google. „Ob wir ungewollt in ein neues Zensur-Zeitalter hineinschlittern, wird auf der gesellschaftlichen Agenda 2017 bleiben“, prognostiziert Prof. Dr. Klaus Goldhammer. Er sieht in der „Tatsachenbeschädigung“ einen realen, gefährlichen Trend für die Mediendemokratie.

Quelle: Goldmedia Trendmonitor 2017, www.goldmedia.com