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„Constructive News“: aus Nachrichten Geschichten machen

„Only bad news are good news“ – lautet ein weit verbreiteter journalistischer Grundsatz. Oder zu Deutsch: Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Offensichtlich erwecken negative Schlagzeilen weitaus mehr Interesse, verkaufen sich besser und erhöhen die Auflage als gute Neuigkeiten. Warum der Mensch diesen besonderen Hang zu den schlechten Nachrichten hat, sei in diesem Fall einmal dahingestellt. Es formiert sich unterdessen Widerstand in der journalistischen Welt:  „Constructive News“ heißt der Medientrend. „Journalisten sollen nicht mehr nur herumnörgeln, sondern lieber Lösungen vorschlagen“, schreibt DIE WELT in einer der jüngsten Ausgaben. Aber was ist „konstruktiver Journalismus“ eigentlich?

Das Manifest der Bewegung ist eindeutig: „Wir sind der Überzeugung, dass die Medien mehr tun sollten, als Skandale zu produzieren, zusammenhanglos über Einzelereignisse zu berichten und mit reißerischen Schlagzeilen um Aufmerksamkeit zu buhlen“, schreiben die Macher des geplanten Online-Magazins „Perspective Daily“, drei Wissenschaftler aus Münster. Rein positiver Journalismus sowie das Verschweigen von Problemen soll es aber auch nicht sein.

Eine längere Tradition hat der konstruktive Journalismus in Dänemark. Seinen Vordenkern dort geht es dabei weniger um das Was, sondern eher um das Wie: „Mann-half-Katze-vom-Baum“-Geschichten seien nicht gemeint, vielmehr gelte es einen neuen Ansatz zu finden, um die Menschen wieder stärker mit Journalismus zu berühren. Auch hier: Weniger gute Laune als mehr Lösungsorientierung – und durchaus kritisches Hinterfragen. Die Huffington Post beispielsweise hat ein eigenes Ressort „Good News“ und sogar deutsche Tageszeitungen wie BILD oder taz widmen immer mal wieder einzelne Seiten oder ganzen Ausgaben der guten Nachricht.

Kritiker sehen in der konstruktiven Herangehensweise übrigens ein „Einfallstor“ für PR und deren Manager, die sich „unkritische Geister suchen, denen sie Unfug als Erfolg verkaufen können“. Schöne neue Welt. Wenn das mal so einfach – und vor allem von jedem so gewollt – wäre… Was wir uns alle (auch als PR-Berater) wünschen, sind doch erfahrene Journalisten, die sich mit einem Thema oder Problem tatsächlich auseinandersetzen, durchaus Kritik üben, aber auch positive Ansätze darstellen. Die Welt zu verbessern oder gar zu retten, kann man auch von Reportern nicht erwarten. Wie schreibt der Autor des Artikels so treffend: „Journalismus macht aus Nachrichten Geschichten. Die eben auch Lösungen aufzeigen  können. Journalisten selbst sind aber nicht dazu da, die Welt zu retten.“ In diesem Sinne dürfen wir uns doch auf etwas mehr Licht im Schatten der täglichen Nachrichten-Berichterstattung freuen…

Quelle: DIE WELT vom 19. März 2016

P.S.: Mehr Bedarf nach guten Nachrichten? Ein Online-Portal, das sich schon eine ganze Weile mit den guten Seiten der jeweils aktuellen Nachrichten befasst, ist „newslichter“:  Redaktion und freie Autoren haben es sich hier zur Aufgabe gemacht, das „nötige Licht auf inspirierende, motivierende Meldungen über Menschen, Projekte und Entwicklungen“ zu werfen. Auch wenn’s manchmal etwas esoterisch anmuten mag: Gut tut’s schon…

 

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