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Die „Krise“ ist allgegenwärtig – oder etwa nicht?

Ganz gleich, welchen Mediums – off- oder online – man sich in jüngster Zeit bedient: Die „Krise“ scheint allgegenwärtig: Ukraine-Krise, Euro-Krise, Griechenland-Krise – selbst Fußballvereine wie Chelsea und Mönchengladbach stecken offensichtlich in der Krise. Sogar die Menschen, die momentan nach Europa kommen, weil sie in der Heimat keine Perspektive haben, fallen unter dem Begriff „Flüchtlings-Krise“ dem inflationären Gebrauch dieses Worts zum Opfer.

Liegt das etwa an uns Deutschen? Sind wir ein Volk von Pessimisten und Bedenkenträgern, die ständig in Sorge leben (müssen)? Glauben mag ich das nicht – vor allem nicht, wenn ich sehe, wie engagiert viele Menschen hierzulande – darunter zahlreiche freiwillige Helfer –  daran arbeiten, die ankommenden Flüchtlinge zu betreuen. Dafür gebührt ihnen großer Respekt und Dank.

Manchmal passiert es mir jedoch selbst, dass ich im Gespräch mit Kunden – wenn es um die Krisenprävention und -kommunikation geht – im Grunde viel zu häufig von „Krise“ spreche, wenn es sich doch „lediglich“ um eine potenzielle Gefahr oder ein Risiko handelt, die sich nur im schlimmsten Fall zu einer für das Unternehmen existenzbedrohenden Krise auswachsen könnten. Sicher: Gute Vorbereitung auf kritische Situationen ist wichtig – ich ermahne mich jedoch immer wieder selbst, bedacht mit den Begrifflichkeiten umzugehen.

Laut Duden handelt es sich bei einer „Krise“ um eine „schwierige Lage, Situation, Zeit, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt“. Sich auf diesen Moment – auch kommunikativ – vorzubereiten und während der Krise angemessen zu handeln und zu kommunizieren, ist wichtig, keine Frage. Das sage ich meinen Kunden aus Erfahrung und Überzeugung.

Und in der Regel hat ein solches Arbeiten an Risiken und möglichen Krisenauslösern den positiven Effekt, dass man sich der Gefahr nicht mehr rat- und machtlos gegenüber sieht, sondern weiß, auf welche effektiven und effizienten Instrumente man zurückgreifen kann, welches Verhalten hilft und welche Art der Kommunikation eher zusätzlich schaden könnte.

Gute Vorbereitung kann der „Krise“ also ihren Schrecken nehmen – und vielleicht auch dazu führen, etwas vorsichtiger mit dem Begriff umzugehen. Ohne Zweifel, die Lage in der Ukraine oder in Griechenland ist in ihrem Ausmaß für „Außenstehende“, wie es auch die Medien sind, nur schwer zu erfassen. Gerade jedoch, wenn es um Menschen geht, die ihre Heimat und ihr Hab und Gut aufgeben, finde ich den Begriff „Flüchtlings-Krise“ eher unpassend.

Man könnte ja einmal darüber nachdenken, eine Petition einzureichen, um die „Flüchtlings-Krise“ zum Unwort des Jahres zu küren. Alles „Peanuts“, meinen Sie? 2004 war eines der Unwörter übrigens der Ausdruck „Begrüßungszentren“ – abgemahnt als „sprachliche Verniedlichung von Auffanglagern für afrikanische Flüchtlinge“. Wir werden sie finden, die Balance zwischen positiver Übertreibung und pessimistischer Grundhaltung im Sprachgebrauch.