Aus Windbeutel wird Mogelpackung: Verbraucherschützer geben sich die Klinke in die Hand

Es ist ruhig geworden um den „Goldenen Windbeutel“. Sorgte der Schmähpreis von Foodwatch noch bis vor wenigen Jahren für – nun, zumindest ein gewisses Maß an Nervosität bei vielen Lebensmittelherstellern, widmet sich die Verbraucherschutzorganisation bei ihren Kampagnen seit einiger Zeit anderen Themen. So wurde 2015 etwas einfallslos der Preis des Vorjahres für das gleiche Produkt einfach an einen anderen Verantwortlichen „weitergereicht“, wie Foodwatch es beschrieb. 2016 wurde der Windbeutel gar nicht verliehen. Das Ausbleiben einer neuerlichen medialen Brandmarkung ausgewählter Unternehmen überrascht insofern, als die jährliche Nominierung der Organisation eine riesige öffentliche Aufmerksamkeit bescherte. Alle relevanten Medien sprangen auf den Zug auf und nutzten dabei zumeist völlig unreflektiert das PR-Material, das ihnen Foodwatch zur Verfügung stellte. Und auch bei den Verbrauchern traf der Windbeutel ganz offensichtlich den richtigen Nerv: Die Zahl der online abgegebenen Stimmen stieg von Jahr zu Jahr von anfangs 35.000 (2009) auf letztlich über 150.000.

Wer sich nun freute, dass der Kelch einer Windbeutelnominierung an ihm vorbeigegangen ist, der dürfte interessiert nach Hamburg schauen: Die dort ansässige Verbraucherzentrale hat sich – mehr oder weniger zeitgleich mit der Einstellung des Windbeutels – das gleiche PR-Instrument wie Foodwatch zunutze gemacht und ruft seit 2015 zur Wahl der „Mogelpackung des Jahres“ auf. Die Relevanz der beiden Suchbegriffe bei Google zeigt, wie der eine Preis den anderen ablöste:

Wolfram_Mogelpackung des JahresGar keine schlechte Idee, wie auch die mediale Aufmerksamkeit zeigt: Anfang dieser Woche wurde der diesjährige Sieger gekürt, und genau wie bei der Veröffentlichung der Shortlist Anfang Januar war wieder auf die Medien – print wie online – Verlass.

Was jedoch auffällt, ist, dass das Interesse an der Mogelpackung längst nicht an die Windbeutel-Dimensionen heranzureichen scheint. So stimmten beispielsweise nur 23.000 Verbraucher ab, 3.000 weniger als 2015 (26.000). Woran liegt das? Hat Foodwatch das Thema totgeritten? Ist es den Verbrauchern mittlerweile egal? Macht Foodwatch einfach bessere Kampagnen als die Verbraucherzentrale? Profitiert Foodwatch von seiner Bekanntheit – nicht zuletzt in den Sozialen Medien (360.000 Facebook-Freunde vs. 21.000 bei der VZHH)? Die Beantwortung dieser Fragen ist müßig. Fakt bleibt nämlich, dass auch in diesem Jahr wieder über 20.000 Menschen an der Abstimmung teilgenommen haben, weil sie sich von einem der Lebensmittelhersteller mehr oder weniger auf den Arm genommen fühlten. Da hilft es nicht, sich über die Kampagnen der „bösen“ NGOs zu ärgern. Viel mehr kommt es darauf an, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, allem voran in Form einer professionellen Verbraucherkommunikation.